VBE: Verfahren gehört in eine andere Zeit

"Dass sich die Zahl der am Prognoseunterricht teilnehmenden Kinder verringert hat, sagt nichts über das Verfahren selbst und seine Bedeutung aus", so Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE NRW. "Dieses Verfahren ist politisch gewollt und bleibt pädagogisch umstritten. Daran ändern auch die neuen Zahlen nichts. Die Zahlen belegen darüber hinaus die hohe Übereinstimmung von Grundschullehrkräften und Eltern."

07.04.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Dem Prognoseunterricht liegt die wissenschaftlich nicht haltbare Meinung zugrunde, Kinder im Alter von zehn bzw. neun Jahren "passgenau und begabungsgerecht" einer Schulform des gegliederten Systems zuteilen zu können. Bereits Anfang der 1960er Jahre ist dieser Gedanke von Pädagogen wie Heinrich Roth verworfen worden. Die Landesregierung hält trotzdem an dem Verfahren fest.

"Begabung ist ein Potenzial und nichts Statisches", so Beckmann weiter. "Es gibt keine angeborenen schulformspezifischen Begabungen, die man mit einem dreitägigen Prognoseunterricht ermitteln könnte. Deshalb gehört dieses Verfahren in den von Hans-Werner Sinn angepeilten Abfalleimer der Geschichte. Es wird nur von denen gebraucht, die um jeden Preis am gegliederten Schulsystem festhalten wollen. "

Die Landesregierung propagiert bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die individuelle Förderung. Wie der Begriff schon sagt, heißt aber individuelle Förderung, sich am Individuum zu orientieren. Wer das tut, braucht weder eine "begabungsgerechte" Zuweisung auf Schulformen noch einen Prognoseunterricht für neunjährige Kinder.

"Dass die Landesregierung sich die gesunkene Zahl der am Prognoseunterricht teilnehmenden Kinder als Erfolg ihrer Bildungspolitik auf die Fahnen schreibt, mag ja als politisches Ritual durchgehen", so Beckmann abschließend. "Sinnvoller wäre es aber, sich zu fragen, wozu dieser Aufwand für eine so geringe Zahl von Kindern betrieben werden muss. Am Kind orientierte Bildungspolitik, die auf das Ausschöpfen vorhandener Begabungen setzt, sieht anders aus."


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