Schulen brauchen Unterstützung – aber sie müssen sich auch entwickeln

Unbestritten ist eine Vielzahl der in dem Brandbrief der Schulleiter von Berlin-Mitte geschilderten Probleme zutreffend. Dies trifft insbesondere auf die baulichen Zustände und die Ausstattung der Schulen mit Lehrmaterial zu. Die Möglichkeiten der Schulen und deren Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen aus Migrantenfamilien oder aus sozial benachteiligten Familien zu fördern, sind jedoch – trotz der geschilderten Umstände – durchaus gegeben. Allerdings werden diese Möglichkeiten nicht immer adressatengerecht genutzt.

16.01.2009 Berlin Pressemeldung Landeselternausschuss Berlin (LEA Berlin)

Seit Jahren finden vor Schuleintritt Sprachstandserhebungen ("Bärenstark", "Deutsch Plus") statt. Auf Grundlage dieser Erhebung soll das betreffende Kind zuerst in der Kindertageseinrichtung und anschließen in der Schule (durch DaZ – Deutsch als Zweitsprache) gefördert werden. Leider wird das den Schulen zur Verfügung gestellte Stundenkontingent für diese Fördermaßnahmen gern (und überwiegend) für Teilungsunterricht und Vertretungsunterricht (zweckfremd) eingesetzt. Dies führt dazu, dass selbst an Gymnasien ein Bedarf an DaZ-Unterricht vorhanden ist, obwohl die Schüler alle eine 6-jährige Grundschule besucht haben und dort hätten (sprachlich) gefördert werden können.

Die Schulinspektion erfasst die durchschnittliche Lerngruppengröße. Gymnasien, Realschulen und Grundschulen weisen eine mittlere Lerngruppengröße zwischen 20 und 21 auf, Hauptschulen lediglich eine Lerngruppengröße von 12 Schüler und Schülerinnen. Im bundesweiten Vergleich liegt Berlin mit seiner Schüler-Lehrer-Relation im Spitzenbereich. Obwohl die Lerngruppengröße – vor allem im Bereich der Hauptschule – besonders klein ist und dies eine individuelle und gezielte Förderung der Schüler und Schülerinnen befördern würde, findet an den Schulen kaum eine individuelle oder differenzierte Förderung statt.

Von vielen Schulen und Lehrkräften wird gern angeführt, dass die Eltern aus Migrantenfamilien oder aus sozial benachteiligten Familien eher bildungsfern sind und kaum Interesse am Schulleben zeigen. Natürlich gibt es auch diese Fälle, eine pauschale Verallgemeinerung ist jedoch nicht zulässig. Zutreffend ist vielmehr, dass elterliches Engagement an den Schulen zunimmt, wenn sie merken, dass ihr Kind im Zentrum des Interesses steht. Hieran muss gearbeitet werden

Die Forderung des Bezirksbürgermeisters und der SPD- Fraktion von Berlin-Mitte, nach einem Sofortprogramm zur Unterstützung der Schulen, ist berechtigt und wurde in einigen Aspekten bereits umgesetzt. Doch nicht nur der Senat und der Bezirk sind hier in der Pflicht. Auch die Schulen und deren Lehrkräfte müssen sich der Herausforderung stellen. Der Landeselternausschuss unterstützt daher die Forderung des Bezirksbürgermeisters von Berlin-Mitte. Schulen müssen innerhalb von vier Jahren ein attraktives pädagogisches Angebot entwickeln und die Ergebnisse von Vergleichsarbeiten oder Schulabschlüssen auf den Stadtdurchschnitt heben. Wenn die Schulen diese Aufgaben nicht in vier Jahren leisten, sind sie zu schließen. Der Bezirksbürgermeister hat recht: Kinder auf diese Schulen zu schicken, ist dann niemanden mehr zuzumuten.


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