Zur Beschulung geflüchteter Kinder und Jugendliche: Maßnahmenpaket nur Grundlage für weiteres Handeln
Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte - VNL/VDR sieht in dem Maßnahmenpaket der Landesregierung zur Beschulung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen, das heute in einer Runde mit den Lehrerverbänden und der Kultusminsterin vorgestellt und erörtert werden soll, lediglich eine Grundlage für weitere dringend notwendige Maßnahmen.
30.09.2015 Pressemeldung Verband Niedersächsischer Lehrkräfte"Diese müssen schleunigst getroffen werden, denn die Schulen werden bald mit einer sehr großen Anzahl von Flüchtlingskindern konfrontiert werden, wenn diese aus den zentralen Anlaufstellen auf die einzelnen Kommunen verteilt werden. Hinzukommt, dass die Flüchtlingszahlen weiterhin steigen werden, ohne dass eine zuverlässige Prognose möglich ist", so Manfred Busch, VNL/VDR-Landesvorsitzender.
Für den VNL/VDR ist die Sprachvermittlung das A und O für die Integration der Flüchtlinge. Daher ist es nach Ansicht des Verbandes notwendig, bereits in den zentralen Anlaufstellen so schnell als möglich mit der Sprachvermittlung zu beginnen. Dafür werden zusätzliche Lehrkräfte benötigt, die Deutsch als Zweitsprache beherrschen oder aber zumindest elementare Kenntnisse darin haben. Diese Maßnahme könnte auch dazu beitragen, die Schulen zu entlasten.
Es bedarf nach Ansicht des VNL/VDR zum einen deutlich mehr Sprachlernklassen, zum anderen aber auch eine spürbare Aufstockung der Förderstunden für diese Maßnahmen. Die langjährige Erfahrung der Schulen, an denen bereits Sprachlernklassen existieren, zeigt, dass nach dem in der Regel einjährigen Besuch einer Sprachlernklasse weiterhin ein erheblicher Förderbedarf für diese Schülerinnen und Schüler besteht. Schulen, an denen keine Sprachlernklasse eingerichtet werden kann, benötigen zudem mehr Sprachförderstunden als bisher.
Jede Schule, die geflüchtete Kinder und Jugendliche aufnimmt und beschult, braucht gerade in diesen Zeiten dringend zusätzliches Unterstützungspersonal wie zum Beispiel pädagogische Mitarbeiter und Sozialarbeiter, die der Schule direkt unterstellt sind. Ein Dolmetscherpool hilft Verständigungsprobleme zu lösen. Die Fortbildung der Lehrkräfte – auch der ehrenamtlichen Hilfskräfte – ist unverzichtbar und muss sofort beginnen.
Der VNL/VDR weist darauf hin, sich gerade auch um die jugendlichen Flüchtlinge besonders zu kümmern, die sich zwischen der Schulpflicht in der allgemeinbildenden und der berufsbildenden Schule befinden. Der Besuch einer Sprachlernklasse könnte mit einem berufspraktischen Teil verknüpft werden. Es liegen durchaus Erfahrungen von allgemeinbildenden Schulen mit sog. Berufsstarterklassen und mit Kooperationen mit Berufsbildenden Schulen vor. Diese Jugendlichen müssen so früh wie möglich auf die Berufswelt vorbereitet werden, damit eine erfolgreiche Integration erfolgen kann.
Der VNL/VDR gibt zu bedenken, dass der Schulbetrieb durch die ohne Frage notwendige Belegung von Sport- und Turnhallen nicht längerfristig beeinträchtigt werden darf. Die Schulen benötigen aufgrund der Beschulung der Flüchtlingskinder weitere finanzielle Hilfen durch das Land und die Schul-träger. "Es gibt ganz viel zu tun, Sonntagsreden helfen nicht weiter, packen wir es gemeinsam an", so Busch abschließend.
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