VBE: Bei der Werkrealschule übt sich der Kultusminister immer mehr in der Kunst der Spiegelfechterei

Anders als der Kultusminister sieht der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg keine breite Zustimmung der unmittelbar Be­troffenen zur "Neuen Werkrealschule". Die Mehrheit der Lehrer und El­tern lehnt das neue Schul-Konzept, das Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt als "Mogelpackung" bezeichnet hat, als keine tragfähige Alternative ab. Auch der VBE vermutet, dass der Hauptschule vor Ab­lauf des Haltbar­keitsdatums lediglich schnell noch ein neues Etikett verpasst werden soll.

11.06.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Eltern wird die ungeliebte Schulart durch ein neues Etikett nicht schmackhafter gemacht. Der deutliche Trend weg von der Werkrealschule hin zur "echten" Realschule wird weiter anhalten. Schwache Hauptschüler wird es auch weiterhin geben, nur die Schulen dafür sind nicht mehr da, weil die neue Werkrealschulen durch die verlangte Zweizügigkeit Zusammenlegungen respektive Schulschlie­ßungen nach sich ziehen werden und manche Kommunen darin die Chance se­hen, die ungeliebte Hauptschule loszuwerden und dafür eine "höherwertige" Werkrealschule zu be­kommen.

Während in der seitherigen Hauptschule sich positiv entwi­ckelnde Schüler mit dem Werkrealschulzug die Chance bekommen haben, mit Zusatzunterricht durchzustar­ten, die zehnte Klasse "draufzusatteln" und den mittleren Abschluss zu schaf­fen, wird bei der neuen Werkrealschule das Scheitern der meisten Schü­ler und damit der Abgang bereits nach der neunten Klasse ohne mittlere Reife bewusst in Kauf genommen. Während seither Schüler motiviert worden sind, bei gu­ten Leis­tungen wei­ter zu ma­chen, wird man in der neuen, auf sechs Jahre an­gelegten neuen Werkrealschule der Mehrzahl der Schüler nach fünf Schuljahren das Versagen beschei­nigen und sie mit dem Zeugnis der Hauptschule entlassen. "Eine bil­dungspoliti­sche Bankrotterklärung", empört sich der VBE-Sprecher.

Wenn Kultusminister Rau jetzt bei der zusätzlichen Notenhürde am Ende der neunten Klasse der Werkrealschule eine scheinbare Erleichterung durch das Vo­tum der Klassenkonferenz einführen will, die auch das Arbeitsverhalten des Schülers berücksichtigen soll, ist das nach Auffassung des VBE wieder reine Spiegelfechterei, da im Streitfall - wie auch bei der Grundschulemp­fehlung - le­diglich "harte Fakten", sprich: die Noten den Ausschlag geben.


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