Welterbe als Unterrichtsthema
(md). An 188 UNESCO-Projektschulen in Deutschland wird eine wichtige Basis für nachhaltige Entwicklung geschaffen. Ziel ist die Erziehung zu internationaler Verständigung und Zusammenarbeit. Ein Thema unter vielen anderen: Welterbe. Denn die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Kultur schafft Werte, die für die Gesellschaft zentral sind.
19.05.2008 ArtikelDas Kürzel UNESCO steht für United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization; sie ist eine der 16 selbstständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Das Aufgabenspektrum der UNESCO ist ebenso groß wie ihre Ziele und umfasst Erziehung, Wissenschaft, Kultur sowie Kommunikation und Information. Ein zentrales Instrument, um die internationale Verständigung und Zusammenarbeit zu verbessern, sind die weltweit rund 8 000 UNESCO-Projektschulen.
Aufnahmeverfahren sichert Qualität
Das Schul-Netzwerk der UNESCO ist auf regionaler, nationaler und virtueller Ebene im Internet organisiert. Grundsätzlich kann sich jede Schule als UNESCO-Projektschule bewerben. Das Aufnahmeverfahren sieht allerdings drei Stufen und eine Dauer von circa zwei Jahren pro Stufe vor. Die Schule muss glaubhaft machen, dass sie das Ziel der UNESCO – die Erziehung zu internationaler Verständigung und Zusammenarbeit – in all ihren schulischen und außerschulischen Bereichen aktiv unterstützt.
Bildung für nachhaltige Entwicklung
In Deutschland gibt es derzeit 188 dieser Schulen. Hier werden die definierten Grundbegriffe gesellschaftlicher Verantwortung sowie ein jährlich wechselndes Schwerpunktthema in Projekten erarbeitet und gelebt. Im Rahmen von internationalen Projekttagen, die alle zwei Jahre stattfinden, werden die Ergebnisse präsentiert und diskutiert. So wurde beispielsweise beim internationalen Projekttag am 25. April 2008 in Berlin das Thema Herkunft: "Nebeneinander – miteinander – Wie viel Integration brauchen wir?" behandelt. Alle interessierten Schulen durften sich mit Beiträgen beteiligen und erhielten im Internet praktische Tipps, wie sie das Thema bearbeiten können: "Recherchiere den Ursprung Deines Namens! Finde Deine Wurzeln!" oder "Gestalte eine Heimatkiste mit Gegenständen, die Du mit Heimat verbindest!"
Basis für Toleranz
Die Internationale Gesamtschule in Heidelberg, seit sechs Jahren UNESCO-Projektschule, wird sich Anfang Juli in einem Sommercamp in Baden-Württemberg mit anderen Projektschulen treffen. Horst Rehfuss, Regionalkoordinator der Projektschulen in Baden-Württemberg und Lehrer an Internationalen Gesamtschule, sieht in diesem Treffen einen großen Gewinn für die Schüler: "Hier machen die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen, die sie sonst nicht machen: Gymnasiasten treffen auf Gesamtschüler, Berufsschüler auf Grundschüler. Dieser Austausch zwischen Schülern unterschiedlicher Schularten ist ungewöhnlich und für alle ein großer Gewinn." Denn: Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Jugend lernen, soziale Grenzen zu überschreiten, können auch in Konfliktsituationen für Toleranz und Frieden eintreten. Damit ist bereits die wichtigste Vorgabe der UNESCO für ihre Projektschulen erfüllt.
Erinnerungsarbeit in der Welterbe-AG
Die Themen, die in UNESCO-Projektschulen behandelt werden, sind vielfältig und werden von den Schülerinnen und Schülern mit großem Interesse aufgenommen. Da aber die Bildungspläne auch an den UNESCO-Projektschulen erfüllt werden müssen, sind viele Aktivitäten nur durch besonderes Engagement der Jugendlichen und der Lehrer möglich. So bietet Steffen Noack, Bundeskoordinator für Welterbeerziehung und Lehrer an der Carl Zeiss Schule in Berlin-Lichtenrade in diesem Jahr erstmals eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft zum Thema Welterbe an. Elf Schüler beschäftigen sich seit Schuljahresbeginn mit dem Welterbe Riga. Im Rahmen der Projekttage machen sie im Juli 2008 eine Exkursion nach Lettland, um sich einen persönlichen Eindruck vom historischen Stadtkern zu verschaffen. Die Exkursion wird in Kooperation mit der Königin-Luise-Stiftung stattfinden und sieht den Austausch mit russischen Schülern, die sich ebenfalls im UNESCO-Netzwerk engagieren, vor.
Lebendige Geschichte
Noack animiert seine Schüler in der AG zur Auseinandersetzung mit den Begriffen Nationalsozialismus und Kommunismus und initiiert auf diese Weise einen Dialog junger Menschen in West und Ost über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Was ganz unterschiedlich erlebt wurde und im Geschichtsunterricht noch heute in jedem Land anders interpretiert wird, wird in diesem Rahmen diskutiert: "Das ist lebendige Geschichte und Erinnerungsarbeit", sagt Steffen Noack. Er ist überrascht und erfreut über das große Interesse seiner Schülerinnen und Schüler und sieht sich für seinen Einsatz, der auch viel privates Engagement bedeutet, mehr als entschädigt.
Thema Welterbe in den Lehrplan?
Das Welterbe ist an vielen UNESCO-Projektschulen ein zentrales Thema. Seit 1975 tritt einmal jährlich die UNESCO-Kommission zusammen und entscheidet, welche Denkmäler zum Welterbe erklärt werden und dadurch unter dem Schutz der UNESCO stehen. Es ist vor diesem Hintergrund nahe liegend, dass die UNESCO auch an ihren Projektschulen das Welterbe zum Thema macht. Steffen Noack sieht die UNESCO-Projektschulen als Vorreiter und setzt sich dafür ein, dass Welterbe auch zum Gegenstand der Bildungspläne wird. "Denn die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit Vergangenheit und Kultur schafft Werte, die für unsere Gesellschaft wichtig sind", ist Noack überzeugt.
Kompakt
Aufgabe der UNESCO-Projektschulen ist die Erziehung zu internationaler Verständigung und Zusammenarbeit. Das wird mit Hilfe von verschiedenen Projekten und Projekttagen gewährleistet. Ein wichtiges Thema: Welterbe. Denn gerade die Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur schafft die Voraussetzung für eine friedliche Völkerverständigung.
Erstveröffentlichung: Klett Themendienst
Weiterführende Links
- Homepage der deutschen UNESCO-Projektschulen
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