E-Learning

Schule im digitalen Netz

(Udo Beckmann). - Es scheint ein Anachronismus zu sein, dass Lehrer und Schüler im direkten Gespräch miteinander das Universum in Einzelaufgaben zerpflücken, Antworten befördern und Erkenntnisse auf den Weg bringen. Natürlich gibt es die digitalen Klassenzimmer, das Lernen in schulkreidefreier Zone, den permanenten Zugriff auf enzyklopädisches Wissen im Netz. Und dennoch bleibt Schule altmodisch, nicht nur, weil niemals das iPhone der jüngsten Generation im Schuleinsatz sein kann. Vielmehr orientiert sich das pädagogische Schrittmaß der Schule an der Entwicklung der Schüler und hastet deshalb klugerweise nicht dem Siebenmeilenstiefelschritt der Informationstechnologien hinterher.

07.01.2014 Artikel
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Schule rennt nicht

Mit diesem Credo ist Schule allerdings sehr offen für Entwicklungen. Wie ein Seismograf spürt Schule – und alle an ihr Beteiligten –, gesellschaftliche Erschütterungen, das Aushandeln möglicher Lösungen und die Suche nach Alternativen. Aber Schule rennt nicht gleich los. Das Innehalten, Nachdenken, Abwägen macht Schule zu Recht aus. Und macht Schule genau dadurch zukunftsfähig.

Web 2.0 kein Tabu

Dazu gehört, dass Lehrerinnen und Lehrer ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag auch im Hinblick auf Facebook und Co. nachkommen können. Es ist interessant zu beobachten, dass professionelles Verhalten gegenüber ihren Schülerinnen und Schülern und den Eltern im Hinblick auf das digitale Netz wie selbstverständlich von Lehrerinnen und Lehrern erwartet wird. Die Praxis zeigt jedoch, dass Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland nicht einmal flächendeckend dienstliche E-Mail-Adressen zur Verfügung gestellt werden. Auch die derzeitige Rechtslage lässt die nötige Klarheit vermissen. Die Erwartungen der Dienstherren je nach Bundesland variieren – mindestens. Doch das Web 2.0 für Lehrerinnen und Lehrer zu tabuisieren, ist genauso der falsche Weg wie andererseits Überlegungen, sie zum Auftritt in sozialen Netzwerken zu verpflichten. Notwendig ist stattdessen, sie kompetent zu informieren und auch zu schützen, wenn Lehrerinnen und Lehrer diese neuen Medien nutzen und ihre Schüler besser erreichen wollen. Bisher fehlen Beratungsstellen sowie Fortbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer zum Thema Web 2.0. Es ist natürlich richtig, Schule mit Blick auf die Schüler zu gestalten, umso wichtiger ist es, in der Fortbildung eben auch und gerade die berufliche Rolle der Lehrerinnen und Lehrer beim Umgang mit Social Media zu thematisieren.

Grauzonen schließen

Selbstverständlich muss durch die Schule der sensible Umgang mit personenbezogenen Daten gewährleistet werden. Die noch bestehenden juristischen Grauzonen müssen ausgeräumt werden. Klare Regelungen, die die Medienwirklichkeit anerkennen, müssen Lehrerinnen und Lehrern auch im medienpädagogischen Raum Sicherheit geben. Die öffentlichen Arbeitgeber müssen den Schutz der Lehrerinnen und Lehrer im Bereich Internet/Web 2.0 gewährleisten – ohne Wenn und Aber. Andererseits darf ihnen bei Auftritten in den sozialen Netzwerken kein Maulkorb verpasst werden. Lehrerinnen und Lehrer wissen dabei selbst, dass sich Zurückhaltung empfiehlt und möglichst keine Angriffsflächen geboten werden sollen. Es ist nun mal das Spezifische unseres Berufes, immer öffentliche Person zu sein und damit auch digital als Vorbild aufzutreten.

In den Niederungen der Wirklichkeit entscheidet sich letztlich, wie Schule nachhaltig den Weg der Zukunft einschlagen kann.


Vorwort von Udo Beckmann zu dem Themenspecial "Zukunft Lernen, zweite Ausgabe, Dezember 2013", Verlagsbeilage von DIE WELT. Alle Rechte bei Mediaplanet Verlag Deutschland GmbH.
Eine E-Ausgabe des Specials finden Sie unter bit.ly/ZukunftLernenDE.

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