"Wir können unsere Schüler intensiver fördern"

1.459 zusätzliche Lehrerstellen für Schulen aller Schularten, an 215 zusätzlichen Schulen gebundene Ganztagszüge, 15.000 zusätzliche Plätze im offenen Ganztagsangebot, eine Absenkung der Klassenstärke an den allgemeinbildenden Schulen und mehr Beförderungsmöglichkeiten für Lehrkräfte. Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle stellte heute in München die Neuerungen zum Schuljahr 2009/2010 für die Schulen im Freistaat vor. In diesem besuchen gut 1,83 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Bayerns allgemeinbildende und berufliche Schulen.

11.09.2009 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Mit den 1.459 zusätzlichen Lehrerstellen steigern wir die Qualität des Unterrichts für unsere Kinder und Jugendlichen und stellen ihre intensivere Förderung sicher", betonte Minister Spaenle. "Der Freistaat leistet mit dieser beträchtlichen Investition in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft unserer Kinder." Der Unterricht wird somit in allen Schularten sicher gestellt. Ein Problem, geeignete Lehrkräfte für frei werdende Stellen zu gewinnen, ergibt sich nur in Mangelfächern wie z.B. in Mathematik und den Naturwissenschaften an Realschulen und Gymnasien.

Klassen werden kleiner

Die Schülerhöchstgrenzen wurden sowohl in den ersten Jahrgangsstufen um ein Kind von 30 auf 29 gesenkt wie auch in Klassen an Grund- und Hauptschulen mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund reduziert. Aber auch die durchschnittliche Schülerzahl pro Klasse konnte an Grundschulen auf 22,5 Kinder, an Hauptschulen auf 20,5, an Realschulen auf 27,4 und an Gymnasien auf 26,8 Schüler abgesenkt werden.

Ganztagsangebote werden konsequent ausgebaut

"Die Ganztagsangebote werden im Freistaat konsequent ausgebaut", so Minister Spaenle. Er ergänzte: "Mit ihnen können wir die Schülerinnen und Schüler intensiver fördern und die Eltern in ihrer Lebenssituation unterstützen". So gibt es an 626 Schulen und damit an 50 Prozent mehr Schulstandorten gebundene Ganztagsangebote als im vergangenen Schuljahr mit 411 Schulen.

Gebundene Ganztagsschulen bestehen oder sind im Aufbau:

Schuljahr 2009/2010 Schuljahr 2008/2009
Grundschulen 150 40
Hauptschulen 384(1) 320(2)
Realschulen 13 9
Gymnasien 12 12
Förderschulen 67 30
Gesamt 626 411



(1) An 24 Schulen bestehen jeweils zwei Ganztagszüge bzw. sind im Aufbau
(2) An 18 Schulen bestehen jeweils zwei Ganztagszüge bzw. sind im Aufbau

Die Anzahl der Plätze für Kinder und Jugendliche in offenen Ganztagsangeboten wird von 41.000 im Schuljahr 2008/2009 auf 56.000 im Schuljahr 2009/2010 spürbar erhöht. Dazu hat der Freistaat Bayern die finanziellen Mittel von 30,3 Millionen Euro auf 55,3 Millionen Euro fast verdoppelt.
Vor allem sei es in einer Übereinkunft mit den Kommunen gelungen, dass Eltern in der Regel keinen finanziellen Beitrag mehr für die offenen Ganztagsangebote mehr erbringen müssen.

Offene Ganztagsangebote gibt es oder sind im Aufbau in Gruppen an(3):

Schuljahr 2009/2010 Schuljahr 2008/2009
Hauptschulen 881 650
Realschulen und Wirtschaftsschulen 679 590
Gymnasien 927 715
Förderschulen 111 85
Schulartübergr. Einrichtungen 102 ---
Gesamt 2700 2040



(3) Die Zahlenangaben beziehen sich auf die genehmigten Gruppen. Der Anzahl der Schulen, an denen offene Ganztagsangebote im Schuljahr 2009/2010 eingerichtet werden, lag zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht vor.

Im Freistaat Bayern kann zum neuen Schuljahr die Mittagsbetreuung an Grundschulen vielerorts deutlich von ca. 14.00 auf 15.30 bzw. 16.00 Uhr verlängert werden.
In rund 2.840 Gruppen können die Kinder im Schuljahr 2009/2010 also mindestens bis 15.30 Uhr betreut werden, d.h. die Anzahl der Gruppen mit einer deutlich verlängerten Betreuungszeit wird im Vergleich zum Vorjahr (1.424 Gruppen) verdoppelt.

Mehr Beförderungsmöglichkeiten ab Schuljahr 2009/2010

"Die Dienstrechtsreform macht den Lehrerberuf attraktiver und ist Ausdruck für die hohe Leistung, die Lehrerinnen und Lehrer für unsere Gesellschaft erbringen", betonte Kultusminister Spaenle. Allein zum Schuljahr 2009/2010 können 4.250 besonders engagierte Lehrkräfte von Volks- und Realschulen mit einer neu eingeführten Beförderung rechnen, die nicht an eine bestimmte Funktion gebunden ist.

Grundschule noch stärker auf die Entwicklung des Kindes ausrichten

"Wir wollen unsere Kinder noch stärker als bisher entwicklungsgerecht fördern", deshalb wird der Minister das Einschulungsalter einheitlich auf den September jedes Schuljahres festlegen. Entsprechend ihrer eigenen Entwicklung sollen die Kinder die Eingangsstufe der Grundschule in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen, ohne deshalb Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. In einem Modellprojekt werden das Kultusministerium und die Stiftung Bildungspakt Bayern die optimale Gestaltung der Eingangsstufe zur Grundschule erproben.
Beim Übergang von der Grundschule zu den weiterführenden Schulen, in dieser "begleiteten Übertrittsphase" werden die Schüler durch "Lotsen" begleitet und ihre Eltern intensiv beraten. Die Förderung der Kinder in der ersten Jahrgangsstufe der aufnehmenden weiterführenden Schule wird ausgebaut.
Der Ideologie "für alle Kinder sechs Jahre lang das Gleiche" erteilte Minister Spaenle eine Absage. Für ihn gilt der Grundsatz "Jedem Kind seinen Weg".

Mehr Möglichkeiten für Kinder mit Behinderung schaffen

Den Grundsatz "Jedem Kind seinen Weg" will Minister Spaenle auch konsequent für junge Menschen mit Behinderung anwenden. Er baut dazu die Möglichkeiten zur Kooperation allgemeinbildender Schulen und Förderschulen ausbauen, u.a. die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste.

Hauptschule und Realschule arbeiten in Modellen zusammen

Kultusminister Spaenle hatte für das neue Schuljahr auch zahlreiche Modelle zugelassen, an denen Haupt- und Realschulen kooperieren, "um Begabungspotentiale unserer Schüler noch besser erkennen und fördern zu können".

Schulische Integration von Kindern mit Migrationshintergrund

Ab diesem Schuljahr wird das von Minister Spaenle vorgelegte Gesamtkonzept zur schulischen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund umgesetzt. "Es ist völlig unbefriedigend, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im nationalen und internationalen Vergleich nach wie vor deutlich schlechter abschneiden als die übrigen Schülerinnen und Schüler", begründet der Minister seine Anstrengungen zur besseren Förderung. Ab dem neuen Schuljahr wird an Grund- und Hauptschulen die Höchstklassenstärke auf 25 gesenkt, wenn der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund über der Hälfte liegt. Im Rahmen eines Modellversuchs wird bayernweit "Islamischer Unterricht in deutscher Sprache" eingeführt. Dazu dient ein Lehrplan, der neben den religiösen Inhalten die Werte der bundesdeutschen und bayerischen Verfassung umschließt.

Soziale Verantwortung für Schüler auf ihrem Weg in den Beruf

Angesichts der wirtschaftlichen Lage, die auch erste Auswirkungen auf dem Ausbildungsstellenmarkt zeigt, nimmt der Freistaat seine soziale Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg in die Arbeitswelt wahr. Als Instrumente dazu dienen u.a. das Berufseinstiegsjahr, das kooperative Berufsvorbereitungsjahr und das Berufsintegrationsjahr. Außerdem erweitert Bayern die Möglichkeiten, dass sich junge Menschen, die eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, weiterqualifizieren können. Dazu weitet Bayern vor allem das Angebot von Fachschulen und Fachakademien um rund ein Drittel aus. Bayern setzt die Maßnahmen fort, bei denen junge Menschen den Hauptschulabschluss bzw. den Qualifizierenden Hauptschulabschluss nachholen können.

Qualität in Schule und Unterricht für junge Menschen weiter ausbauen

Bei der Qualitätsentwicklung an den Schulen konzentriert sich Bayern derzeit auf die Entwicklung der Hauptschule zur Mittelschule, eine Qualitätsoffensive bei den Realschulen und eine Weiterentwicklung des Gymnasiums.

Hauptschule wird Mittelschule - Schulverbund sichert Standorte

Um ab dem Schuljahr 2010/2011 eine "Mittelschule" zu werden, müssen größere Hauptschulen oder auch ein Schulverbund aus mehreren kleinen Hauptschulen ihren Kindern ein vielfältiges Bildungsangebot unterbreiten. Von zentraler Bedeutung sind dabei mehr berufliche Orientierung, ein Ganztagsangebot, differenzierte Bildungsabschlüsse bis zum mittleren Bildungsabschluss und eine zusätzliche modulare und individuelle Förderung. "Die Mittelschule als Hauptschule mit einem breit gefächerten Bildungsangebot eröffnet den Schülern neue Chancen auf dem Weg zum Beruf", so Kultusminister Spaenle. Eine Mindestgröße von 300 Schülern ist nicht vorgeschrieben.

"Mein Ziel ist es, möglichst viele Schulstandorte möglichst lange zu erhalten", so Dr. Spaenle. Deshalb soll es die Möglichkeit geben, dass mehrere kleinere Hauptschulen sich zu einem Schulverbund zusammenschließen. "So stellen wir sicher, dass unsere Schülerinnen und Schüler wohnortnah eine qualitativ wertvolle Schulbildung erwerben können", so Minister Spaenle und verweist damit auch auf die mit Schulstandorten verbundene Lebensqualität.

Realschule erlebt Qualitätsoffensive

Um die Schüler der Realschule noch besser auf eine anspruchsvolle Berufsausbildung oder einen weiteren schulischen Weg vorzubereiten, bereitet das Kultusministerium gegenwärtig eine Qualitätsoffensive für diese Schulart vor. Ziel ist es, den Anteil der Schüler zu erhöhen, der nach der Realschule eine Hochschulzugangsberechtigung erwirbt. "Die Schülerinnen und Schüler der Realschulen haben ein sehr hohes Potential, das wir noch nachdrücklicher fördern wollen", so Kultusminister Spaenle. Zentrale Elemente der Qualitätsoffensive, die mit einer Ausweitung der individuellen Förderung gekoppelt wird, sind die Stärkung der Fremdsprachenkompetenz und der Naturwissenschaften.

Gymnasium wird weiter entwickelt

In den kommenden zwei Jahren haben die bayerischen Gymnasien die historische Sondersituation mit den Oberstufen des neun- und des achtjährigen Gymnasiums zu bewältigen. Dazu hat das Kultusministerium den Schulen entsprechende Stundenbudgets zugewiesen.

Die international anerkannte Qualität der Bildung der jungen Menschen am Gymnasium wird Kultusminister Spaenle weiter entwickeln. Dazu will er - beginnend nach dem doppelten Abiturjahrgang die einzelnen Ausbildungsprofile wie Naturwissenschaften, Fremdsprachen sowie Musik und Kunst schärfen. Auch das Bildungsangebot für besonders begabte Schülerinnen und Schüler will Minister Spaenle ausweiten. Bereits ab diesem Schuljahr gibt es in jedem Regierungsbezirk an mindestens einem Gymnasium eigene Klassen, an denen diese besonders gefördert werden.

Weitere Maßnahmen wie interne und externe Evaluation, die auch die Eigenverantwortung der Schulfamilien für die Qualität von schule und unterricht stärken, werden intensiv fortgesetzt.

"Kultur des Dialogs" wird fortgesetzt

Die "Kultur des Dialogs" will er bei wichtigen Entscheidungen im Bildungswesen weiter pflegen. So hat der Minister "Dialogforen", Runde Tische, initiiert, um die Schulentwicklung auf Landkreisebene zu beraten und dabei wohnortnah qualitätsvolle Bildungsangebote für die Schüler sicherzustellen. Ferner hat er Experten und Betroffene an einen Runden Tisch gebeten, um die Förderung der Kinder mit Migrationshintergrund an den Schulen zu optimieren. "Ziel meiner Arbeit ist eine anspruchsvolle und qualitätsvolle Bildung für alle Kinder und Jugendlichen in Bayern - unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft", so der Minister. Und um diese zu erreichen, wurden zum neuen Schuljahr die Weichen günstig gestellt.

Qualität und Gerechtigkeit bei Bildung unserer Schüler erhöhen

"Wir haben vieles angeschoben, dürfen uns aber gerade jetzt nicht selbstzufrieden zurücklehnen", richtet Minister Spaenle den Blick nach vorn. Wir müssen die Erfolge für unsere Kinder und Jugendlichen - das unübersehbare ,Mehr an Qualität und Gerechtigkeit` - als Ansporn sehen, unsere Anstrengungen fortzusetzen. Auch die künftigen Handlungsfelder hat der Verantwortliche für die Bildungspolitik im Freistaat benannt: So will er zum Beispiel den Ausbau der Ganztagsschulen fortsetzen, die Klassenstärken weiter absenken, Kinder mit Migrationshintergrund noch besser fördern und in allen Schularten die Qualität der Ausbildung sichern und fortentwickeln. "Erfolgreiche Bildung benötigt gut motivierte Schüler und Lehrkräfte, begleitende Eltern, das nötige Geld und die entsprechende Zeit", sprach er sich für einen gut durchdachten und evolutionären Prozess von Veränderungen in der Schule aus, bei dem die Schulfamilien auch die nötige Beständigkeit erwarten können.


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