Schulleiter-Umfrage

VBE: Das System ist zu sehr auf Kante genäht

Im Auftrag des VBE hat das Meinungsforschungsinstitut forsa Anfang des Jahres Schulleitungen unter anderem nach den größten Problemen an ihren Schulen gefragt. An erster Stelle steht weiterhin der Lehrkräftemangel (53%), es folgen die Ausstattung (33%) und die Gebäude (31%).

18.05.2020 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW
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Im März sollte die Umfrage im Rahmen des Deutschen Schulleitungskongresses in Düsseldorf vorgestellt werden. Dieses Jahr hatte der VBE NRW die Veröffentlichung der NRW-Ergebnisse wegen der aktuellen Lage verschoben. Mehrfachnennungen waren möglich. Dazu erklärt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE NRW: „Das System ist zu sehr auf Kante genäht. Es gibt an nur drei Prozent der Schulen mobile Endgeräte für alle Klassen, 70 Prozent aller Schulen kämpfen mit Lehrkräftemangel und unbesetzten Stellen: Corona macht diesen Mangel jetzt noch spür- und sichtbarer. Dass die schrittweise Wiedereröffnung unter diesen Bedingungen gelingt, ist eine große Leistung der Kolleginnen und Kollegen. Es ist überfällig, die Schulen endlich spürbar zu stärken und zu entlasten.“

Digitalisierung und digitale Ausstattung

Die Umfrage zeigt deutliche Baustellen im Bereich der Digitalisierung. An 40 Prozent der Schulen gibt es vereinzelt Klassensätze an Tablet-PC und Smartphones für den Unterricht, an nur drei Prozent für alle Klassen. „Es sollte möglichst schnell eine Digitaloffensive für die Schulen anlaufen, die diesen Namen auch verdient“, sagt Behlau.

Digitalpakt und Sofortausstattungsprogramm des Bundes

Eine knappe Mehrheit der Schulleitungen fühlte sich gut oder sehr gut über den Digitalpakt informiert. 56 Prozent aller Schulen haben einen Antrag zur Förderung ihrer Schule mit Mitteln aus dem Digitalpakt gestellt. „Der Digitalpakt war eine verspätete Starthilfe. Unsere Schulen brauchen regelmäßige und nachhaltige Investitionen. Auch das sogenannte Sofortausstattungsprogramm des Bundes ist leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, erklärt der VBE-Landesvorsitzende.

Vorbereitungen auf das Schuljahr 2020/21

„Der Mix aus Lernen auf Distanz und Präsenzunterricht erzwingt jetzt deutliche Investitionen. NRWs Schulen brauchen ausreichend digitale Endgeräte, eine funktionierende Plattform für Lehrkräfte und Schülerschaft sowie ausreichend Zeit, um die hohen Anforderungen an das Organisieren des kommenden Schuljahres zu stemmen“, sagt Behlau. 

In NRW gibt es einen massiven Anstieg von Seiteneinstieg an Schulen. An drei Viertel aller allgemeinbildenden Schulen arbeiten Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. Das sind deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Zudem kämpfen mehr Schulen mit Personalmangel sowie unbesetzten Stellen. Dazu Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE NRW: „Der Personalmangel und die damit verbundenen Probleme lassen sich nicht durch den Seiteneinstieg beheben. Die verbindliche Vorqualifizierung für den Seiteneinstieg ist zwingend nötig. Die aktuelle Lage der Schulen, einen gelingenden Unterrichtsbetrieb mit dem Corona-Virus zu organisieren, wird die Versäumnisse der Vergangenheit und der Gegenwart noch stärker zutage treten lassen und drastisch den Lehrkräftemangel vor Augen führen. Eine Lehrerwerbekampagne in Form von besseren Arbeitsbedingungen würde allen helfen. Wann, wenn nicht jetzt, wäre dafür der dringendste Zeitpunkt?“


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