Schulen ohne Leiter – Schüler ohne Lehrer?

Zwischen 2007 und 2017 werden in NRW 3514 Grund-, Haupt-, Real-, Gymnasial-, Gesamt- und Förderschulleiterinnen und –leiter pensioniert. Das sind fast zwei Drittel der Grundschulleiter, jeweils mehr als die Hälfte der Gymnasial-, Gesamtschul- und Hauptschulleiter und fast die Hälfte der Realschulleiter. In dieser Zahl sind die zu ersetzenden stellvertretenden Schulleiterinnen und Schulleiter noch nicht berücksichtigt.

25.08.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

"Bereits jetzt sind in NRW etwa 350 Schuleiterstellen insbesondere an Grund- und Hauptschulen unbesetzt, für die zum Teil trotz mehrfacher Ausschreibungen keine Bewerber gefunden werden können", kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann diese Zahlen. "Das Interesse an dieser Funktion geht offenbar zurück, während der Bedarf gleichzeitig steigt."

Hinzu kommt die Altersstruktur der Lehrerschaft. 58,1 Prozent der Hauptschullehrer, 55,1 Prozent der Gymnasiallehrer, 48,7 Prozent der Realschullehrer, 46,7 Prozent der Grund- und 42,8 Prozent der Gesamtschullehrer in NRW sind 51 Jahre und älter.

"Schulleiter und Lehrerschaft altern gemeinsam und gehen gemeinsam in Pension", so Beckmann. "Das sind die Spätfolgen der Personalpolitik der 1990er Jahre."

1996 hatte die damalige Landesregierung die Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer erhöht und damit etwa 4000 Stellen eingespart. Der damals aktuelle Bedarf konnte mit dieser Maßnahme kurzfristig gedeckt werden. Welche Probleme diese Entscheidung 20 Jahre später nach sich ziehen würde, wurde aber nicht ins Auge gefasst. Die Folgen holen die Schulen jetzt allmählich ein. Auf alle Schulformen bezogen liegt der Anteil der 51- bis über 60-jährigen Lehrerinnen und Lehrer in NRW bei 47,9 Prozent. Mehr als 84.000 von insgesamt 176.000 nordrhein-westfälischen Lehrerinnen und Lehrer werden im Verlauf der kommenden 15 Jahre pensioniert. Der Anteil der 31- bis 40-jährigen Lehrerinnen und Lehrer liegt dagegen bei 22,6 Prozent. (Stand: Schuljahr 2007/08).

Der heraufziehende Fach- und Führungskräftemangel an den nordrhein-westfälischen Schulen wird sich durch weitere Entwicklungen noch verschärfen. In fast allen Ländern wird der Lehrerbedarf steigen, während die Ausbildungskontingente an den Universitäten weitgehend gleich bleiben. Gleichzeitig wird es infolge der Föderalismusreform zu einem verschärften Wettbewerb der Länder um den Lehrernachwuchs kommen.

"Das Land Hessen hat mit seiner aktuellen Lehrerabwerbekampagne hier bereits für den entsprechenden Vorgeschmack gesorgt", so Beckmann. "Baden-Württemberg folgt und wann weitere Länder sich diesem ruinösen Wettbewerb anschließen werden, ist nur eine Frage der Zeit."

Aufgrund des demografischen Wandels werden darüber hinaus künftig weniger junge Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Eine schärfere Konkurrenz zwischen dem öffentlichen Dienst und der Wirtschaft um qualifizierte Schulabgänger ist vor diesem Hintergrund absehbar. Das wird auch für die Schulen nicht ohne Folgen bleiben.

"Kein Wirtschaftsunternehmen wird tatenlos dabei zusehen, wie Fach- und Führungskräfte zur Mangelware werden", so Beckmann abschließend. "Auch die Landesregierungen müssen sich diesem Thema stellen und Konzepte entwickeln, um möglichst die Besten eines Jahrgangs für die Schulen zu gewinnen."


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