Sechs Prozent eines Altersjahrgangs ohne Schulabschluss

"Die gestern veröffentlichte Statistikblase wird spätestens im September platzen, wenn die Abschlusszahlen für das morgen zu Ende gehende Schuljahr vorliegen." Das sagte der GEW-Landeschef, Thomas Lippmann, zu Meldungen über die angeblichen Erfolge Sachsen-Anhalts im Kampf gegen den hohen Anteil von Schulabbrechern.

09.07.2008 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Als "unverantwortlich" bezeichnete der Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft heute den derzeitigen Umgang mit den Statistiken zu den Schulabschlüssen in Sachsen-Anhalt. Dies zeige einmal mehr, wie dilettantisch gerade die Macher der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" immer wieder statistische Angaben verarbeiten. Ihnen ist nicht bewusst geworden, dass die Absenkung der Anzahl von Schülern ohne Schulabschluss in den letzten drei Jahren fast ausschließlich den sinkenden Geburtenzahlen in den Nachwendejahren zuzuschreiben ist. Die Schüler, die im letzten Schuljahr die allgemeinbildenden Schulen ohne Schulabschluss – in der Regel also nach neun Schuljahren mit 15 Jahren – verlassen haben, wurden 1991/92 geboren. Da hatte sich die Anzahl der Geburten gegenüber den Jahren 1988/89 bereits fast halbiert. Wenn aus einer halbierten Schülerschaft noch etwa halb so viele Schüler kommen, die am Schulsystem gescheitert sind und es ohne Abschluss verlassen müssen, dann hat sich am Erfolg des Schulsystems selbst noch nichts verbessert, blickte Lippmann voraus.

Die derzeitigen Fehldarstellungen werden sich in den kommenden Jahren schrittweise korrigieren, weil dann auch die Realschüler und Abiturienten aus den geburtenschwachen Nachwendejahren das Schulsystem verlassen. Diese bestimmen maßgeblich die Gesamtanzahl der Schulabgänger eines Abschlussjahres, die als Berechnungsgrundlage für die jährlichen "Erfolgesmeldungen" dient.

Tatsächlich ist die Zahl der Schüler ohne Schulabschluss in Sachsen-Anhalt in den zurückliegenden Jahren etwas stärker gesunken als die Zahl der Geburten, so dass von einer geringen Verbesserung der Abschlusssituation ausgegangen werden kann. Diese beträgt aber nicht drei oder sogar noch mehr Prozentpunkte, wie die Zahlenangaben in den Medienberichten suggerieren, sondern nur etwas mehr als einen Prozentpunkt.

Noch immer verlassen insgesamt mehr als 6 Prozent eines Altersjahrganges die Schulen in Sachsen-Anhalt ohne Schulabschluss. "Eine viel zu hohe Zahl betroffener Jugendlicher mit schlechten beruflichen und persönlichen Perspektiven, die künftig auch der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Landes fehlen werden. Da tut mehr und bessere Unterstützung Not", schätzt Lippmann die Situation ein. Er begrüßt die angekündigten Aktivitäten des Kultusministeriums, mit EU-Fördermitteln für Abhilfe zu sorgen. Wünschenswert sei, den Schülern effektive Unterstützung und der Öffentlichkeit ehrliche Zahlen anzubieten.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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