Übertritt 2010: Berlin macht es vor!
"Weil wir in Bayern beinahe jeden Tag Vorschläge zur Bildungspolitik aus anderen Bundesländern heftig und emotionsgeladen diskutieren - und sind sie noch so unsinnig - schlagen die bayerischen Realschullehrkräfte ein völlig neues Verfahren zum Übertritt vor: Lasst uns doch die Plätze an den Realschulen und Gymnasien auswürfeln. Bei absoluter Gerechtigkeit, weil das Losverfahren dieses sicherstelle, so Berlins Bildungssenator Zöllner, erhält ein Drittel der Schülerinnen und Schüler die Zugangsberechtigung zum Gymnasium, ein Drittel zur Realschule und ein Drittel zur Mittelschule/Hauptschule." So kommentiert der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands, Anton Huber, die aktuelle Diskussion zum Übertritt von der Grundschule an die weiterführenden Schulen in Bayern.
04.05.2010 Pressemeldung Verband Reale BildungMit diesem Vorschlag für ein Losverfahren, der pädagogisch zwar ein völliger Unsinn ist, aber angeblich absolute Bildungsgerechtigkeit garantierte und in Berlin angewendet werden soll, könnte Bayern in der Bildung, laut Huber, endlich als enorm fortschrittlich gelten. "Fortschrittlich sein, etwas bewegen, reformieren" sei doch der Zeitgeist. Ob eine Reform jedoch sinnvoll ist - danach frage kaum jemand. Huber weiter: "Das Losverfahren passt zur Spaßgesellschaft nach dem Motto: Lasst uns mal pokern, wer an das Gymnasium oder die Realschule darf. Dass man für eine erfolgreich verlaufende Schullaufbahn Voraussetzungen wie Begabung sowie ein entsprechendes Lern- und Arbeitsverhalten mitbringen muss, bleibt unberücksichtigt. Notfalls passt man das Anforderungsniveau nach unten an wie in anderen europäischen Ländern, wo bereits 80 Prozent – wie in Frankreich - das Abitur erhalten. Dort sind immerhin ein Viertel der jungen Menschen arbeitslos. Aber das ist dann der Preis für ´Bildungsgerechtigkeit´, die man angeblich in Berlin mit einem Würfel besser erreicht als mit einem verbindlichen Übertrittsgutachten eines Grundschulpädagogen, der ein Kind über Jahre hinweg begleitet und beobachtet hat und den jungen Menschen mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten sehr gut kennt.
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