Hamburg

Wettstreit um die besten Argumente

Sachorientierte Debatten, genaues Zuhören, präzise Nachfragen – was Politikern nicht immer gelingt, ist für die Teilnehmer des Wettbewerbs "Jugend debattiert" eine Selbstverständlichkeit. Im Hamburger Rathaus debattierten nicht Abgeordnete, sondern Schülerinnen und Schüler. Im Rahmen des Landesfinales Hamburg qualifizierten sich dabei vier Finalisten für die Bundesebene.

19.04.2012 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Debattiert wird nach klaren Regeln: Pro Debatte vier Schüler, eine Streitfrage, 24 Minuten Dauer. Die 14-jährige Emily Philippi vom Christianeum (Othmarschen) überzeugte bei der Frage "Sollen Fußballvereine für das Fehlverhalten ihrer Fans stärker bestraft werden?", dem Thema für die Klassen 8 bis 10. Sie argumentierte eindrucksvoll dagegen. Der 16-jährige Jakob Rehder von der Gelehrtenschule des Johanneums (Winterhude) konnte bei der Frage, "Soll die NPD verboten werden?" den Landeswettbewerb der Jahrgangsstufen 11 bis 13 für sich entscheiden. Er trat überzeugend für ein Verbot ein.

Etwa 7.225 Schülerinnen und Schüler in 37 Schulen haben sich im laufenden Schuljahr in Hamburg an "Jugend debattiert" beteiligt. Die beiden Debattensieger und die jeweils Zweitplatzierten Tim Viereck vom Charlotte-Paulsen-Gymnasium (Wandsbek)und Marvin Serra Glinski vom Gymnasium Heidberg (Langenhorn) vertreten Hamburg nun beim Bundeswettbewerb "Jugend debattiert" in Berlin. Eine fachkundige Jury hat die Debatten öffentlich nach Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft bewertet und die Sieger bestimmt. Als Preis für ihren heutigen Erfolg erhalten alle vier Sieger ein fünftägiges professionelles Rhetorik-Training, das sie gemeinsam mit den Siegern der anderen Länder auf die Bundesebene vorbereitet. Beim Bundesfinale am 23. Juni 2012 werden sich die besten Debattanten aus ganz Deutschland gegenüber stehen.

"Jugend debattiert" ist in Hamburg ein fester Bestandteil im Schulsystem. Ties Rabe, Senator für Schule und Berufsbildung, erklärte: "Bei Jugend debattiert setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit politischen Themen auseinander. Gleichzeitig lernen sie, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich mit der Meinung anderer auseinanderzusetzen. Jugend debattiert macht Demokratie in der Schule lebendig und bietet für Lehrkräfte ein ideales Methodentraining für kompetenzorientierten Unterricht."

Barbara Duden, Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, betonte: "Lebendige und konstruktive Debatten führen uns zu tragfähigen Entscheidungen in der Politik. Debatten sind vor allem dann gut, wenn Pro und Kontra mit Sachverstand diskutiert und abgewogen werden. Diese Fähigkeiten trainieren Schüler bei Jugend debattiert und eignen sich dadurch wichtige Schlüsselkompetenzen für sich und für unsere Gesellschaft an."

"Mit Jugend debattiert wollen wir Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte zu demokratischem Handeln motivieren. Dabei kommt es uns auf das individuelle, selbstverantwortliche Lernen ebenso an, wie auf die Bildung der Gemeinschaft, in der das Lernen geschieht. Das Debattieren verstehen wir als Modell – für kompetenzorientiertes Lernen, fairen Wettbewerb, politische Willensbildung und die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen", sind sich die beteiligten Stiftungen einig.

Die Finalisten im Landeswettbewerb Jugend debattiert in Hamburg 2012:

Debatte Altersgruppe 1 (Klassen 8 bis 10):

  1. Platz: Emily Philippi, 14 Jahre, Christianeum (Othmarschen)

  2. Platz: Tim Viereck, 14 Jahre, Charlotte-Paulsen-Gymnasium (Wandsbek)


  3. Platz: Larissa Cosyns, 15 Jahre, Gymnasium Allermöhe
  4. Platz: Benedikt Jeutner, 14 Jahre, Gymnasium Oberalster (Sasel)

Debatte Altersgruppe 2 (Jahrgangsstufen 11 bis 13):

  1. Platz: Jakob Rehder, 16 Jahre, Gelehrtenschule des Johanneums (Winterhude)
  2. Platz: Marvin Serra Glinski, 18 Jahre, Gymnasium Heidberg (Langenhorn)
  3. Platz: Leonie Müller-Jensen, 18 Jahre, Gymnasium Hochrad
(Othmarschen)
  4. Platz: Niklas Wolff, 15 Jahre, Charlotte-Paulsen-Gymnasium (Wandsbek)

Hintergrund

Seit über 10 Jahren erfolgreiches Debattentraining

Seit 2001 fördert "Jugend debattiert" sprachliche und politische Bildung sowie Meinungs- und Persönlichkeitsbildung durch Fortbildungen für Lehrkräfte und Unterrichtsreihen an Schulen. Bundesweit beteiligen sich derzeit über 135.000 Schüler/innen und ca. 5.500 Lehrkräfte an über 800 Schulen.

In einer Debatte bei "Jugend debattiert" äußern sich jeweils vier Jugendliche zu aktuellen politischen und schulischen Streitfragen. Jeder erhält zunächst zwei Minuten ungestörte Redezeit, in der er seine Position – Pro oder Kontra – darlegt. Es folgen zwölf Minuten freie Aussprache. Für ein Schlusswort steht jedem Teilnehmer eine Minute zur Verfügung.

Der Landeswettbewerb in Hamburg wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Stiftung Mercator und der Heinz Nixdorf Stiftung in Kooperation mit der Kultusministerkonferenz und der Behörde für Schule und Berufsbildung getragen. Die beteiligten Stiftungen haben seit 2001 rund 15 Millionen Euro für Jugend debattiert zur Verfügung gestellt. Initiator und Schirmherr von Jugend debattiert ist der Bundespräsident.

Weitere Infos unter www.jugend-debattiert.de


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