Schwierige Elterngespräche professionell führen

Auch wenn die meisten Eltern heute kooperationswillig sind, fällt es nicht immer leicht, Elterngespräche zu führen. Der Gymnasiallehrer und Referent der SchiLf Akademie Kristian Seewald gibt wertvolle Tipps, wie Lehrkräfte konstruktive Gespräche im Sinne der Schülerinnen und Schüler führen.

07.07.2016 Bundesweit Pressemeldung SchiLf Akademie
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Einige Elterngespräche stellen Lehrkräfte vor spezielle Herausforderungen. Welche sind besonders schwierig?

Seewald: Aus meiner Sicht gibt es drei Arten schwieriger Gespräche: Manchmal greifen Eltern Lehrkräfte etwa wegen einer schlechten Note offen an, werden laut, machen Vorwürfe. Das ist natürlich problematisch. Häufig ist aber auch, dass ich als Lehrer Eltern unangenehme Nachrichten überbringen muss. Etwa, wenn sich eine Note verschlechtert hat oder das Vorrücken ihres Kindes gefährdet ist. Und: Für Lehrkräfte ist es oft schwierig, Eltern von ihrer doch so gut gemeinten Sicht zu überzeugen.

Warum ist gerade diese Überzeugungsarbeit so schwierig?

Für die Eltern ist ihr Kind das Wichtigste, das sie haben. Sie projizieren zum einen ihre Wünsche und Sehnsüchte auf ihre Kinder und können sich zum anderen persönlich angegriffen fühlen, wenn sie etwas Negatives über ihr Kind hören. Hinzu kommt, dass solche Gespräche auch für viele Eltern nicht immer angenehm sind: Wir Lehrer sind Amtsträger, wodurch sich eine Beziehungsasymmetrie ergibt: Auf der einen Seite die qua Amt bewertende Lehrkraft, auf der anderen Seite das „amtlose Elternteil“. Aber Eltern und Lehrkräfte wollen ja im Grunde das Gleiche – das Beste für das Kind.

Die fünf wichtigsten Gesprächstipps in Schnellcheck

  1.  Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor.
  2. Setzen Sie sich selbst und gemeinsam mit ihrem Gegenüber ein Gesprächsziel.
  3. Sammeln Sie im Vorfeld  konkrete, detaillierte Fakten.
  4. Beschreiben Sie die Situation statt sie zu bewerten.  Trennen Sie im Gespräch immer wieder zwischen der Person und ihrem Verhalten. Lassen Sie es zu, dass Eltern Bewertungen fällen.
  5. Reflexionsfrage zur Entspannung: „Wer hat das eigentliche Problem?“

Wie schaffe ich es trotzdem, im Team mit den Eltern zu arbeiten, um das Beste für das Kind zu erreichen?

Mein Leitsatz lautet: „Probleme sind auch Chancen!“. Dabei ist die Perspektive entscheidend: Ich kann also entweder mit Eltern darüber sprechen, warum ihr Kind auf einer fünf in Deutsch steht. Oder, wie es auf eine vier kommt. Dieser ressourcen- und zielorientierte Ansatz löst meist Blockaden und setzt Energie frei.

Oftmals wird der Lehrkraft die Schuld an der schlechten Note gegeben. Was können Lehrerinnen und Lehrer tun, damit sie nicht automatisch in diese Ecke gedrängt werden?

Mein wichtigster Tipp – für jede Art von Elterngespräch – ist eine gute Vorbereitung. Zum Gelingen trägt wesentlich bei, dass ich mir ein paar Minuten Zeit nehme, um mir die wesentlichen Dinge bezüglich des Gesprächs zu überlegen.

Und was sind die wichtigen Punkte?

Zunächst muss ich mir darüber klar werden, was ich erreichen möchte. Ich erlebe immer wieder, dass Lehrkräfte sagen, sie wollen ihr Gegenüber überzeugen. Dies gelingt allerdings nicht immer, da es die Kooperation der Eltern voraussetzt. Manche Eltern wollen einfach nur ihren Frust in einem Gespräch loswerden und die Lehrkraft muss unweigerlich mit ihrem Vorhaben scheitern. Hilfreich ist es daher, sich ein Minimalziel zu setzen. Etwa, die Eltern über die Leistungen ihres Kindes in Kenntnis zu setzen. Dies kann auch ohne Kooperation der Eltern gelingen. Alles andere ist Zusatz. Denn nicht immer kooperieren Eltern, lassen sich überzeugen, arbeiten an einer Lösung mit. Manchmal muss ich auch im Gespräch formulieren, dass es an dieser Stelle nicht weitergeht.

Kristian Seewald ist Gymnasiallehrer und arbeitet als Coach und Kommunikationstrainer. An der Schilf Akademie leitet er unter anderem das Seminar Schwierige Elterngespräche professionell führen.

Wo ein Minimalziel ist, gibt es sicher auch ein Maximalziel.

Selbstverständlich! Dieses liegt oft darin, eine gemeinsame Lösung eines Problems mit den Eltern zu finden. Dabei muss ich mir aber bewusst sein, dass ich nur einen Teil der Verantwortung für das Gespräch trage. Ein weiterer hilfreicher Punkt ist es, sich selbst Reflexionsfragen zu stellen. Fragen Sie sich, wer in diesem Gespräch das eigentliche Problem hat. Zur Vorbereitung zählt aber auch, dass ich mir die betreffende Schülerin oder den Schüler genau ansehe und das Verhalten neutral beschreibe. Dies trägt zur Versachlichung des Gesprächs bei.

Wie sieht das konkret aus?

Wenn ich Eltern sagen würde, dass ihr Kind faul ist, sind Konflikte vorprogrammiert. Ich kann aber auch notieren, wenn ein Kind innerhalb der letzten acht Doppelstunden viermal seine Hausaufgaben nicht erledigt hat. Durch das Aufschreiben verstärke ich die objektivierende Wirkung und lege meine Notiz den Eltern vor. Diese können sich dann ihr eigenes Bild machen und das Problem selbst benennen. Indem ich Fakten sprechen lasse, kommt gleichzeitig mit diesem Vorgehen der Vorwurf „Sie mögen mein Kind nicht“, erst gar nicht auf.

Wie verhalte ich mich dann im Gespräch selbst, damit es konstruktiv verläuft?

Wichtig ist es, die Eltern einzubinden und Erwartungen abzufragen. Diese kann ich zu Beginn mit meinem Gesprächspartner besprechen, indem ich konkret danach frage. Also etwa: „Worum soll es heute gehen?“, „Was soll das Ergebnis unseres Gesprächs sein?“ und „Wie sieht eine gute Lösung für Sie aus?“ Und wichtig ist es, festzulegen wer was zur Lösung beitragen kann. Dies impliziert: Auch Eltern und Schüler sind in der Pflicht.

Bei der SchiLF Akademie bieten Sie schulinterne Lehrerfortbildungen zu diesem Thema an. Worin besteht der Vorteil dieser Form?

Zum einen kann ich als Dozent sehr gezielt auf individuelle Bedürfnisse und Wünsche, die eine spezielle Schule betreffen, eingehen. Gleichzeitig erfahren Lehrkräfte kollegiale Unterstützung im Team und können sich gegenseitig helfen – auch nach Abschluss des Seminars.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Andrea Stickel

 

Über die SchiLf Akademie
Die SchiLf Akademie bietet direkte Lösungen und individuelle Beratung für den Schulalltag. Fachlich fundiert richten sich die Angebote an den konkreten Anforderungen der jeweiligen Schule aus und berücksichtigen dabei die Dynamik des gesamten Kollegiums. Gemeinsam mit einem Beirat aus schulerfahrenen Fachleuten – Lehrern und Schulleitern, Wissenschaftlern und Seminarleitern – bietet die Akademie ein praxisorientiertes Weiterbildungsprogramm. Die erfahrenen Referenten – allesamt Praktiker – wissen genau, wovon sie sprechen und schneiden ihr Fortbildungsangebot gezielt auf die jeweilige individuelle Situation zu.
http://www.schilf-akadmie.de

Ansprechpartner

AAP Lehrerfachverlage GmbH
Stephanie Brey
Niederlassung Augsburg
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