Brandenburg

Zahl der Oberschüler ohne Abschluss sinkt

Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht hat heute in Potsdam eine positive Bilanz der Arbeit der 150 Oberschulen im Land Brandenburg gezogen. "Fünf Jahre nach Einführung der neuen Schulform im Schuljahr 2005/06 können wir feststellen, dass die Oberschule akzeptiert ist und gute Arbeit leistet", so Rupprecht. "Unsere Oberschulen sind keine Sackgasse: Wer die Oberschule besucht, wird optimal auf das Berufsleben vorbereitet – und wer entsprechende Leistungen mitbringt, hat nach der Oberschule mehrere Möglichkeiten, das Abitur oder die Fachhochschulreife abzulegen."

17.11.2010 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Besonders erfreulich sei, dass es erstmals seit sieben Jahren gelungen ist, den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die ohne Abschluss die brandenburgischen Schulen verlassen, von 11 Prozent im Schuljahr 2008/09 auf 10,1 Prozent im vergangenen Schuljahr zu senken, sagte Rupprecht. "Einen deutlichen Anteil an der Senkung haben die Oberschulen: Im Schuljahr 2008/09 verließen noch 3,3 Prozent der Schüler die Oberschule ohne einen Abschluss – im vergangenen Schuljahr waren es nur 2,9 Prozent."

Diese positive Entwicklung gehe auf zahlreiche eingeleitete Maßnahmen zur Stärkung der Oberschule in den vergangenen Jahren zurück, betonte Bildungsminister Rupprecht. Dazu gehöre insbesondere das im Jahr 2007 begonnene Förderprogramm Initiative Oberschule (IOS). Zu den Zielen des Programms gehören die Intensivierung der beruflichen Orientierung etwa durch Angebote zum Praxislernen sowie Projekte zur Verbesserung der sozialen Schlüsselkompetenzen der Schülerinnen und Schülern. Für die Initiative Oberschule stehen von 2007 bis 2013 mehr als 25 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), aus Landesmitteln sowie aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung. "Bereits jetzt können wir feststellen: Das IOS-Programm hat unsere Erwartung übertroffen und zu einer deutlichen Stärkung der Oberschulen geführt", so der Bildungsminister. Das belege auch die aktuelle Evaluation der Universität Erfurt zur Initiative Oberschule. "Dort heißt es in einer ersten Stellungnahme: `Das IOS-Programm kann als sehr erfolgreich eingeschätzt werden, weil es den Übergangsprozess zugleich systematisiert und individualisiert und schulspezifisch im jeweiligen Schulprogramm verankert. Die Verbindung von Angeboten zum berufsorientierenden und sozialen Lernen und zur Verbesserung der Schulkultur ist ein Erfolg, weil sich die Wirkungen ergänzen.`" Die Schülerinnen und Schüler bekämen durch IOS nicht nur klarere Vorstellungen von ihrem Berufswunsch, so Rupprecht. "Sie haben auch realere Vorstellungen von ihren persönlichen Ausbildungs- und Berufschancen und bringen verbesserte Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft mit."

Eine weitere Maßnahme zur Stärkung der Oberschulen stellen die integrierten Projekte von Jugendhilfe und Schule dar. In diesen Projekten erhalten schulverweigernde oder vom Schulausstieg bedrohte Schüler die Chance auf einen Schulabschluss. In diesem Schuljahr werden landesweit 28 gemeinsame Projekte von freien Trägern der Jugendhilfe und Oberschulen umgesetzt. Schulverweigernde Schülerinnen und Schüler im 9. und 10. Schuljahr erhalten sowohl eine individuelle schulische Förderung verbunden mit praktischen Arbeitserfahrungen in Werkstätten und an außerschulischen Lernorten als auch eine intensive sozialpädagogische Begleitung. "Innovativ an diesen Projekten ist, dass Sozial- und Werkpädagogen und Lehrkräfte eng zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Bildungsziel zu erreichen: die Berufsbildungsreife und eine vertiefte Berufsorientierung für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler", so Rupprecht. Dafür stehen allein in diesem Schuljahr rund 4,2 Millionen Euro aus ESF-Mitteln und Landesmitteln zur Verfügung.

Ein weiterer Baustein zur Unterstützung der Oberschulen sowie der Sicherung von Abschlüssen ist seit diesem Schuljahr die so genannte aufsuchende Beratung. "Schulen mit besonderem Entwicklungsbedarf werden kontinuierlich über mindestens zwei Jahre von acht regionalen Berater-Teams begleitet", erläutert Rupprecht das Konzept. In diesem Schuljahr werden 30 Schulen unterstützt, darunter 28 Oberschulen und zwei Gesamtschulen. "Die Beraterteams entwickeln anhand der konkreten Problemlagen gemeinsame Konzepte mit den Schulen und begleiten die Umsetzung." Unterstützungsbedarfe gebe es insbesondere in den Bereichen "Individuelle Förderung" und "Leseförderung" sowie beim Umgang mit problembelasteten Schülerinnen und Schülern.

Ein besonders gutes Beispiel für eine engagierte und erfolgreiche Oberschule sei die Werner-von-Siemens-Oberschule in Gransee (Landkreis Oberhavel), so Rupprecht. So wurde die Schule erst kürzlich mit dem 4. Platz des Deichmann-Förderpreises gegen Jugendarbeitslosigkeit ausgezeichnet. "Dieser Preis ist absolut verdient: Die Siemens-Oberschule engagiert sich nicht nur vorbildlich bei der individuellen Förderung und Berufsorientierung, sondern bietet ihren Schülerinnen und Schülern auch jenseits des Unterrichts anregende und herausfordernde Projekte", so Rupprecht. "Für die erfolgreiche Arbeit der Schule spricht auch der Umstand, dass es ihr gelungen ist, alle Schüler des 10. Jahrgangs im Sommer zu einem Schulabschluss zu führen." Das Engagement der Schulleitung und der Lehrkräfte zeige, dass die Lage einer Schule in einer strukturschwachen Region kein unüberwindliches Hindernis beim Aufbau eines tragfähigen regionalen Unterstützungsnetzwerkes rund um die Schule sein muss, so Bildungsminister Rupprecht.

Die Oberschule in Gransee hat in den vergangenen Jahren ein Berufsorientierungsangebot aufgebaut, in das mehr als 180 Wirtschaftspartner eingebunden sind – von der Apotheke über die Kita bis zum Schifffahrtsamt, von der Bußgeldstelle über den Steinmetz bis zum Seniorenzentrum. Neben dem Praxislernen in allen Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I bietet die Schule im Rahmen ihres Ganztagsbetriebs ein breites Förderangebot für alle Schülerinnen und Schüler. Daneben gibt es zahlreiche Schulprojekte wie die Umweltmedienecke, das Energiespar-Programm, das Science Center Gransee, die Forscherkiste zusammen mit der benachbarten Kita sowie schulinterne Leistungsvergleiche in Sport, Mathematik, Deutsch, Naturwissenschaften und Sprachen. Auch bei Wettbewerben belegt die Schule regelmäßig Spitzenplätze. So hat die Siemens-Oberschule beim Schülerwettbewerb zur politischen Bildung der Bundeszentrale für politische Bildung in diesem Jahr den 1. Platz belegt. Im vergangenen Jahr wurde sie als Schule mit hervorragender Berufsorientierung im Land Brandenburg ausgezeichnet. Im Jahr 2008 wurde sie in die Top Ten der IT-fittesten Schulen Deutschlands gewählt. Beim Deutschen Hauptschulpreis erhielt sie im Jahr 2007 den 1. Landespreis.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.mbjs.brandenburg.de


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