VBE-Landesvorsitzende fordert mehr Bewegung in den Schulen: "Lernen und stillsitzen passen nicht zusammen!"

"Es kommt nicht nur der Kopf zur Schule, sondern immer das ganze Kind. Wir dürfen den kindlichen Bewegungsdrang nicht unterdrücken, sondern müssen ihn nutzen und fördern, um das Lernen zu erleichtern und zu intensivieren," forderte die Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gitta Franke-Zöllmer, am Donnerstag im Zusammenhang mit der Aktion "Die bewegte Schule – niemand muss mehr sitzen bleiben!" ihres Verbandes in Hannover.

04.09.2008 Niedersachsen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Niedersachsen

"Bei Grundschülern ist die Konzentration schon nach 10 bis 15 Minuten erschöpft. Das Gewicht unseres Gehirns macht ca. 2,5 Prozent unseres Körpergewichts aus. Es verbraucht aber 25 Prozent des Sauerstoffs. Selbst kleine Bewegungseinheiten wie rhythmisches Klatschen oder kurzes auf der Stelle hüpfen erhöhen die Sauerstoffzufuhr um bis zu 14 Prozent. Zusätzlich wird dem kindlichen Bewegungsdrang entsprochen, und das Lernen fällt entsprechend wieder leichter," so Franke-Zöllmer.

"Stillsitzen ist keine Voraussetzung für Lernen und Konzentration," zitiert die Landesvorsitzende die Professorin für Sportwissenschaft und Leiterin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (NIFBE), Dr. Renate Zimmer, an der Uni Osnabrück. Und weiter: "Lernen wird durch Erlebnis, Aktivität und Emotionen einfach effektiver. Neurowissenschaftler haben festgestellt, dass Neugier, Aufmerksamkeit und Emotionen gerade bei Kindern zu stärkerer Vernetzung des Gehirns und damit zu besseren Denk- und Lernleistungen führen."

Julia Höke vom Ulmer Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen berichtet über Messungen der Herzfrequenz Jugendlicher während des Unterrichts: "Erschreckend niedrige Werte wie im Tiefschlaf". Dazu Franke-Zöllmer: "Wir setzen auf mehr Bewegung in der Schule: bewegtes Sitzen, Bewegungspausen im Unterricht, bewegte Pausen auf dem Schulhof und bewegter Lernraum. Wir erwarten aber auch verstärkte Anstrengungen der Kultusministerin im Hinblick auf die ausgesetzte dritte Sportstunde."

Abschließend forderte die Landesvorsitzende: "Wir müssen nicht nur GrundschullehrerInnen, sondern vor allem auch die Lehrkräfte weiterführender Schulen entsprechend intensiv in diese Richtung aus- und fortbilden. Das gilt sowohl für die Theorie als auch für handfeste praktische Übungen. Hierzu hat der Sportpädagoge Rudi Lütgeharm (Melle) in Zusammenarbeit mit der "Stiftung Lernen der Schul-Jugendzeitschriften FLOHKISTE/floh!", die der VBE mit heraus gibt, eine Vielzahl von Handreichungen mit zum Teil sehr konkreten methodischen Anregungen entwickelt, die dazu beitragen sollen, der Bewegung als Unterrichtsprinzip einen größeren Stellenwert einzuräumen."

Dazu wird der VBE in Niedersachsen flächendeckend Vorträge und Fortbildungen anbieten. Die Auftaktveranstaltung wird am 30. September anlässlich des "Emsländischen Lehrertags 2008" in Lingen sein. Die vom VBE und der Stiftung verantwortete Fortbildungstagung für Primar- und Sekundarstufenlehrer/innen wird gefördert von der Bildungsregion Emsland, der Stadt Lingen, der Sparkasse Emsland und dem Wasserverband Lingen.


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