Vom Strom aus Malventee bis zur Formel für Mikado

Die Sieger des Landeswettbewerbs "Jugend forscht" sind heute in Darmstadt im Rahmen einer Feierstunde gekürt worden. 12 junge Forscher erzielten einen ersten Platz und sind zur Teilnahme am Bundeswettbewerb vom 18. bis 21. Mai 2006 in Freiburg berechtigt. Insgesamt 16 Mädchen und 56 Jungen hatten ihre Wettbewerbsarbeiten zwei Tage lang beim Pharma- und Chemieunternehmen Merck KGaA präsentiert. Die Landessieger kommen aus Frankfurt, Friedrichsdorf/Oxford, Herborn, Kassel, Königstein, Neu-Isenburg und Schweinfurt.

27.03.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Den hessischen Schulpreis für besonderes Engagement erzielte die Lichtenbergschule in Darmstadt. Kultusministerin Karin Wolff, die den Preis überreichte, zeigte sich begeistert von den außergewöhnlichen Arbeiten der jungen Forscher: "Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler verdienen besondere Anerkennung. Wettbewerbe wie ´Jugend forscht' leisten einen nicht wegzudenkenden Beitrag zur Förderung der Begabungen von jungen Menschen." Die Ministerin bedankte sich ausdrücklich für das Engagement der Lehrkräfte, die ihre Schülerinnen und Schüler nach Kräften bei der Wettbewerbsteilnahme unterstützen.

Wolff lobte das Engagement der Patenfirma Merck, die seit über 20 Jahren "Jugend forscht" unterstützt und den hessischen Landeswettbewerb zum zehnten Mal ausrichtete. Das Unternehmen setzt sich besonders für die Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses ein, über den Wettbewerb "Jugend forscht" hinaus durch sein Engagement in der regionalen Schulförderung.

Anhang: Die Landessieger

Landessieger Jugend forscht Hessen 2006

Fachgebiet Arbeitswelt

Jörg Metzner (20), Marcel Schmittfull (18), Friedrichsdorf/Balliol College, Oxford, Celtis Gymnasium, Schweinfurt
Hygienische Druckmessung
Bei der Blutwäsche im Krankenhaus ist es wichtig, den Druck in den Schläuchen zwischen menschlichem Blutkreislauf und Dialysegerät zu kontrollieren. Bisherige Messsysteme nutzen dafür einen Drucksensor, der über ein T-Stück mit dem Schlauch verbunden wird. Jörg Metzner und Marcel Schmittfull entwickelten ein optisches Messverfahren, das den Flüssigkeitsdruck im Inneren eines Schlauchs über dessen Ausdehnung genau bestimmt. Auf diese Weise lässt sich ein Blut-Luft-Kontakt vermeiden, der eine Blutgerinnung auslösen könnte.

Fachgebiet Biologie

Milan Gerovac (17), Goetheschule, Neu-Isenburg
Mutation total
Viren sind Wandlungskünstler. Sie können ihre Struktur durch Mutation (Veränderung des Erbgutes) so verändern, dass ein Arzneimittelwirkstoff keinen Angriffspunkt mehr findet. Dies macht z.B. die Bekämpfung von Aids oder Krebs schwierig. Doch ihre hohe Mutationsrate könnte den Viren selbst auch zur tödlichen Falle werden. Milan Gerovac untersuchte einen Stoff, der sich ins Erbgut der Krankheitserreger einbaut und dafür sorgt, dass bei der Vermehrung fast ausschließlich nicht überlebensfähige Viren entstehen. Seine theoretischen Ergebnisse belegte der Schüler durch erste Experimente an der Universität Frankfurt.

Fachgebiet Chemie

Sebastian Spohner (18), Alexej Grjasnow (17), Max-Beckmann-Schule, Frankfurt

Strom aus Malventee
Silizium als Rohstoff für Solarzellen war gestern. Wie sich Sonnenstrom in Zukunft mit kostengünstigeren Materialien erzeugen lässt, zeigten die beiden Frankfurter Schüler mit ihrer Arbeit zur Farbstoff-Solarzelle. Sie optimierten den Aufbau der so genannten Grätzel-Zelle, mit der sie z.B. mittels Brombeersaft- oder Malventeeextrakten Licht in Strom umwandelten. Dabei überzeugten die beiden Jungforscher durch ihr technisches Geschick: Durch Beschichtung der Elektroden mit einem leitfähigen Kunststoff gelang es ihnen, der chemischen Solarzelle genügend "Saft" für den Antrieb eines kleines Motors zu entlocken.

Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften

Florian Sauer (17), Christian Thomas (18), Johanneum Gymnasium, Herborn
Wohin verschwindet der Tschadsee?
Rund neun Millionen Menschen versorgt der Tschadsee in Westafrika mit Wasser. Doch das kühle Nass am Rande der Sahara wird immer kleiner. Die Ursachen dafür erkundeten zwei Herborner Schüler aus ihrem Klassenzimmer heraus. Satellitenaufnahmen gaben ihnen Aufschluss über Niederschläge und geografische Veränderungen. Dabei zeigte sich: Nicht das Klima allein, sondern vor allem der Baumwollanbau ist für das Verschwinden des Sees verantwortlich. Denn immer mehr Wasser wird zur Bewässerung dieses wichtigen Exportprodukts aus den Zuflüssen des Sees abgezapft.

Fachgebiet Mathematik/Informatik

Philipp David Albert Hülsdunk (16), Taunusschule, Königstein
Mikado auf den Punkt gebracht
Für die einen ist Mikado ein Geschicklichkeitsspiel, für die anderen ein angewandtes Problem der Mathematik. Wie viele Schnittpunkte können nur wenige Holzstäbchen maximal bilden, mag sich der eine oder andere schon gefragt haben? Mit den Formeln des 16-jährigen Schülers aus Königsstein lässt sich dies spielend leicht berechnen. Er analysierte die Zusammenhänge von Punkten und Abständen in Dreiecken und entwickelte dafür allgemeingültige, geometrische Sätze, die er nach dem Geduldsspiel benannte.

Fachgebiet Physik

Christoph Muster (19), Jens Pfeifer (16), Jonas Schmöh (18), Physik-Club, Albert-Schweitzer-Schule Kassel
Kein Schulversuch!
Eine Arbeit von drei Kasseler Jungforschern könnte zur Überarbeitung moderner Physiklehrbücher führen. Dort wird noch heute ein Experiment des Physikers G. Taylor aus dem Jahr 1909 als eindeutiger Nachweis für den Wellen-Teilchen-Charakter des Lichts aufgeführt. Die Schüler konnten nun belegen, dass sich mit Taylors Versuchsaufbau mit Gaslampe und Schwarzweiß-Film keinesfalls einzelne Lichtteilchen (Photonen) nachweisen lassen. Sie entwickelten zugleich einen Versuchsaufbau für ein Ein-Photonen-Experiment.

Fachgebiet Technik

Heiko Engelke (17), Physik-Club, Albert-Schweitzer-Schule, Kassel
Roboter bewältigt Schultergriff
Das Handgelenk ist der mechanisch anspruchsvollste Teil des Arms. Heiko Engelke ist es gelungen, einen Roboter zu entwickeln, mit dem sich ein Werkzeug ähnlich flexibel handhaben lässt wie von Menschenhand. Sein Roboterarm bewegt sich frei in alle Richtungen des Raumes. Auch ein Griff über die Schulter ist für ihn kein Problem. Damit muss das Fischertechnik-Modell den Vergleich mit einem hoch modernen Industrieroboter nicht scheuen.


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