Studie

Gymnasium oder Realschule?

(red/idw) Für Schüler, deren Begabungen im Grenzbereich der Anforderungen von Realschule und Gymnasium liegen, hat die Wahl der Schulform langfristig keine Auswirkungen auf Beschäftigung, Lohnniveau und Bildungsstand. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine aktuellen Studie, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) heute veröffentlicht hat. Demnach sorgt die Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems dafür, dass falsche Einordnungen durch einen späteren Schulwechsel korrigiert werden können.

21.01.2014 Artikel

Die Studie der Wirtschaftsprofessoren Christian Dustmann, Patrick Puhani und Uta Schönberg widerspricht der verbreiteten Kritik, das mehrgliedrige deutsche Schulsystem verteile die Schüler zu früh auf unterschiedliche Schulformen und schränke auf diese Weise die Bildungschancen insbesondere von "Spätzündern" ein. Die Analyse basiert auf umfangreichen Zensus- und Sozialversicherungsdaten der Geburtsjahrgänge 1961-1976 und konzentriert sich auf den Werdegang von Realschülern und Gymnasiasten, die von den Voraussetzungen her an der Schwelle zwischen beiden Schulformen lagen. Langfristig fanden die Autoren zwischen diesen Schülergruppen keine Unterschiede bei den durchschnittlich erreichten Bildungsabschlüssen, der Beschäftigungsquote und dem erzielten Erwerbseinkommen.

Als Grund für diesen überraschenden Befund nennen die Wissenschaftler die im internationalen Vergleich hohe Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems. So könnten Realschüler, deren Leistungspotenzial zum Zeitpunkt der Schulwahl unterschätzt wurde, beispielsweise nach der neunten Klasse aufs Gymnasium wechseln – und umgekehrt. "Diese Möglichkeit des späteren Schulformwechsels ist ein entscheidender Aspekt des deutschen Schulsystems, der in vielen Studien übersehen wird", erklärt Christian Dustmann, Ökonom am University College London.

Unbestritten sei zwar, dass Gymnasiasten im Schnitt die besseren Jobaussichten haben. Allerdings seien leistungsstarke Real- oder Hauptschüler keineswegs am Aufstieg gehindert. Es erscheine sinnvoll, die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen noch weiter zu steigern und damit den Aufstieg zu erleichtern, so Mitautor Patrick Puhani, Wirtschaftsprofessor an der Leibniz Universität Hannover.

Das IZA ist ein privates, unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut. Es wurde 1998 in Bonn gegründet und konzentriert sich auf die Analyse der weltweiten Arbeitsmarktentwicklungen. Als gemeinnützige GmbH wird das von Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann geleitete IZA durch die Deutsche Post-Stiftung gefördert. Kürzlich erst warnte Zimmermann, dass der "Mindestlohn die Axt am Reformmodell Deutschland" sei.

Die englischsprachige Studie ist über die IZA-Homepage abrufbar: ftp.iza.org/dp7897.pdf


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