Schulbehörde: Haltlose Vorwürfe gegen das Hamburger Abitur
Die Hamburger Schulbehörde hat zu Vorwürfen gegen das Hamburger Abitur Stellung bezogen. Behördensprecher Peter Albrecht: "Die KESS-12-Studie hat eindeutig bewiesen, dass die Leistungen der Abiturientinnen und Abiturienten an den Hamburger Gymnasien von 2005 bis 2011 gleich geblieben oder sogar besser geworden sind, obwohl über 33 Prozent mehr Schülerinnen und Schüler das Abitur gemacht haben. Es ist bedauerlich, dass diese eindeutigen Ergebnisse mit wissenschaftlich unseriösen Methoden und zahllosen Falschaussagen jetzt auf den Kopf gestellt werden."
17.10.2013 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)Albrecht stellte weiter klar: "Der Trend zu mehr Abiturienten ist kein Hamburger Phänomen, sondern besteht in allen Bundesländern und unabhängig von der jeweiligen politischen Regierung. In München ist die Abiturquote mit der in Hamburg durchaus vergleichbar. Die Diskussion zeigt aber auch, wie richtig es war, dass Senator Ties Rabe sich als erster Hamburger Schulsenator für bundesweit einheitliche Abiturmaßstäbe eingesetzt hat. Der Start ist bereits in diesem Schuljahr."
In der KESS-12-Studie wurden die Leistungen von Hamburger Abiturienten im Jahr 2011 mit den Leistungen der Abiturienten im Jahr 2005 verglichen. Studienleiter Ulrich Vieluf: "Sämtliche Tests, die im Rahmen dieser Studie eingesetzt wurden, waren bereits sechs Jahre zuvor in der LAU-13-Studie verwendet worden. Auf diese Weise ist ein direkter Vergleich der Kompetenzen, die die Abiturientinnen und Abiturienten der beiden verglichenen Schülerjahrgänge am Ende der gymnasialen Oberstufe erworben haben, möglich gewesen. Für die Auswahl der Testaufgaben waren die damaligen Studienleiter, Prof. Rainer Lehmann von der Humboldt-Universität zu Berlin und Prof. Ulrich Trautwein vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, verantwortlich. Sie erfüllen alle gültigen Gütekriterien. Dies ist in den Berichten zu LAU 13 ausführlich dargelegt worden. Die hohen Qualitätsmaßstäbe, die der Testentwicklung zugrunde lagen, spiegelt sich in beiden Schülerjahrgängen nicht zuletzt in den sehr hohen Korrelationen zwischen den Testergebnissen auf der einen Seite und den Fachnoten auf der anderen Seite wider."
Ulrich Vieluf weiter: "Obwohl die Abiturienten 2011 das G8, also einen um ein Jahr verkürzten Bildungsgang, durchlaufen und zugleich 33% mehr Schülerinnen und Schüler am Gymnasium das Abitur bestanden haben als 2005, sind die Leistungen in Mathematik, Englisch und in den Naturwissenschaften entweder gleich geblieben oder sogar besser geworden. Vor allem die Spitzengruppe leistungsstarker Schülerinnen und Schüler konnte zulegen. und erzielte deutlich höhere Lernstände als die Vergleichsgruppe sechs Jahre zuvor."
Vieluf trat einer Reihe von Falschaussagen über die Studie entgegen: "Es ist bedauerlich, dass die klaren Ergebnisse unserer Studie derzeit mit unseriösen Behauptungen verunglimpft werden. Die Testaufgaben decken ganz bewusst ein breites Leistungsspektrum ab: So beziehen sich 17 der insgesamt 64 Testaufgaben in Mathematik auf den Lernstoff der Sekundarstufe I ("Grundbildung"), die anderen 47 hingegen auf den Stoff der gymnasialen Oberstufe ("voruniversitären Mathematik"). Ein Großteil der in der FAZ wie auch in der BILD wiedergegebenen Testaufgaben wurde in der Studie überhaupt nicht verwendet. Insgesamt sind die Aussagen über die KESS-Studie derart unseriös, dass ich rechtliche Schritte prüfe."
Behördensprecher Peter Albrecht: "Der Trend zum Abitur ist überdies keine Hamburger Besonderheit: Bundesweit steigt die Zahl der Abiturienten seit langem an. Insbesondere in Großstädten ist das der Fall. In München ist die Abiturquote mit der in Hamburg durchaus vergleichbar. Auch an der Zahl der Studenten lässt sich dieser Trend klar erkennen. Es ist unsinnig, diesen bundesweiten Trend als Hamburger Besonderheit darzustellen. Noch unsinniger ist es, das angeblich gesunkene Abiturniveau mit SPD-Senator Rabe in Bezug zu setzen. Die KESS 12-Studie vergleicht das Leistungsniveau von Abiturienten, die zwischen 2002 und 2011 die Oberstufe besucht haben – damals regierte in Hamburg die CDU."
Albrecht wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Senator Ties Rabe sich als erster Hamburger Schulsenator für bundesweit einheitliche Abiturmaßstäbe eingesetzt hat. Als Präsident der Kultusministerkonferenz arbeitete er im letzten Jahr an einem Beschluss mit, ab dem Schuljahr 2016/17 in allen Bundesländern in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch gleich schwere Prüfungsaufgaben einzuführen. Peter Albrecht: "Dieser von Ties Rabe maßgeblich geprägte Beschluss wird zu einem gleichen Abitur-Niveau in allen Bundesländern erheblich beitragen. Hamburg geht sogar noch einen Schritt weiter: Zusammen mit Bayern, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein führt Hamburg schon in diesem Schuljahr gleiche Abituraufgaben in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch ein. Dazu werden – erstmals in der deutschen Bildungsgeschichte – alle Abiturientinnen und Abiturienten dieser sechs Bundesländer an denselben Tagen ihre Prüfung schreiben."
Rückfragen der Medien:
Behörde für Schule und Berufsbildung
Peter Albrecht, Pressesprecher
Tel. (040) 42863 – 2003
E-Mail:
Internet: www.hamburg.de/bsb
Anhang:
| Aussagen von Prof. Klein in der FAZ zur KESS 12/13-Studie | Gegendarstellung der BSB |
|---|---|
| "So konnte in der KESS-Studie 2012 nicht nur die Erhöhung der Anzahl gymnasialer Abiturienten im Jahrgang 2011 von 32 Prozent auf 54 Prozent gefeiert werden, …" (FAZ) | Die Angaben gibt es in der KESS 12-Studie nicht. |
| "Die meisten Aufgaben insbesondere in Mathe und den Naturwissenschaften, die von den Schülern für ´KESS` gelöst werden mussten, entsprechen dem Leistungsniveau der Mittelstufe oder darunter." (BILD) | Dies ist unzutreffend. Richtig ist vielmehr, dass in der KESS 12/13-Studie in Mathematik 17 Testaufgaben sich auf die mathematische Grundbildung mit curricularem Bezug zum Stoff der Sekundarstufe I beziehen und 47 Aufgaben auf den Bereich der voruniversitären Mathematik. |
| "In der ´mathematischen Grundbildung` muss der Schüler beispielsweise 90 × 12 ausrechnen, um zu sehen, dass die Summe größer als 800 ist…" (FAZ) | Dies ist unzutreffend. Eine solche Testaufgabe gibt es in der KESS 12/13-Studie nicht. |
| "…oder es ist eine Gerade mit dem Lineal zu verlängern und dann der Wert abzulesen, …" (FAZ) | Dies ist unzutreffend. Eine solche Testaufgabe gibt es in der KESS 12/13-Studie nicht. |
| "In der ´voruniversitären` Mathematik sind in der elementaren Wahrscheinlichkeitsrechnung 32 Prozent von 1000 zu rechnen." (FAZ) | Dies ist unzutreffend. Eine solche Testaufgabe gibt es in der KESS 12/13-Studie nicht. |
| "Auch beim einzig geforderten Beweis genügte es zu wissen, dass die Innenwinkelsumme im Dreieck 180 Grad beträgt." (FAZ) | Dies ist unzutreffend. Eine solche Testaufgabe gibt es in der KESS 12/13-Studie nicht. |
Keine Kommentare vorhanden