Stimmungsbarometer steht auf Veränderung

"Hauptschullehrkräfte und –leiter wollen mehrheitlich Veränderungen. Sie glauben nicht, dass die Qualitätsoffensive Hauptschule ihre Schulform attraktiver machen und den stetigen Rückgang der Anmeldezahlen stoppen kann." Dieses Resümee zieht der VBE-Landesvorsitzende Udo Beckmann aus den Ergebnissen der VBE-Meinungsfrage zur Zukunft der Hauptschule, die von Ende September bis Anfang Oktober durchgeführt wurde.

09.11.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Danach halten nur 9,5% der Schulleiter und 8,6% der Lehrkräfte die Hauptschule für eine Schulform mit Zukunft. Nur 8,9% der Schulleiter und 10,8% der Lehrkräfte glauben, dass sie in NRW als eigenständiger Bildungsgang erhalten bleiben wird.

"Das sind Ergebnisse, die der Landesregierung zu denken geben sollten", so Beckmann. "Immerhin kommen diese Stimmen von Praktikern, die zum Teil seit Jahrzehnten an einer Hauptschule arbeiten und bereits zahlreiche schulpolitische Maßnahmen zur Stärkung ihrer Schulform miterlebt haben."

Die Wirkungen der Qualitätsoffensive Hauptschule schätzen sowohl Schulleiter als auch Lehrkräfte ganz anders ein als die Landesregierung. So gaben 90,5% der Schulleiter und 84,4% der Lehrkräfte an, die Qualitätsoffensive Hauptschule habe die Akzeptanz der Schulform in der Bevölkerung nicht verbessert.

Das Herzstück der Qualitätsoffensive – die Umwandlung von Halbtags- in Ganztagshauptschulen – wird von Lehrkräften und Schulleitern nicht als Mittel zur Erhöhung der Attraktivität der Schulform Hauptschule angesehen. So glauben 73,2% der Schulleiter und 58% der Lehrkräfte nicht, dass Eltern für ihre Kinder eine Ganztagshauptschule einer anderen weiterführenden Schule ohne Ganztag vorziehen.

"Seit vier Jahren tut die Landesregierung in der Öffentlichkeit so, als habe sie mit der Qualitätsoffensive Hauptschule den Stein des Weisen gefunden", so Beckmann. "Nun machen Schulleiter und Lehrkräfte deutlich, dass es sich hierbei noch nicht einmal um einen kleinen Kieselstein handelt."

70% der Schulleiter und 75,6% der Lehrkräfte wünschen sich eine Veränderung der Schulstruktur, 57,1% der Schulleiter und 51% der Lehrkräfte sprechen sich für eine Gemeinschaftsschule aus.

Beckmann: "Es ist nicht zu übersehen: Das Stimmungsbarometer steht in den Hauptschulen auf Veränderung. Hauptschullehrkräfte und –leiter wollen Veränderungen für ihre Schülerinnen und Schüler, weil sie wissen, dass Kinder ein anregungsreiches Lernumfeld brauchen, um sich optimal entwickeln zu können. Sie wollen aber auch Veränderungen für sich selbst, damit sie ihre Jahrzehnte lang unter Beweis gestellte Innovationskraft wieder besser nutzen können."

Die Umfrage bestand aus zwei Fragebögen. Der eine richtete sich gleichzeitig an Schulleiter und Lehrkräfte, der andere ausschließlich an Schulleiter. 168 Schulleiterinnen und Schulleiter lieferten jeweils zwei auswertbare Bögen ab. In NRW gibt es im Schuljahr 2009/10 noch 671 Hauptschulen, damit wurde also ein Viertel aller Hauptschulleiter mit der Umfrage erfasst. Darüber hinaus waren 757 Lehrkräfte an der Umfrage beteiligt.

  • Schuleiter und Lehrkräfte von Hauptschulen in Groß- und Kleinstädten sowie im ländlichen Raum sind in hinreichendem Maße vertreten
  • Die Altersstruktur der Gesamtpopulation der Hauptschullehrkräfte wird in der Umfrage ebenso abgebildet wie die Verteilung nach Geschlecht
  • Schulleiter und Lehrkräfte an Ganztags- und Halbtagshauptschulen sind in der Verteilung vertreten, wie die Schulstatistik sie für die Gesamtpopulation ausweist.

"Die Landesregierung mag nun an der Repräsentativität unserer Umfrage herumdeuteln oder wieder einmal erklären, die Hauptschule sei die Schulform für die `praktisch Begabten`", so Beckmann abschließend. "Wir haben hier die Ergebnisse einer Umfrage vorliegen, die sich nicht wegdiskutieren und mit keiner noch so gut gemeinten Hauptschuloffensive umkehren lassen."

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage finden Sie unter: www.vbe-nrw.de


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