Wahl-O-Mat: Fit für die Europawahl 2004

(Norbert Taubken) Spitzenkandidaten starteten am 27. April erfolgreich das Internet-Tool der Bundeszentrale für politische Bildung. Für den Fachunterricht und politisch ausgerichtete Unterrichtsprojekte stehen didaktische Materialien und der Wahl-O-Mat zum Download bereit. Ein interaktiver und motivierender Ansatz gegen Wahlmüdigkeit und Desinteresse – insbesondere bei jungen Menschen und uneingeschränkt für einen schülerorientierten Unterricht und andere politisch ausgerichteten Bildungsangebote geeignet. Es kann online und offline auf ihn zugegriffen werden.

29.04.2004 Artikel

Im Jahr 2002 war der Wahl-O-Mat mit 3,6 Millionen Zugriffen das erfolgreichste Internetangebot zur Bundestagswahl deutschlandweit. Das Resümee von bpb-Präsident Thomas Krüger auf der Auftakt-Pressekonferenz am 27. April zum Wahl-O-Mat Europawahl 2004: "Der Wahl-O-Mat hat gezeigt, dass Politik viele Menschen erreicht, wenn sie auf attraktive Art und Weise vermittelt wird. Das Konzept, Politik und spielerische Elemente zu verbinden, geht auf." Dabei ist der Wahl-O-Mat hervorragend geeignet, besonders bei jüngeren Menschen Interesse an europäischer Politik zu wecken."

Wie auch bei den vergangenen Einsätzen zur Bundestagswahl 2002 und zur Landtagswahl in Bayern 2003 stellt der Wahl-O-Mat für die Europawahl 2004 insgesamt 30 politische Aussagen zur Abstimmung. Der Nutzer entscheidet per Mausklick, welche der Thesen seiner Meinung am nächsten kommen. Die Antworten werden dann mit den offiziellen und autorisierten Positionen der Parteien abgeglichen. Die Auswertung ergibt die persönliche Parteipräferenz: Die dem Nutzer bzw. der Nutzerin nächststehende Partei erscheint auf dem Bildschirm mit Logo. Das individuelle Ranking der Parteien erscheint als Grafik. Die User können darüber hinaus jede einzelne Antwort mit jeder der Parteien direkt vergleichen. Für Interessierte steht darüber hinaus das (allerdings nicht repräsentative) Gesamtranking der Parteien zur Verfügung.

Die bisherigen Evaluationen zum Wahl-O-Mat zeigen, dass dieses Internetangebot besonders bei Erst- und Zweitwählern hoch im Kurs steht. Getestet werden kann der Wahl-O-Mat über folgende Internetlinks: www.wahlomat.de, www.wahl-o-mat.de, www.bpb.de, www.zdf.de und www.europa-waehlt.de.

Der Wahl-O-Mat im Unterricht

Aufgrund zahlreicher Nachfragen von Schulen, Lehrer/innen und Bildungseinrichtungen wurden auch für den Europa-Wahl-O-Mat begleitende Materialien für den Einsatz des Wahl-O-Mat im Unterricht entwickelt. Es werden Unterrichtsbausteine und Tools angeboten, die für Fachunterricht und Projektlernen ab Klasse 10 konzipiert wurden. Die Dynamik, die der Wahl-O-Mat freisetzt, nämlich Differenzen aufzuzeigen

  • in der Selbsteinschätzung der eigenen Wahlpräferenz,
  • in der Wahrnehmung der Parteien,
  • und in der mangelnden Information über Sachzusammenhänge

soll für den Unterricht nutzbar gemacht werden. Sie bietet Anlass für Reflexion der eigenen Wahlmotive und initiiert die Auseinandersetzung mit den Sachthemen. Der Wahl-O-Mat veranlasst Schülerinnen und Schüler, sich mit politischen Inhalten auseinanderzusetzen, sich zu Themen zu positionieren und ihre eigene Wahlentscheidung zu reflektieren.

Die "Didaktischen Tools" enthalten Werkzeuge, die den Einsatz des Wahl-O-Mat im Unterricht unterstützen und begleiten. Drei Unterrichtsbausteine bilden den Kern der Tools und sind für eigenverantwortliche Lerngruppen konzipiert. Als Download gibt es eine Offline-Version des Wahl-O-Mat sowie eine kurze Installations- und Bedienungsanleitung. Informationen über die Hintergründe und Entstehung des Wahl-O-Mat bietet eine ausführliche Präsentation, das "Making of Wahl-O-Mat". Bei dem fast unüberschaubaren Informationsangebot im Internet gibt die annotierte Linkliste eine Orientierung, die die Recherche zu Europa und der Europawahl erleichtert. Weitere Hinweise und konzeptionelle Aspekte beleuchten die Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer.

Entstehung eines Wahl-O-Mat

Die Entwicklung des Wahl-O-Mat zur Europawahl 2004 erfolgt nach einem erprobten Prozess unter Einbeziehung von engagierten Jungwähler/innen, Expert/innen aus Politik, Pädagogik und Kommunikation sowie von Kooperationspartnern. Die Thesen werden in einem mehrstufigen Prozess entwickelt und von den Parteien autorisiert:

Auf der Basis von zentralen, für die Wähler/innen besonders wichtigen Themenfeldern (z.B. Soziales, Arbeitsmarkt, Sicherheit, Erweiterung) werden die Thesen anhand der Wahlprogramme der Parteien entwickelt. Um die Standpunkte der Nutzer/innen mit den Positionen der Parteien abgleichen zu können, werden die Parteien aufgefordert, selbst zu den Thesen eindeutig (Ja, Nein, Neutral) Stellung zu beziehen. Dieser Abstimmungsprozess vollzieht sich offiziell auf der Bundesebene der Parteivorstände mit SPD, CDU, CSU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und PDS. Auf diese Weise wird vermieden, dass eine nicht autorisierte Instanz Parteien und ihre Standpunkte interpretiert. Ursprünglich kommt der Wahl-O-Mat aus den Niederlanden und wurde vom Instituut voor Publiek en Politiek (IPP) in Amsterdam entwickelt. Die bpb hat das Internettool übernommen und inhaltlich angepasst.

Qualitätskriterien

Im Vorfeld von Wahlen werden seit Jahren regelmäßig verschiedene, mehr oder weniger ernst gemeinte " Wahltests" in Zeitschriften bzw. im Internet angeboten, deren Ergebnis eine Empfehlung zur Wahl einer bestimmten Partei ist. Auch zur Bundestagswahl 2002 war dies der Fall (z.B. in der Wochenzeitschrift "Die Zeit"). Die Qualitätskriterien, denen der Wahl-O-Mat unterworfen ist, sind:

  • Parteipolitische Neutralität,
  • Freiheit von Verknüpfungen mit kommerziellen Interessen (z.B. auf der Internet-Seite, aber auch im Thesen- bzw. Fragenkatalog),
  • Aufgreifen der wesentlichen politischen Fragestellungen und Brennpunkte, und zwar mittel- bis langfristig betrachtet (Gültigkeit zumindest für die Dauer einer Wahlperiode),
  • Authentischer Bezug einzelner Antworten/Wertungen zu den Aussagen der zur Wahl stehenden Parteien,
  • Autorisierung der Antworten durch die Parteivorstände (Bundes- und Landesebene),
  • Deutliche Unterscheidbarkeit der Positionen der Parteien,
  • Einschaltung unabhängiger redaktioneller und politikwissenschaftlicher Gutachter/innen,
  • Nutzer-Freundlichkeit im Sinne einer einfachen, unkomplizierten Handhabung des Tools,
  • Konzentration auf das Wesentliche, Verzicht auf inhaltliche und/oder visuelle Ablenkungen,
  • Spielerischer Anreiz bei Beibehaltung der Seriosität,
  • Transparenz des Zustandekommens des jeweiligen Ergebnisses,
  • Direkter Vergleich zwischen den Positionen der User und denen der Parteien,
  • Gesamtranking der Parteipräferenzen,
  • Links zu seriösen Wahlseiten und Anbietern,
  • Off- und online-Standard.

Wenn diese Standards eingehalten und transparent gemacht werden, dann können über einen bildungspolitischen Edutainment-Ansatz wie den Wahl-O-Mat für die politische Bildungsarbeit relevante Zielgruppen tatsächlich erreicht werden. Insbesondere können hier Perspektiven bei Bevölkerungsgruppen eröffnet werden, die sich nicht intensiv mit den Wahlprogrammen auseinandersetzen aber eine Antwort auf ihre Frage "Welche Partei kann ich wählen? Die sind doch alle gleich" suchen. Spiel und Spaß im Dienste von Entdecken, Lernen und Partizipation.

Weiterführende Links

www.wahlomat.de
www.wahl-o-mat.de
www.bpb.de
www.zdf.de
www.europa-waehlt.de


Der Autor:

Dr. Norbert Taubken (39) ist Unternehmensberater für Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship, Social Sponsoring. Er ist promovierter Chemiker sowie ausgebildeter Gymnasiallehrer für die Fächer Chemie, Sport und katholische Religion. Er studierte in Münster, Rehovot und Hamburg. Nach Lehrtätigkeit an verschiedenen Schulen übernahm Taubken die pädagogische Leitung einer bundesweit tätigen Jugendinitiative, bevor er für AOL Deutschland den CSR-Bereich verantwortlich aufbaute und gestaltete. Seit langem arbeitet er in der Jugend- und Erwachsenenbildung, als Dozent sowie als Berater der Bundeszentrale für politische Bildung.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden