Unternehmensberatung: Schule kann besser werden
(red/pm) Jedes Schulsystem kann sich deutlich verbessern, egal wie gut oder schlecht die Ausgangslage ist - und dies im Schnitt schon binnen sechs Jahren. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey.
30.11.2010 ArtikelEntscheidend seien mehr Eigenverantwortung der Schulen, die Qualität der Aus- und Weiterbildung der Lehrer sowie die Art und Weise, wie Lerninhalte vermittelt werden. Die Unternehmensberatung hatte für ihre Stduie weltweit 20 Schulsysteme untersucht, deren Schüler sich - ausgehend von unterschiedlichen Niveaus - in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert haben, darunter Sachsen. Analysiert wurden rund 575 Reformmaßnahmen und Methoden, die in den untersuchten Schulsystemen erfolgreich zum Einsatz kamen, Außerdem wurden mehr als 200 Interviews mit Lehrern, Wissenschaftlern und Politikern geführt.
Dezentralisierung und Eigenverantwortung
Schulsysteme, die - so wie in Sachsen - bereits von einem guten Niveau aus starten, legen bei Verbesserungen ihren Schwerpunkt vor allem auf die Dezentralisierung und Eigenverantwortung der Schulen und der Lehrer sowie die Qualität ihrer Lehrkräfte. Positiv wirke sich auch eine strikte Auswahl beim Zugang zum Lehrerberuf aus. Durch fachliche Weiterbildung auch in Eigenverantwortung, gezieltes Coaching der Lehrer, gegenseitiges Feedback und durch Karrierepfade mit entsprechend gestuftem Gehalt für die Spezialisierung von Lehrkräften werde der Erfolg eines Schulsystems gesichert. Beispielsweise hätten sich beobachtete Schulstunden, nach denen ein Lehrer direkt von einem Kollegen Feedback erhalte, in den untersuchten Schulsystemen als sehr erfolgreich erwiesen.
"Alle 20 von McKinsey untersuchten Schulsysteme konnten die Leistungen ihrer Schüler innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren erheblich verbessern", betont Nelson Killius, Bildungsexperte des Unternehmens in München. Schulsysteme in Chile, Indien oder Südafrika mit einem schlechten Ausgangsniveau hätten bis 2006 die Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeit ihrer Schüler erheblich gesteigert. In Ländern wie Lettland, Polen, Slowenien und England habe sich im gleichen Zeitraum das Niveau in den Bereichen Mathematik und Leseverständnis von "mittelmäßig" zu "gut" erhöht. Und Sachsen sei es gelungen, sich von "gut" zu "großartig" zu verbessern. Nelson Killius: "Dass innerhalb von sechs Jahren solche Erfolge möglich sind, sollte Schulsystemen in aller Welt Ansporn zu weiteren Reformen sein."
Keine Strukturdebatten
70 Prozent der erfolgreichen Reformmaßnahmen zielen laut Studie auf die Verbesserung von Lehrinhalten und die Organisation der Lehre ab. Viel seltener trügen Maßnahmen zum Erfolg bei, die im Schwerpunkt Strukturen veränderten. Deswegen sollte sich die öffentliche Diskussion mehr auf die Veränderung der Prozesse konzentrieren und weniger auf Strukturdebatten, so die Schlussfolgerung der Unternehmensberatung.
Für die Studie wurden 20 Schulsysteme untersucht. Europa: England, Polen, Slowenien, Lettland, Litauen, Armenien, Sachsen (Deutschland). Nordamerika: Ontario (Kanada); Boston, Aspire, Long Beach (alle USA). Südamerika: Minas Gerai (Brasilien), Chile. Afrika und Mittlerer Osten: Ghana, Western Cape (Südafrika), Jordanien. Asien: Singapur, Hongkong, Korea, Madhya Pradesh (Indien).
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