Schulzeitverkürzung an Gymnasien
Genau ein Jahr nach ihrer ersten Gesprächsrunde zur Umsetzung der Schulzeitverkürzung in Nordrhein-Westfalen trafen der Philologen-Verband, die Landeselternschaft der Gymnasien, die Rheinische und Westfälisch-Lippische Direktorenvereinigung sowie der Staatssekretär des Ministeriums für Schule und Weiterbildung und weitere Vertreter des Ministeriums erneut zu einem Informations- und Erfahrungsaustausch zusammen.
12.02.2009 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Erfreut bilanzierten die Teilnehmer, dass die damaligen Absprachen zügig umgesetzt wurden. Hierzu zählen u.a. die organisatorischen Regelungen des Nachmittagsunterrichts und die Verteilung der Förderstunden, Vorgaben zu Klassenarbeiten und Hausaufgaben, die Erstellung von "Musterlehrplänen" und neue Schulbuchkonzeptionen sowie die Vorgaben zur Mittagspause und der Wunsch nach Ausweitung von Ganztagsschulangeboten bei den Gymnasien.
Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer begrüßten grundsätzlich die Vorgaben, da sie den organisatorischen und pädagogischen Erfordernissen entsprachen. Dabei verkennt keiner, dass der Umsetzungsprozess nicht "automatisch" abläuft. Reibungsverluste sowie schwierige Konstellationen an einzelnen Schulen sind nach wie vor vorhanden.
Wenn auch die Umsetzung der Schulzeitverkürzung insgesamt von einer größeren Gelassenheit geprägt ist, so sind sich doch alle Gesprächspartner darin einig, dass weitere notwendige Unterstützungsmaßnahmen erforderlich sind. Insbesondere ist die Belastungssituation für die Schülerinnen und Schüler nach wie vor ernst zu nehmen. Mit weiteren praktischen Verbesserungen bei der Umsetzung lassen sich Sorgen und Verunsicherungen deutlich reduzieren. Diesem Ziel sind alle Teilnehmer der "G8-Runde" verpflichtet.
Sie verständigen sich daher auf folgende weitere Verbesserungen der Rahmenbedingungen:
- Uneingeschränkt stehen alle Gesprächsteilnehmer zur Grundsatzentscheidung für das 8-jährige Gymnasium. Kategorisch werden Bestrebungen abgelehnt, die Leitentscheidung für die einzelnen Gymnasien freizugeben oder an der Einzelschule alternativ unterschiedlich lange Bildungswege parallel einzurichten. Dies führe nicht nur zu einer Vielzahl neuer organisatorischer Probleme sondern provoziere auch die Einschätzung, dass es Gymnasien erster und zweiter Ordnung gebe. Verwischungen und Vermischungen klarer struktureller Vorgaben lösen keine Probleme - vielmehr schaffen sie neue.
- Die Schnittstelle des Englischunterrichts in der Grundschule im Übergang zu den weiterführenden Schulen kann noch optimiert werden. Das Ministerium sagt eine Überprüfung der Kompetenzerwartungen für die Grundschulen zu. Mit der Präzisierung der Anforderungen werden die recht unterschiedlichen Ausgangssituationen eingeschränkt und die Weiterführung der Sprache wird produktiver.
Regionale Maßnahmen zur Qualifikationserweiterung sollen Probleme des Übergangs von der Grundschule zu den weiterführenden Schulen fachspezifisch stärker als bisher in den Blick nehmen. Dabei sollen die Zusammenarbeit und der Dialog von Englisch-Lehrkräften aus Grundschulen und weiterführenden Schulen ausgeweitet und systematisch vernetzt werden. Bei Fortbildungsveranstaltungen für Teilnehmer aus Grundschulen und weiterführenden Schulen könnten gemeinsam erarbeitete Unterrichtssequenzen thematische Abstimmungserfordernisse unterstützen. Diesem Ziel kann auch die Ermöglichung gegenseitiger Unterrichtsbesuche dienen. - Das Erlernen der zweiten Fremdsprache stellt für viele Kinder eine besondere Leistungsherausforderung dar. Die Förderstunden der Schule sollen hier verstärkt eingesetzt werden. Ebenso verständigen sich die Gesprächsteilnehmer darauf, dass Unterstützungsmaßnahmen gezielt Probleme aufnehmen, die sich vor allem beim Fach Französisch zeigen. Den Eltern sollten intensivere Informationen zu den Fremdsprachen zukommen. Mit Verlagen soll konkret verhandelt werden, die Unterrichtsmaterialentwicklung für die zweite Fremdsprache mehr als bisher auf jüngere Schülerinnen und Schüler abzustimmen.
- Betont wird, dass auch bei bilingualen Bildungsgängen die vorgegebenen Grenzwerte bei der Stundentafel nicht überschritten werden dürfen. Die Ausweitung des Stundenvolumens infolge des bilingualen Zweiges darf keine unzulässige Kumulation durch die gleichzeitige Inanspruchnahme von Förderstunden erfahren.
- Mit mehreren Broschüren und Informationsschriften über das Konzept und über die Struktur der Schulzeitverkürzung sollen alle Betroffenen noch intensiver als bisher informiert werden.
In Handreichungen werden die häufig gestellten Fragen und Problemstellungen genannt und entsprechend beantwortet. - Es besteht die Erwartung, dass die Mittel aus dem Konjunkturpaket II für den Bildungsbereich (ca. 1,4 Mrd. Euro) insbesondere zur Umsetzung von notwendigen Investitionen bei der Ganztagsoffensive genutzt werden.
Modelle und Anregungen zur organisatorischen Umsetzung von Ganztagskonzepten an Gymnasien sollen publiziert werden. - Über die Erstellung von "Musterlehrplänen" hinaus sollen zur Unterstützung der unterrichtlichen Arbeit Hilfestellungen zur Umsetzung der Kernlehrpläne gegeben werden. Dabei wird Wert darauf gelegt, deutlich zu machen, dass sich die Konzentration und Straffung des Unterrichtsstoffes in einem schulzeitverkürztem Gymnasium letztlich auf alle Jahrgangsstufen bezieht.
U.a. soll dies auch Gegenstand in Schulleiterbesprechungen sein. Eine effiziente Verzahnung der Arbeit der Fachberater mit den Mitgliedern von Kompetenzteams soll ebenso diesem Anliegen Rechnung tragen. - Mit der Ausweitung der Stundentafel ergeben sich Veränderungen bei der Hausaufgaben-Praxis.
Die Gesprächsteilnehmer empfehlen, sich wegen der Ausweitung der Stundentafel an allen Schulformen mit allen Beteiligten und vor allem in den Fachkonferenzen über den Umfang der Hausaufgaben und ihre Einbindung in den Unterricht konstruktiv und transparent auszutauschen.
Probleme des fachspezifischen Lehrerbedarfs stellen an Gymnasien eine große Herausforderung dar. Das Land wird weiterhin alles unternehmen, um diesem Problem zu begegnen. Landeselternschaft, Direktorenvereinigungen und Philologen-Verband anerkennen die diesbezüglichen Anstrengungen der Landesregierung.
Die Gesprächsteilnehmer vereinbaren die Fortsetzung der Gesprächsrunde.
gez. Gabriela Custodis Landeselternschaft der Gymnasien
gez. Konrad Großmann Rheinische Direktorenvereinigung
gez. Dr. Luise Berg-Ehlers Westfälisch-Lippische Direktorenvereinigung
gez. Peter Silbernagel Philologen-Verband NW
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