Struktur-Chaos in FDP-Köpfen?

Als einen Schnellschuss wertet der Philologen-Verband das Plädoyer des nordrhein-westfälischen FDP-Landesvorsitzenden Andreas Pinkwart, Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen flächendeckend zu "Regionalen Mittelschulen" zusammen zu legen.

13.11.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)

Nicht nur ist die neue Bezeichnung als Mix aus schleswig-holsteinischen, sächsischen und rheinland-pfälzischen Schulsystem wenig originell, problematischer sind Tendenzen hin zur Einheitsschule!

Welche Profilierungssucht treibt eine Partei, wenn sie den bisher klaren Kurs in der Schulstrukturdebatte aufgibt? Welche Not durchzieht eine Partei, den Einheitsvisionen der Oppositionsparteien entgegenzulaufen? Warum fällt die FDP in einer entscheidenden schulpolitischen Frage der CDU in den Rücken ? "Parteiinterne Motive interessieren uns nicht", kommentiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes, "aber es schockiert, dass die FDP ihrer schulpolitischen Glaubwürdigkeit einen so schweren Schaden zufügt!" Gestern noch Stolz und Jubel: ´ Mit dem neuen Schulgesetz in Nordhrein- Westfalen stärken wir das gegliederte Schulsystem und sorgen für mehr Qualitätssicherung ...´ (Einladungstext aus FDP - ´Praxisdialog Schule´ – Veranstaltung am 30.11.2007). Gestern noch das öffentliche Bekenntnis zur Hauptschule, zur inhaltsbezogenen Schulreform, zur Kritik an der früheren Gesamtschulbevorzugung. Gestern noch das hohe Lied auf den deutlicheren Schulformbezug im neuen Lehrerausbildungskonzept. Und heute?

Der Philologen-Verband verschließt nicht die Augen davor, dass vor allem in ländlichen Regionen aufgrund sinkender Schülerzahlen organisatorische Zusammenschlüsse notwendig werden können. Hierfür bietet das aktuelle Schulgesetz hinreichenden Raum. Wenn diese Möglichkeiten allerdings zu eng ausgelegt werden, provoziert man die Neugründung von Gesamtschulen. Wir fordern den FDP-Landesvorsitzenden dringend zur Klarstellung und Korrektur seiner Äußerungen auf.

"Vereinheitlichungstendenzen gefährden letztlich sämtliche bildungspolitischen Reformprojekte der Landesregierung. Qualitätsmaßnahmen werden ad absurdum geführt", so Peter Silbernagel. Der Philologen-Verband setzt sich auch weiterhin für ein differenziertes, qualitativ gutes Schulsystem ein.


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