Trotz guter Konjunktur: Hauptschulabsolventen bleiben viel zu oft ohne Ausbildungsplatz
Einen Wandertag zum Landtag nach Kiel unternahmen 100 Schülerinnen und Schüler aus fünf Abgangsklassen der Hauptschule am 4.7.08. Auf Initiative von DGB und GEW trafen sich die Schülerinnen und Schüler aus Elmshorn, Heide, Kiel und Neumünster, um Landtagsabgeordnete aller Fraktionen auf ihre schwierige Situation bei der Ausbildungsplatzsuche aufmerksam zu machen. Von den rund 100 Schülerinnen und Schülern haben zwei Wochen vor Schuljahresende nur ca. 20 einen Ausbildungsplatz gefunden.
04.07.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-HolsteinObwohl die meisten von Ihnen sich vielfach beworben haben – teilweise mehr als zwanzig Mal -, bleibt die Situation auf dem Ausbildungsmarkt trotz besserer Konjunktur für Hauptschülerinnen und Hauptschüler sehr schwierig. Das bestätigte auch Iris Jässing, Klassenlehrerin einer neunten Klasse von der Hauptschule Koppeldamm in Elmshorn: "Von 18 Schülern wollten zwölf aktiv einen Ausbildungsplatz. Nur drei haben einen bekommen. Weitere drei versuchen, den Realschulabschluss zu erreichen. Erfolg bei der Ausbildungsplatzsuche war auf das Schulpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum zurückzuführen."
Jan Nissen, stellvertretender GEW-Landesvorsitzender, sah die Erfahrungen der anwesenden Schüler durch die Aussagen des nationalen Bildungsberichts 2008 bestätigt: "Ein Großteil der Hauptschüler landet nach der Schule in einer Warteschleife aus diversen Nachqualifizierungs- und Überbrückungsmaßnahmen. Aber jeder zweite Hauptschulabsolvent hat 13 Monate nach Schulende immer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Nach 30 Monaten sind es noch 40 Prozent, die einen Platz suchen." Nissen forderte daher mehr Förderung für die betroffenen Schüler und die Einführung eines einheitlichen Sekundarstufen-I-Bildungsabschlusses nach Klasse zehn. Dieser Abschluss solle Hauptschul- und Realschulabschluss ersetzen und künftig Standard- und Qualitätsziel für alle Schülerinnen und Schüler werden. Jugendliche müssten nach dem Schulabschluss den Sprung in Ausbildung und Beruf schaffen.
Außerdem setzte Nissen sich für eine Ergänzung des dualen Systems ein: Ausbildungsverbünde, außerbetriebliche Ausbildungsstätten bei Trägern und berufsbildenden Schulen müssten gemeinsam ein ausreichendes Angebot an Lehrstellen sichern. "Junge Menschen in Warteschleifen abzuschieben, bedeutet nur Frustration. Berufs- und Lebenschancen werden ihnen verweigert. Jeder Jugendliche hat das Recht auf einen Ausbildungsplatz!"
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