Rheinland-Pfalz

Schule – was ist das?

Dass es zu dieser einfachen Frage keine einfache Antwort gibt, zeigte der "3. Fachkongress Realschule plus", den der Verband Deutscher Realschullehrer in Ingelheim veranstaltete. Längst hat sich das Aufgabenfeld der Schule über das eigentliche Kerngebiet – nämlich der Vermittlung von Wissen und Können – hinaus entwickelt. Von der Schule erwartet die Gesellschaft heute, was vor Jahren noch als selbstverständliche Aufgaben der Eltern angesehen wurde: Erziehung, Festigung von Primärtugenden, Gewaltprävention, Integration, Werteerziehung, Gesundheits- und Sexualerziehung, Medienerziehung usw.

18.03.2011 Pressemeldung Verband Reale Bildung

Darüber hinaus soll Schule individuelle Förderung in einer zunehmend heterogenen Schülerschaft bewältigen, soll Praxis- und Berufsorientierung bieten, Schlüsselqualifikationen vermitteln, stets für diszipliniertes Verhalten sorgen und vieles andere mehr.

Ministerin Doris Ahnen verteidigte auf dem VDR-Kongress die Schulstrukturreform. Das "Aussitzen" der Hauptschulprobleme habe in anderen Bundesländern die Situation für die Realschulen nur verschlechtert. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des "Mittelstandsbarometers" von Ernest & Young. Darin hätten sich acht von zehn befragten mittelständischen Unternehmen aus dem Land positiv zur Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz geäußert.

Prof. Dr. Rainer Dollase (Universität Bielefeld) hat in seinem Referat deutlich gemacht, dass man der wachsenden Heterogenität der Schülerschaft nur mit einem multiprofessionellen Unterstützungsteam Herr werden könne. Wissenschaft und Schulverwaltung hätten häufig keine Vorstellung davon, wie schwierig das "classroom management" inzwischen geworden sei.

Die Lehrkräfte kommen zunehmend an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit, was in einer im Vorfeld des Kongresses durchgeführten Befragung deutlich wurde. Mit den gewachsenen Aufgaben konnten weder die entsprechende Vorbereitung in der Lehrerausbildung noch die zeitlichen Ressourcen Schritt halten. Die Kongressteilnehmer berichteten übereinstimmend, dass die Belastungen durch die Schulstrukturveränderungen noch einmal deutlich zugenommen haben. Von den anwesenden bildungspolitischen Sprechern aller Parteien erwarten die Lehrkräfte deshalb ein kräftiges Plus für die neue Schulform.

Der Realschullehrerverband fordert aufgrund der bisherigen Erfahrungen u.a.:

  • die Absenkung der Klassenmesszahl in allen Klassenstufen auf 25 und in den Berufsreifebildungsgängen und -kursen auf 20.
  • zusätzliche Entastungsstunden für Klassenlehrer.
  • ausreichend Zeit zur individuellen Förderung in kleinen Gruppen.
  • die Anpassung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung an die aktuellen Herausforderungen sowie die Erhöhung der Entlastung für Sonderaufgaben.
  • die Möglichkeit der Fachleistungsdifferenzierung auch in der Orientierungsstufe, zumindest in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik zur Sicherung der individuellen Förderung.
  • an allen Schulen die Begleitung durch Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter.

Ansprechpartner

Verband Reale Bildung

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