Kongress

Verschlafen wir die Digitalisierung?

Der Digitalpakt und die nachfolgende Digitalisierung unserer Schulen sind derzeit die größten Herausforderungen, die unsere Bildungslandschaft zu bewältigen hat. Dem Thema Digitalisierung möchte sich daher auch der Ganztagsschulverband annehmen.

15.10.2019 Bundesweit Pressemeldung Ganztagsschulverband e.V.
  • © www.pixabay.de

Unter dem Motto "Ganztagsschule 2030" findet der Ganztagsschulkongress dieses Jahr in Rust /Ettenheim statt, bei dem sich mehr als 250 Teilnehmer aus ganz Deutschland über aktuelle und zukünftige Herausforderungen austauschen.

Mit dem Digitalpakt sollen Deutschlands Schulen für die Zukunft fit gemacht werden. Welche Chancen und Risiken bergen aber die digitalen Lernwerkzeuge und vor welchen Herausforderungen stehen vor allem die ganztägig arbeitenden Schulen? Diese Frage beschäftigt den Ganztagsschulverband schon lange. "Digitale Technologien können zwar unser Leben verbessern, aber auch soziale Ungleichheit verstärken und Chancen verbauen", warnt Eva Reiter, Bundesvorsitzende des Ganztagsschulverbandes. "Kinder und Jugendliche müssen daher lernen, ihr digitales und reales Leben ausgewogen miteinander zu verbinden und dafür bedarf es der pädagogischen Förderung technischer, emotionaler und sozialer Fähigkeiten." Warum ist das Thema besonders in ganztägig arbeitenden Schulen so brisant? Hier spielt der Einsatz digitaler Medien nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Freizeit der Kinder und Jugendlichen eine große Rolle. Was andere Schüler zuhause digital lernen, üben und nebenbei erledigen, geschieht für Ganztagsschüler in der Schule - oder auch nicht.

Lernen muss sich verändern

Da sie in der Regel zusätzliche digitale Angebote machen, benötigen vor allem die ganztägig arbeitenden Schulen gute medienpädagogische Konzepte und eine ausreichende Grundausstattung sowie die Anbindung an hochfrequente Leitungsnetze. Deutschlands Schulen stehen daher vor großen Herausforderungen. Sie müssen sich die Frage stellen, wie sich Lernen verändern kann, um den Herausforderungen der Digitalisierung und den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. In den baltischen Staaten, z.B. Lettland, werden seit 10 Jahren elektronische Klassenbücher geführt, Klassendatenverwaltung geschieht fast nur noch digital, die Schüler arbeiten in der Klasse selbstverständlich mit digitalen Medien und dem Internet. "Der Einsatz digitaler Lehrmittel in den Schulen reicht jedoch nicht aus, um Kinder für zukünftige Herausforderungen fit zu machen", so Reiter. Um digitale Medien sinnvoll einzusetzen, müsse Schule sich der Technik öffnen und zugleich kritisch bleiben. Um das zu erreichen, bedürfe es dringend schuleigener Medienkonzepte sowie der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte. "Es geht neben der Weiterentwicklung der mediendidaktischen Möglichkeiten zum einen um die Weiterentwicklung der Medienkompetenz und damit um eine Medienerziehung, die auch das notwendige Bewusstsein für redaktionelle und nicht-redaktionelle, digitale Medien sowie ein Bewusstsein für Quellen, deren Verlässlichkeit und das dazugehörige Urheberrecht beinhalten. Zum andern geht es um die erweiterten digitalen Kompetenzen im Bereich des Grundverständnisses von Algorithmen und Datenstrukturen", führt Reiter aus. Dies sei für alle Schüler relevant, da das elementare Verständnis über die Funktionsweise und Wirkung von Algorithmen nicht nur für das Verhalten in der digitalen Welt von großer Bedeutung sei, sondern auch eine Voraussetzung dafür darstelle, dass Kinder und Jugendliche über die Gefahr verengter Informationsräume in sozialen Medien Bescheid wissen und somit in der Lage seien, sich als mündige Bürger im Rahmen der politischen Willensbildung mit den notwendigen Informationen zu versorgen.

Hier gibt es Kongressprogramm und Anmeldung und weitere Informationen.


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3 Kommentare

  • Georg Baur 16.10.2019 09:10 Uhr
    Es stellt sich nicht die Frage ob wir die Digitalisierung verschlafen, sondern wie wir damit umgehen, dass wir die Digitalisierung verschlafen haben.
    Z.B. gibt es seit 20 Jahren keine verbindliche und thematisch ausreichende Lehrinhalte, auf die sowohl weiterführende Schulen als auch Arbeitgeber bauen können.
    Word, Excel, Powerpoint, Internetrecht, Webdesign, Hardware, Netiquette, Medienkompetenz (Text, Bild, Video), Onlinelernen (allein und in Gruppen), eigenes Portfolio, sowie moderne Strömungen wie Industrie 4.0. oder Blockchain gibt es nicht als verlässliche Grundlagen. Weder gibt es geprüftes Lehrmaterial und rechtlich einwandfrei einsetzbare Medien, als auch kein durchgängiges Konzept von der Grundschule bis zum Hochschulabschluß. Peinlich.
    Jetzt müssen einfach Nägel mit Köpfen gemacht werden. Es muss nicht nur Geld in die Hand genommen werden, sondern auch sinnige Konzepte entwickelt und - dies ist noch wichtiger - endlich umgesetzt werden.
    Jetzt.
  • Georg Baur 16.10.2019 09:26 Uhr
    Es ist interessant zu beobachten, wie teilweise diletantisch jede einzelne Schule eine Webseite bastelt und ihren Onlineauftritt pflegt. Onlinemarketing kennen die wenigsten und online stetig im Kontakt mit den Zielgruppen Schüler/innen, Eltern und Fachwelt zu sein, klingt für viele Schule überirdisch.
    Daher Vereinheitlichung der Onlinauftritte der Schulen, jeder Schule!!
    Portfolio des Schülers / Schülerin schulunabhängig und datenrechtlich top geschützt.
    .... und vieles mehr.
  • Eva Kippenberg 18.10.2019 08:17 Uhr
    Ich halte nichts von Gleichmacherei, auch nicht auf Webseiten. Und warum soll bitte jedes Kind ein Portfolio online haben? Man kann das Thema Digitalisierung auch übertreiben.
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