Kritik

tlv zu möglichen Vorgaben für Schulgrößen: "Bildungspolitik mit dem Rasenmäher"

Auf die in der heutigen Tagespresse bekannt gewordenen mutmaßlichen Pläne zur Festlegung neuer Vorgaben für die Schulgrößen im Freistaat reagierte der tlv thüringer lehrerverband mit harscher Kritik: Die Umsetzung dieser Vorgaben würde nichts anderes bedeuten, als "Thüringens Schullandschaft mit dem Rasenmäher auszudünnen".

12.02.2016 Thüringen Pressemeldung thüringer lehrerverband

"Mag sein, dass das Ministerium diese Verordnung dementiert", so der Landesvorsitzende Rolf Busch. "Aber es erscheint wenig plausibel, dass solche Zahlen ohne Wissen der Verantwortlichen einfach ins Blaue hinein aufgestellt werden." Die eigentliche Crux, so Busch weiter, sei jedoch das geplante Vorgehen der Landesregierung. Zunächst solle ein Beschluss gefasst werden, der sie zu ebensolchen Verordnungen ermächtigt. In der Praxis käme das einem Blankoscheck gleich, der jederzeit die Festlegung willkürlicher Zahlen über die Köpfe der Abgeordneten hinweg möglich mache. "Und wie das konkret aussehen könnte, zeigen die heute veröffentlichten Zahlen", moniert der tlv-Landesvorsitzende. Der Verband fordert deshalb weiterhin, dass die Schulgrößen im Freistaat mit konkreten Zahlen vom gesamten Landtag beschlossen werden, damit "jeder Abgeordnete die Hand in dem Wissen heben muss, wie viele Schulen in seinem Wahlkreis betroffen sind."

Verbindliche Regelungen für alle hält auch der tlv für unverzichtbar. "Die Katze muss endlich aus dem Sack. Aber sie darf nicht statt Mäusen Schulen fressen!", mahnt Busch. Seine Verbandskollegen und er seien angesichts der heutigen Zahlen "ehrlich entsetzt, wie brachial die Landesregierung anscheinend vorgehen will, um die unter Kultusminister Matschie auf freiwilliger Basis zu gründenden Thüringer Gemeinschaftsschulen nun faktisch unter Zwang voranzutreiben."

Stattdessen könnten die sich aus den derzeit geltenden "Gemeinsamen Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände und des Thüringer Kultusministeriums zur Schulnetzplanung der allgemein bildenden Schulen" ergebenden Mindestschülerzahlen für alle verbindlich festgelegt werden. Dies würde keine Verschlechterung der aktuellen Situation bedeuten, sondern konstruktiv zur Entwicklung der Thüringer Schullandschaft beitragen. "Es ist natürlich auch in unserem Sinne, dass das Lehrpersonal so effizient wie möglich eingesetzt wird", stellt Busch klar. Allerdings, so befürchtet der tlv-Landesvorsitzende, könnten unter den heute aufgezeigten Vorgaben bis zu einem Drittel der Schulen in Thüringen geschlossen werden. "Und das würde bedeuten, dass das bis jetzt stets verharmloste Personalproblem mit der Brechstange gelöst wird. Die Leidtragenden wären hier jedoch die Schüler und ihre Eltern."


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