Theater und Schule – ein wichtiges Feld ästhetischer Bildung in Hessen

Die Lust auf Theater an hessischen Schulen ist groß: 87 Prozent der Schulen bieten ihren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, selber Theater zu spielen, und bei 79 Prozent gibt es ein- bis zweimal jährlich einen Theaterbesuch. Diese Ergebnisse einer Bestandsaufnahme der Internationalen Vereinigung des Kinder- und Jugendtheaters ASSITEJ haben die Staatssekretäre Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz und Joachim Jacobi heute in Wiesbaden vorgestellt.

27.08.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Entwicklungsmöglichkeiten sehen die Initiatoren der Studie allerdings bei der Zusammenarbeit von Schulen mit Kinder- und Jugendtheatern, den Staats- und Stadttheatern sowie den freien Theatern: "Hier gibt es eine Fülle von theaterpädagogischen und Gastspielangeboten, die wir im Interesse einer besseren Nutzung durch die Schulen systematischer bekannt machen wollen", sagte Staatssekretär Prof. Lorz vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das die Studie gefördert hat. Nach den Worten des Staatssekretärs im Hessischen Kultusministerium, Jacobi, zeigt die Untersuchung einen hohen Stellenwert des darstellenden Spiels an den Schulen: "Die Zahlen belegen, dass die intensiven Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und die Einführung als Grundkursangebot in der Oberstufe dem darstellenden Spiel einen echten Bedeutungsschub verliehen haben. Es kann sich neben den Fächern Kunst und Musik durchaus gleichberechtigt behaupten."

Mit der Bestandsaufnahme "Theater und Schule" liegen erstmals gesicherte Daten über ein wichtiges Feld der ästhetischen Bildung vor. Gefragt wurde sowohl nach der Entwicklung des darstellenden Spiels an hessischen Schulen als auch nach der Wahrnehmung der Angebote der professionellen Theater. Die Auswertung der Daten von 1020 Schulen kann vor allem für ländliche Regionen als repräsentativ gelten.

"Dass sich rund 45 Prozent aller Schulen ausdrücklich eine engere Kooperation von Schule und Theater wünschen, sehe ich als gute Basis für die zukünftige Entwicklung dieses Bereiches der ästhetischen Bildung", sagte Prof. Wolfgang Schneider, Weltpräsident der ASSITEJ und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Theater und Schule.

Bemerkenswert ist, dass sich der Untersuchung zufolge die Aktivitäten im darstellenden Spiel zwischen 2000 und 2006 deutlich verstärkt haben – und dies obwohl die PISA-Studie in diesem Zeitraum die Aufmerksamkeit vorrangig auf die Kernfächer zu konzentrieren schien. Eine wesentliche Voraussetzung für diese erfolgreiche Entwicklung ist die langfristige Fortbildung zum Theaterlehrer, die seit 2002 im Auftrag des Kultusministeriums vom Landesverband Schultheater in Hessen durchgeführt wird.

Die Erhebung bestätigt allerdings auch den in anderen Studien festgestellten Zusammenhang von Bildungsgrad, Schulform und Kulturinteresse: Während die Gymnasien bei Theaterspiel, Theaterbesuch und Ausstattung mit Theaterlehrkräften an der Spitze liegen, sind die entsprechenden Aktivitäten an den Haupt- und Realschulen deutlich geringer. Dennoch wächst auch hier das Interesse an theaterpädagogischer Arbeit und an Kooperationen mit professionellen Theatern.

Ziel der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen Theatern und Schulen muss es nach Ansicht der Landesregierung sein, die vor allem in den Ballungsräumen ausreichend vorhandenen Potenziale an professionellen Theaterangeboten auch für den ländlichen Raum zu erschließen. Zukunftsweisend ist dabei, so die beiden Staatssekretäre, dass im Zusammenhang mit Planung und Auswertung der Studie zum ersten Mal die Vertreterinnen und Vertreter des darstellenden Spiels in der Schule und der professionellen Theater zusammengearbeitet haben und künftig alle weiteren Schritte in der bestehenden Arbeitsgruppe miteinander abstimmen werden.


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