Lehrberuf

Studentische Vertretungslehrkräfte sichern Unterricht

Die erste bundesweite Studie zum Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte zeigt: Sie übernehmen früh im Studium eigenverantwortlich Unterricht bis hin zu Klassenleitungen, werden dabei kaum begleitet und zu oft fachfremd eingesetzt - selbst in Kernfächern wie Deutsch und Mathematik.

11.06.2026 Bundesweit Pressemeldung Stifterverband
  • Grundschulkinder sitzen in einem Klassenzimmer und heben die Hände zur Wortmeldung, an der Tafel steht eine Lehrerin. © Adobe Stock Mehr als 90 Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte unterrichten mindestens ein Fach, das sie nicht studieren.

Das sind Ergebnisse der Studie des Stifterverbandes Wenn Studierende Unterricht sichern, Einsatz, Risiken und Perspektiven studentischer Vertretungslehrkräfte vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels. Der Stifterverband fordert Schulen, Hochschulen und Politik auf, gemeinsam zu handeln, um verbindliche Qualitätsstandards und wirksame Unterstützung für Studierende umzusetzen.

Lehramtsstudierende sichern in großem Umfang Unterricht an den Schulen und federn den akuten Lehrkräftemangel ab. Der Stifterverband hat nun erstmals bundesweit Lehramtsstudierende an allen lehrkräftebildenden Hochschulen nach ihren Erfahrungen befragt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, ihr Schuleinsatz erfolgt häufig unter schwierigen Bedingungen: Fast alle studentischen Vertretungslehrkräfte (95 Prozent) stehen allein vor der Klasse und erteilen eigenständigen Unterricht. Trotz erheblicher zeitlicher Konflikte mit dem Studium bewertet die große Mehrheit ihre Praxiserfahrungen als positiv und sieht sie als Anreiz, das Studium abzuschließen.

Gleichzeitig machen die Ergebnisse dringenden Handlungsbedarf deutlich: 40 Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte haben noch keinen Bachelorabschluss, manche unterrichten bereits im ersten Studienjahr. Neun Prozent der Befragten übernimmt Aufgaben mit sehr hoher Verantwortung: wie Klassenleitungen oder die Beteiligung an Abschlussprüfungen. Dabei werden sie oft alleingelassen. Mehr als ein Drittel der studentischen Vertretungslehrkräfte wird während des Einsatzes nicht begleitet – weder von den Schulen noch von den Hochschulen.

Besonders problematisch ist auch, dass die Mehrheit fachfremd eingesetzt wird. Mehr als 90 Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte unterrichten mindestens ein Fach, das sie nicht studieren. Das gilt sogar für zentrale Kernfächer: Nur 57 Prozent derjenigen, die Deutsch unterrichten, studieren dieses Fach. In Mathematik sind es sogar nur 41 Prozent.

Schon im Januar 2023 hatte die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz Empfehlungen für den Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte ausgesprochen. Diese decken sich größtenteils mit denen des Stifterverbandes: Einsatz nur ab dem Masterstudium, kein fachfremder Unterricht, keine Klassenleitungen sowie eine verbindliche Betreuung und Vereinbarkeit mit dem Studium. Die vorliegenden Befunde zeigen, dass dies vielerorts nicht eingehalten wird.

„Schulen werden auf absehbare Zeit nicht auf studentische Vertretungslehrkräfte verzichten können. Doch solange Schulen, Hochschulen und Ministerien nur auf ihre begrenzten Ressourcen verweisen und die Verantwortung bei den jeweils anderen suchen, wird sich am Schuleinsatz Lehramtsstudierender wenig verbessern“, fasst Bettina Jorzik, Programmleiterin für Hochschullehre und Lehrkräftebildung im Stifterverband die Ergebnisse der Studie zusammen. „Verantwortlichkeiten müssen künftig klar abgesteckt werden und alle Beteiligten ihren Beitrag leisten.“

Der Stifterverband hat erstmals klare Verantwortlichkeiten formuliert und fordert alle an der Schulbildung beteiligten Institutionen auf, gemeinsam zu handeln:

  • Hochschulen müssen die Begleitung aller studentischen Vertretungslehrkräfte sicherstellen – vergleichbar mit der Betreuung in den Praxisphasen des Lehramtsstudiums.
  • Kultusministerien sollten die oben genannten verbindlichen Regeln für den Schuleinsatz von Lehramtsstudierenden festlegen und deren Einhaltung kontrollieren.
  • Schulen müssen den Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte studiengerecht planen und ihnen mindestens eine verlässlich erreichbare Ansprechperson zur Seite stellen.
  • Wissenschaftsministerien sollten die notwendigen Mittel bereitstellen, damit Hochschulen ihre Betreuungsangebote entsprechend ausbauen können.

Mit der Studie Wenn Studierende Unterricht sichern, Einsatz, Risiken und Perspektiven studentischer Vertretungslehrkräfte vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels hat der Stifterverband erstmals bundesweit Lehramtsstudierende über ihren Schuleinsatz befragt und klare Verantwortlichkeiten für ihren qualitätsgesicherten Einsatz definiert. Die Studie wurde im Rahmen der Zukunftsmission Bildung erstellt. Mit ihr will der Stifterverband ein Bildungssystem für eine Welt im Wandel gestalten, das schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterbildet, um die Innovationskraft der Gesellschaft zu stärken.

Die Studie zum Download finden Sie unter: https://www.stifterverband.org/medien/wenn_studierende_unterricht_sichern

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