VBE warnt: Jahreszeugnisse nicht überbewerten

Mit Blick auf die anstehenden Jahreszeugnisse in den Schulen warnt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg vor einer zu starken Überbewertung der Zensuren: Natürlich seien "Zertifikate" für das schulische und berufliche Weiterkommen wichtig, man sollte sich jedoch hüten, die Wertigkeit eines jungen Menschen lediglich aus dessen Zeugnis­noten abzuleiten.

17.07.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Der VBE appelliert an alle Erziehungsberechtigten, die Messlatte für die Kinder auf keinen Fall an den eigenen nicht verwirklichten Träumen und Wünschen auszurichten und deshalb zu hoch zu hängen. Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und gute Umgangsformen, eben soziale Kompetenz, seien heu­te mehr denn je gefragte und benötigte Tugenden, die aber in keiner Klassen­arbeit abgefragt oder bei irgendeiner PISA-Studie berücksichtigt werden, so der VBE-Sprecher, dabei könne der Mangel an emotionaler Intelligenz und Empa­thie berufliches Weiterkommen und die Karriere stärker behindern als schlech­tere Schulnoten.

Zeugnisse bewerten immer nur einen kleinen Ausschnitt der Schülerpersön­lichkeit und sind niemals völlig objektiv. Unbefriedigende Leistungsergebnisse könnten durch gezielte Hilfestellungen oder eine entsprechende Verhaltensände­rung des Schülers schon bald wieder in deutlich bessere Noten verwandelt wer­den, wenn es sich nicht gerade um ein Abschlusszeugnis handelt.

Ein schlechtes Abschneiden in der Schule hat meist verschiedene Ursachen; nicht immer sind Faulheit oder Gleichgültigkeit Grund für mangelhafte Leistun­gen. Auch eine permanente Überforderung des Schülers durch die falsche Schul­wahl ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. In diesem Fall könne nur ein Schulwechsel dem Kind wieder "die Luft zum Atmen" verschaffen und die drin­gend benötigten Erfolgserlebnisse ermöglichen, mahnt der VBE-Sprecher.

An den meisten Schulen werden viel zu wenig Stütz- und Förderkurse ange­boten, weil die entsprechenden Lehrerstunden fehlen; und nicht alle Familien können und wollen sich einen privaten Nachhilfelehrer leisten.

Wird ein Schüler nicht versetzt, sollten alle Beteiligten die Wiederholung einer Klassenstufe nicht als Strafe sehen, sondern als Chance, vorhandene Defizite auszugleichen oder Entwicklungsverzögerungen aufzuholen.

Der Zeugnistag dürfe niemals zum Gerichtstag, zu einem "Tag der Abrechnung" werden. Auch wenn sich manche Eltern am Schuljahresende ob dieses "Denk"-Zettels zu Recht Gedanken und Sorgen um ihr Kind machten und zunächst mit Verärgerung reagierten, sollten sie berücksichtigen, dass gerade die weniger er­folgreichen Schüler und die, die sich als die Verlierer fühlen, auf die Unter­stützung durch die Familie und das Gefühl des Angenommen- und Geborgen­seins besonders angewiesen seien, unterstreicht der VBE-Sprecher.


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