VBE: Senkung der Ansprüche macht Schule nicht besser

"Der heute in der Stuttgarter Zeitung vorgetragenen Warnung des Bildungsforschers Olaf Köller vor einer Senkung des Anforderungsniveaus an den Hauptschulen kann sich der VBE nur anschließen", kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Wer die Standards senken will, um dann vermeintlich bessere Ergebnisse referieren zu können, hat weder die Zukunft der Kinder noch die der Gesellschaft im Blick."

19.11.2008 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Offensichtlich ist trotz aller Beteuerungen der politisch Verantwortlichen die Diskussion nicht aus der Welt, an den Hauptschulen die Anforderungen noch weiter herunterzufahren, um der Öffentlichkeit bei künftigen Vergleichstests keine schlechten Ergebnisse mehr präsentieren zu müssen. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat in einer Pressemitteilung vom 14. November 2008 bereits in etwas verklausulierter Form verlauten lassen, die Bildungsstandards für die Hauptschulen seien "nicht hinreichend passgenau". Die Schülerinnen und Schüler erbrächten keineswegs schlechte Leistungen, vielmehr seien die Standards schlecht definiert.

"Nachtigall, ick hör dir trapsen", fällt uns dazu ein. "Wir werden Alarm schlagen, wenn die Zahl der Risikoschüler dadurch aufpoliert werden soll, dass das Anforderungsniveau gesenkt wird."

Die Standards dem derzeitigen Leistungsniveau bestimmter Schülergruppen anzupassen, ist ein gefährlicher Weg. Auf das gesamte Bildungswesen bezogen würde ein solcher Ansatz bedeuten, dass man die Ansprüche immer dann senkt, wenn Lernende bestimmte Leistungen nicht erbringen.

"Das ergäbe eine Karikatur des Bildungswesens", so Beckmann. "Wenn die Kultusminister dem Bildungssystem nicht mehr trauen und glauben, es könne keine Leistungen mehr hervorbringen, muss dieses Thema auf den Tisch und Folgen haben. Es kann aber nicht angehen, dass sie eine Scheinwelt produzieren, um ja keine schlechten Botschaften mehr überbringen zu müssen."

So gibt die Politik keine Antworten auf die Fragen, die für die Zukunft der Menschen und der Gesellschaft von Bedeutung sind. Schul- und Bildungspolitik hat in den Mittelpunkt ihres Handelns die Frage zu stellen, welche Kompetenzen Kinder in einer globalisierten Gesellschaft brauchen, und das Bildungswesen so zu gestalten, dass sie diese Kompetenzen auch erreichen können.

"Bildungspolitik hat sich den Realitäten auch dann zu stellen, wenn diese unangenehm sind", so Beckmann. "Wir lassen ihr keine Taschenspielertricks durchgehen."


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