Bildungsangebot

Staatlichen Unterricht in den Her­kunfts­sprach­en statt Konsulatsunterricht

Bildungsministerin Karin Prien will mittelfristig einen staatlich organisierten Unterricht in den wichtigsten Herkunftssprachen an den Schulen anbieten können.

02.09.2019 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Holstein
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In der Debatte im Kieler Landtag betonte sie am 28. August zunächst: „Unsere Bildungssprache an den öffentlichen Schulen ist Deutsch. Gute Deutschkenntnisse sind die Voraussetzung für einen erfolgreichen Schulabschluss, den Einstieg in das Berufsleben und gelingende Integration.“ Deshalb sei es ein wichtiges Anliegen, dass alle Schülerinnen und Schüler über möglichst gute Deutschkenntnisse verfügten. Gleichzeitig gelte: „Wer von Kindesbeinen an zweisprachig aufwächst, kann einen großen Startvorteil haben. Das gilt für Englisch, Französisch oder Dänisch - und das gilt selbstverständlich auch für Arabisch oder Türkisch.“

Zweisprachigkeit sei gerade im Zeitalter der Globalisierung „ein Geschenk“. Junge Menschen, die in zwei Sprachen und Kulturen zu Hause seien, könnten Brückenbauer sein. Und: Wer seine Herkunftssprache nachhaltig erlerne, festige die eigene Sprachkompetenz und lerne schneller Deutsch. Das belegten viele Studien. „Deshalb ist herkunftssprachlicher Unterricht eine wichtige Bildungsaufgabe und deshalb ist es auch unser Ziel herkunftssprachlichen Unterricht unter staatlicher Aufsicht anzubieten.“, sagte Prien. Der Anfang sei bereits gemacht: „Im laufenden Schuljahr bieten wir an zwei Pilotschulen erstmals herkunftssprachlichen Unterricht in staatlicher Verantwortung an.“ Die Theodor-Storm-Schule in Kiel-Wellingdorf und die Gotthard-Kühl-Schule in Lübeck-St. Lorenz beginnen spätestens nach den Herbstferien mit ihren ersten Lerngruppen für herkunftssprachlichen Türkischunterricht. Die vorgesehenen Themen orientieren sich an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und sollen ihnen auch ein differenziertes Bild der Türkei in ihrer ganzen Vielfalt vermitteln.

Sie kündigte an, dass noch in diesem Jahr mit Hilfe einer Schul-Abfrage der genaue Bedarf für alle Sprachen ermittelt werde. „Auf dieser Grundlage werden wir das Angebot an herkunftssprachlichem Unterricht sukzessive ausbauen.“ Voraussetzung dafür sei allerdings auch, dass sich genügend Lehrkräfte für den herkunftssprachlichen Unterricht fänden.  „Das ist tatsächlich eine große Herausforderung. Aktuell gibt es an unseren allgemeinbildenden Schulen zum Beispiel keine einzige Lehrkraft mit der Fakultas Türkisch.“

Um mehr Lehrkräfte, gerade auch für den Türkischunterricht, zu gewinnen sei nun geplant, am Institut für Orientalistik an der Kieler Universität einen Studiengang „Türkisch als Ergänzungsfach“ einzurichten. Dieser Studiengang solle dem Profil Lehramt an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen entsprechen und auch landeskundliche Aspekte, Literatur, Kultur und Geschichte behandeln. „Bis die Absolventinnen und Absolventen an die Schulen kommen, greifen wir auf Lehrkräfte türkischer Herkunft zurück, bevorzugt mit einer Fakultas in einer modernen Fremdsprache“, sagte Prien. Mit diesem neuen Unterrichtsangebot werde das bisherige Angebot des türkischen Generalkonsulats jetzt bereits ergänzt und mittelfristig könne so eine gute Alternative angeboten werden.


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