Und wer hilft unseren Kindern? Ängste, Suizidgefährdungen und schwierige Familiensituationen bei Schülern

Die aktuellen Ereignisse im Anschluss an den Amoklauf von Winnenden mit vielen Trittbrettfahrern, aber auch mit ernst zu nehmenden Drohungen machen auf erschreckende Weise klar, wie wichtig die Arbeit von Schulpsychologen ist. "Wir leben in einer immer weniger durchschaubaren Welt, in der Kinder und Jugendliche zunehmend Probleme haben, sich zurechtzufinden und in ihrem Umfeld häufig soziale Kälte verspüren", kommentiert Anton Huber, der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands (brlv), die gegenwärtige Lage, auch an Bayerns Schulen. "Natürlich ist es Unsinn, wenn jemand behauptet, dass man durch mehr Schulpsychologen alleine einen wirksamen Schutz vor Gewalttaten erreichen kann", so Huber. Tatsache bleibe jedoch, dass für die Sorgen und Nöte der Kinder im Schulalltag oft die nötige Zeit fehle und ausgebildete Psychologen an den Schulen Mangelware seien.

20.03.2009 Pressemeldung Verband Reale Bildung

"Die Versorgung der Bayerischen Realschulen mit Schulpsychologen und Beratungslehrern ist so miserabel, dass wir dem Beratungsbedarf nicht annähernd gerecht werden können und beratungsbedürftige Schüler und Eltern immer wieder auf Monate später vertrösten müssen", bemängelt brlv-Vorsitzender Huber in einem Arbeitsgespräch mit Mitgliedern des Landesvorstands die Beratungssituation an den Realschulen.

Betrachtet man die Zahlen des Schuljahres 2007/08, zeigt sich insbesondere bei der Versorgung mit Schulpsychologen ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Schularten. Während pro verfügbarer Anrechnungsstunde, d. h. pro Unterrichtsstunde, die ein Schulpsychologe zum Ausgleich weniger Fachunterricht geben muss, an den Volksschulen 231 und an den Gymnasien 293 Schülerinnen und Schüler zu betreuen waren, sind es an den Realschulen 551 Kinder und deren Eltern. Huber mahnte weiterhin: "Man darf aus dem Erfolg unserer Schulart nicht den falschen Schluss ziehen, dass unsere Schülerinnen und Schüler keine Probleme haben. Auch an den Realschulen gibt es Kinder mit Ängsten, Suizidgefährdungen und schwierige Familiensituationen. Wochenlange Wartezeiten sind für betroffene Kinder und Eltern frustrierend und geben ihnen sicher nicht das Gefühl, dass man ihre Probleme ernst nimmt und sich um sie kümmert!"

Es sei nicht in Ordnung, dass die vorhandenen Psychologen wegen Unterbesetzung gut 70 Prozent ihrer Arbeitszeit auf Legasthenie -Tests verwenden müssten und dann keine Zeit mehr für die Betreuung schwieriger Fälle oder die Kooperation mit anderen Beratungs- und Therapieeinrichtungen haben. "Hier muss die Politik dringend handeln und die Mittel für zusätzliche Stellen und Beratungsstunden bereit stellen", forderte Huber.

Auch die Situation der Beratungslehrer, die Eltern und Schüler bei Entscheidungen zur richtigen Schullaufbahn und Berufswahl unterstützen, ist ungünstig: Eine oder zwei Anrechnungsstunden gehen völlig an der Wirklichkeit der tatsächlichen Arbeitsbelastung vorbei. Dabei hätten es laut Huber gerade die Beratungslehrer in der Hand, den Kindern, die mit den Anforderungen ihrer Schule nicht zurechtkommen, neue Perspektiven für einen erfolgreichen Lebensweg aufzuzeigen und so möglichen Frustrationen vorzubeugen.

Zusammenfassend schloss Huber: "Gute Beratung und Fürsorge gibt es nicht in Sparpaketen. Es wäre nur fair, wenn man den bayerischen Realschülern das gleiche Betreuungspaket schnürt, das andere Schularten bereits erhalten haben! Unsere Kinder sollten es wert sein, dass man sich bestmöglich um sie kümmert, vor allem dann, wenn die familiären Verhältnisse sehr schwierig sind!"

Ansprechpartner

Verband Reale Bildung

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