VDR fordert die "Plus"-Punkte
Bei dem von ihm veranstalteten Fachkongress zur Realschule plus in Ingelheim hat der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) seine Forderung bekräftigt, die neue Realschule plus für Eltern und Schüler zu einer attraktiven Alternative zum Gymnasium werden zu lassen.
26.03.2009 Pressemeldung Verband Reale BildungDie Realschule plus sei per Schulgesetz nun einmal Fakt, so VDR-Landesvorsitzender Bernd Karst in seiner Eröffnungsrede. Jetzt gelte es für Haupt- und Realschullehrer ihre Erfahrungen zu bündeln und dafür sorgen, dass in der neuen Schule die Leistungsstarken optimal gefördert werden, ohne die Leistungsschwächeren zu vernachlässigen, Um diesen Spagat zu schaffen, sei eine rasche Verbesserung der Arbeitsbedingungen erforderlich. Kleine Klassen und Gruppen – nicht nur in der Orientierungsstufe – und die Begleitung durch Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter gehören selbstverständlich dazu. Dass der als "Pädagogischer Koordinator" fungierende Konrektor seine vielfältigen Aufgaben bei vollem Unterrichtspensum "nebenher" erledigen soll, ist nach Ansicht des VDR nicht hinnehmbar.
Ein echter Pluspunkt ist, dass sich die Realschule plus mit der Fachoberschule als durchgängiger Bildungsgang darstellt, der auf direktem Weg ohne Schulwechsel zur Fachhochschulreife führt. Die Schülerinnen und Schüler der jetzigen 8. Klassen können diesen Vorteil an den im Sommer startenden Realschulen plus bereits nutzen. Die Fachoberschule als Kl. 11 und 12 muss nach Auffassung des VDR an allen Standorten eingerichtet werden, an denen dauerhaft mit einer ausreichenden Zahl von Interessenten gerechnet werden kann.
Die Ansprache von Bildungsstaatssekretärin Vera Reiß stand unter dem Motto "Realschule plus – Positives miteinander verbinden!" Sie forderte die anwesenden 152 Haupt- und Realschullehrkräfte auf, selbstbewusst nach vorne zu schauen. Die Realschule plus sei von den Eltern und auch von den Schulträgern sehr gut angenommen worden. Die Anmeldezahlen hätten sich sehr positiv entwickelt: "Der von einigen befürchtete Andrang zum Gymnasium hat nicht stattgefunden. Die neuen Realschulen plus haben trotz der Kürze der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit ihre erste Bewährungsprobe mit Bravour bestanden."
"Eine systematisch angelegte Berufsbezogenheit, unabhängig von möglichen Bildungsgängen und Klassenstufen, ist ein wichtiger Baustein für das Profil der Realschule plus. Berufsorientierung, ökonomische Bildung und informatische Bildung werden Unterrichtsprinzipien in den Lernbereichen Technik und Naturwissenschaften, Hauswirtschaft und Sozialwesen, Wirtschaft und Verwaltung sowie in Französisch als zweiter Fremdsprache sein", so die Staatssekretärin.
Einen breiten Raum in den Ausführungen von Reiß nahm die Fachoberschule als Realschuloberstufe ein: Den Eltern müsse bereits in der Grundschulzeit klar sein, dass es neben dem Gymnasium mit der Realschule plus einen zweiten attraktiven Weg zur Hochschulreife gibt.
In seinem Grundssatzreferat hielt der Bildungswissenschaftler Prof. Fritz-Dietrich Neumann (Universität Lüneburg) ein leidenschaftliches Plädoyer für das Lernen in möglichst leistungshomogenen Gruppen und gab dazu eine historisch-anthropologische Begründung: "Das moderne anthropologische Forschungsbild korrigiert die in der Pädagogik und anderen Sozialwissenschaften beheimatete Vorstellung über die Möglichkeit andauernden Fortschritts bis hin zu einem idealen finalen Endzweck. Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist der Mensch in seiner Körperlichkeit einschließlich des Hirnstrukturausbaus seit einigen tausend Jahren völlig unverändert. ... Der Rede von Chancengleichheit ... stehen deutliche Ergebnisse der Begabungsforschung gegenüber, die über Zwillings- und Adoptionsstudien eine hohe Naturausstattung bei den Faktoren Intelligenz und Persönlichkeitsstruktur nachweist. Diese Ergebnisse, die auch geeignet sind, ein begabungsgerechtes, gegliedertes Schulwesen zu legitimieren, werden heute von der Pädagogik regelrecht versteckt." Prof. Neumann warnte vor einer Reformeuphorie: "Eine Reform besteht häufig darin, dass ein bekannter Nachteil gegen einen nicht bekannten ausgetauscht wird."
In vier Arbeitsforen beschäftigten sich die Kongressteilnehmer mit der konkreten Ausgestaltung der Realschule plus, nämlich mit
- einem Planspiel für einen gemeinsamen Start,
- der Gestaltung der Stundentafel und der Wahlpflichtfächer,
- den pädagogischen und rechtlichen Rahmenbedingungen,
- der Fachoberschule im organisatorischen Verbund mit der Realschule plus.
Mit dem Fachkongress kam der VDR einem echten Informationsbedürfnis der Lehrerschaft nach, das nach Meinung des Stellv. VDR-Landesvorsitzenden Wilfried Rausch durch das Ministerium bisher nicht umfänglich befriedigt wurde. Rausch gab der Staatsekretärin noch einige "Hausaufgaben" mit auf den Weg: Nicht nur für Eltern und Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte müsse ein Plus erkennbar werden.
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