"Wir dürfen in unseren Anstrengungen gegen Gewalt und für mehr Sicherheit für unsere Schüler nicht nachlassen"

"Wir dürfen in unseren Anstrengungen gegen Gewalt und für mehr Sicherheit für unsere Schüler an den Schulen nicht nachlassen", so Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle nach einem Gespräch mit Experten, zu dem er aufgrund der Vorfälle in München-Solln heute nach München eingeladen hatte. Im Vorfeld betonte der Minister, dass die "schreckliche Tat von Ansbach" im Vergleich zu den anderen Amokläufen auch eine ganz neue Dimension aufweise: Bisher haben Amokläufer vorwiegend Schusswaffen verwendet; der Täter aus Ansbach habe Molotow-Cocktails (Brandbomben) mit tödlichen Stichwaffen kombiniert.

18.09.2009 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Kultusminister Spaenle fasste nach dem Gespräch die Maßnahmen zusammen, die in der jüngsten Zeit intensiviert wurden.

  1. An Bayerns Schulen arbeiten rund 600 Schulpsychologen; rund 20 von ihnen kooperieren in besonderen Situationen vor Ort als Kriseninterventions- und -bewältigungsteams. Das Fach "Schulpsychologie" ist eine bayerische Besonderheit im Studium und in der Schule. Durch ihr zweites Unterrichtsfach stehen sie enger im Kontakt mit den Schülern. Rund 2.600 Beratungslehrer stehen darüber hinaus gegenwärtig Schülern und Eltern zur Verfügung. Schulartübergreifend gibt es in jedem Regierungsbezirk mindestens eine Schulberatungsstelle. Das Kultusministerium arbeitet seit Frühjahr an einer grundlegenden Neukonzeption und -organisation der Schulberatung, um diese noch effizienter zu gestalten. Das Kultusministerium beantragt im Nachtragshaushalt eine Verstärkung schulpsychologischer Arbeit.

  2. Die Bayerische Staatsregierung plant, die Jugendsozialarbeit an Schulen gemeinsam mit den Sachaufwandsträgern in den kommenden Jahren auf 1000 Stellen auszubauen.

  3. Auf der Basis von rund 20 landesweiten Programmen wie "Prävention im Team" oder "Faustlos" arbeiten Schulen gemeinsam mit Polizei und Sozialpädagogen daran, die Persönlichkeit von jungen Menschen zu stärken und Gewalt präventiv zu begegnen. Schüler engagieren sich an den meisten Schulen in Bayern als "Streitschlichter". Die Medienerziehung inklusive der Bearbeitung der Gewalt- und Gewaltwirkungsfragen gehört zu den fächerübergreifenden Unterrichtsinhalten. Eine Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Prof. Dr. Christian Pfeiffer, der über Medienkonsum und Gewalt wissenschaftlich arbeitet, ist vereinbart.

  4. Auch über die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalentwicklung in Dillingen bietet das Kultusministerium den Lehrkräften ein umfassendes Fortbildungsprogramm an. Seit Winnenden bieten die Schulberatungsstellen auch Fortbildungsprogramme zum Thema "Mobbing" an-

  5. 2002 hatte das Bayerische Kultusministerium jede Schule aufgefordert, gemeinsam mit den Sicherheitskräften und dem Schulaufwandsträger vor Ort ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten. 2008 und auch in diesem Frühjahr hatte das Ministerium die Schulen aufgefordert, das Sicherheitskonzept mit Fachkräften neuerlich zu überprüfen und ggf. fortzuschreiben. Das Carolinum in Ansbach hatte in der Folge erst jüngst sein Sicherheitskonzept überprüft und mit den Schülern einzelne Bestandteile desselben neu eingeübt. Auf regionaler Ebene hat auch ein Austausch über Sicherheits- und Notfallkonzepte stattgefunden.

  6. Wir bauen seit Jahren die Ganztagsschulen konsequent aus. Allein in diesem Schuljahr haben wir an 215 Schulen zusätzlich gebundene Ganztagszüge aufgebaut, 15.000 neue Plätze an offenen Ganztagsangeboten geschaffen und die verlängerte Mittagsbetreuung an Grundschulen deutlich ausgebaut. Der Staat hat im laufenden Schuljahr auch die Trägerschaft für die offenen Ganztagsschulen übernommen.

  7. Kultusminister Spaenle machte unter Hinweis auf Anliegen von Eltern, Schülern und Lehrkräften deutlich: "Schule ist ein geschützer Raum und wir müssen alles tun, diesen Schutz bestmöglich zu gestalten. Aber Schulen dürfen als Lern- und Lebensorte nicht zu Hochsicherheitstrakten ausgebaut werden." Ein ganz zentraler Aspekt muss es sein - dies beweist für Minister Spaenle auch das engagierte Verhalten eines Schülers und ehrenamtlichen Feuerwehrmanns am Carolinum - aufmerksam zu sein. Wer bewegt sich in der Schule? Was geschieht?

Kultusminister Spaenle hatte sich unmittelbar nach Bekanntwerden des Amoklaufs im Gespräch mit Lehrkräften und Schülern vor Ort über die Situation informiert und der Schule, der Polizei sowie anderen Kräften seinen Dank für den besonnenen und engagierten Einsatz ausgesprochen. Er hatte ein Kriseninterventions- und -bewältigungsteam der Bayerischen Schulpsychologen entsandt und der Schule zugesichert: "Wir werden alles tun, um die Schulfamilie bei der Bewältigung der traumatischen Erfahrungen zu begleiten."


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