UNESCO-Weltbildungsbericht

Bildungsgerechtigkeit bleibt zentrale Herausforderung

„Zugang und Chancengerechtigkeit“ ist der Titel des Weltbildungsberichts 2026. Die deutschsprachige Kurzfassung wurde heute in Berlin vorgestellt und gemeinsam mit der Bildungsministerkonferenz sowie Bildungsfachleuten diskutiert.

22.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
  • Eine Brille liegt auf einem aufgeschlagenen Buch. © www.pexels.com Die deutsche Kurzfassung des Weltbildungsberichts 2026 wurde am heutigen Dienstag, 22. September, in Berlin vorgestellt.

Vorgestellt wurde die deutschsprachige Fassung gemeinsam vom Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Deutschen UNESCO-Kommission.

Die UNESCO machte deutlich, dass die Bildungsgerechtigkeit weltweit eine große Herausforderung bleibt. Trotz erheblicher Erfolge in den vergangenen Jahrzehnten gehen weltweit 273 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. Die Fortschritte haben sich zuletzt sogar verlangsamt. Zugleich zeigt der Bericht, dass langfristige Investitionen, inklusive Bildungspolitik und die gezielte Unterstützung benachteiligter Gruppen den Zugang zu Bildung und den Bildungserfolg insgesamt verbessern können. Chancengerechtigkeit sollte nach Einschätzung der UNESCO daher das Leitprinzip der Bildungspolitik sein.

Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, erklärt: „Bildung ist ein Menschenrecht und eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und Zukunftsperspektiven. Gerade in Zeiten von Krisen und Konflikten müssen wir darauf achten, dass Kindern und Jugendlichen der Zugang zu Bildung nicht verwehrt wird und bestehende Ungleichheiten sich nicht weiter verschärfen. Der Weltbildungsbericht zeigt, dass Fortschritte möglich sind, wenn wir langfristig investieren und besonders diejenigen in den Blick nehmen, die bislang benachteiligt sind. Dafür brauchen wir eine starke internationale Zusammenarbeit.“

Michael Brand, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sagt: „Das Startchancen-Programm baut als zentrale Initiative des Bildungsministeriums Bildungsungleichheit ab und bringt für alle mehr Bildungschancen. Inzwischen im dritten Jahr hilft dieses breit angelegte Programm von Bund und Ländern über eine Million Schülerinnen und Schülern, unabhängig vom sozialen Hintergrund besser zu werden, etwa durch zusätzliche Leseförderung, Unterstützung von Elternarbeit oder auch Schulpsychologen. Das stärkt das Bildungssystem insgesamt und auch später berufliche Möglichkeiten. Über die Laufzeit von zehn Jahren investieren wir insgesamt 20 Milliarden in ein besseres Lernumfeld, mithilfe von Chancenbudgets auf kommunaler und schulischer Ebene, durch Schul- und Unterrichtsentwicklung, multiprofessionelle Teams und andere Maßnahmen. Wir verbessern Chancen gleich von Anfang an, mit großer Wirkung für das weitere Leben.“

Johann Saathoff, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, stellt fest: „SDG 4 ist ein zentrales Anliegen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Unser besonderes Augenmerk gilt den Kindern, die am häufigsten von Bildung ausgeschlossen werden: Mädchen und junge Frauen, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder in Konflikt- und Krisengebieten. Ein zentraler Hebel unseres Bildungsengagements weltweit sind die globalen Bildungsfonds Global Partnership for Education und Education Cannot Wait. Beide Fonds tragen mit beeindruckenden Wirkungen dazu bei, dass alle Kinder einen gerechten Zugang zu Bildung erhalten. Mit unseren langjährigen Zusagen zeigen wir, dass wir uns langfristig, auch über die Laufzeit der Agenda 2030 hinaus, für Bildungsgerechtigkeit weltweit einsetzen werden.“

Maria Böhmer, die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, unterstreicht: „Der UNESCO-Weltbildungsbericht ist ein Weckruf: Wir müssen mehr tun für die Chancengerechtigkeit, auch im deutschen Bildungssystem. Mit dem Startchancen-Programm und früher Förderung geht Deutschland schon einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Aber wir dürfen hier nicht nachlassen. Wir müssen Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen so unterstützen, dass sie alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich fördern können, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund.“

Der aktuelle Weltbildungsbericht wurde im Frühjahr von der UNESCO veröffentlicht. Er untersucht die Bildungsgerechtigkeit weltweit. Eine der Länderstudien widmet sich der Situation in Deutschland. Hier verließen im Jahr 2024 rund 62.000 Menschen die Schule ohne Abschluss – fast acht Prozent aller Schülerinnen und Schüler. Nach wie vor hängt der Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft ab.

Kernaussagen des Weltbildungsberichts

  1. Die Welt wird den Zugang für alle bis 2030 nicht erreichen. Doch das bedeutet nicht, dass die globale Bildungsagenda gescheitert ist. Weltweit besuchen heute deutlich mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Bildungseinrichtungen als noch vor 25 Jahren. Gleichzeitig haben viele Staaten Bildungssysteme inklusiver gestaltet und gezielt benachteiligte Gruppen gefördert. Die Bildungsziele wurden zwar verfehlt, haben aber wichtige Fortschritte angestoßen.
  2. Seit 2015 haben sich die Fortschritte bei der Reduzierung der Out-of-school Rate in allen Regionen verlangsamt. 273 Millionen Kinder und Jugendliche gehen weltweit nicht zur Schule, tatsächlich dürfte die Zahl noch höher liegen. Dennoch zeigen viele Länder, dass deutliche Verbesserungen möglich sind, wenn langfristig in Bildung investiert wird.
  3. Bei den derzeitigen Raten werden wir möglicherweise niemals allen Lernenden den Abschluss der Sekundarschule ermöglichen können. Zwar steigen die Abschlussquoten weltweit kontinuierlich an, allerdings zu langsam. Besonders späte Einschulungen bremsen die Fortschritte in vielen ärmeren Ländern aus.
  4. Die Art und Weise, wie wir Fortschritte definieren, muss verbessert werden. Der Bericht fordert stärker kontextbezogene Maßstäbe für Bildungsfortschritte. Nationale Ziele, realistische Vergleichsmaßstäbe und eine differenzierte Betrachtung von Ungleichheiten liefern aussagekräftigere Ergebnisse als globale Durchschnittswerte allein.
  5. Einige Messinstrumente müssen angepasst werden, um aussagekräftigere Ergebnisse zu liefern. Mehrere Bildungsindikatoren überschätzen Fortschritte oder bilden Ungleichheiten nur unzureichend ab. Bessere Daten und präzisere Messmethoden sind notwendig, um Bildungsbeteiligung und Chancengerechtigkeit verlässlich zu bewerten.
  6. Es gibt keine einfachen Erklärungen für langfristige Fortschritte in Bezug auf Zugang und Chancengerechtigkeit. Nachhaltige Verbesserungen entstehen selten durch einzelne Reformen. Erfolgreich sind vielmehr langfristige, auf den jeweiligen Kontext abgestimmte Maßnahmenpakete.
  7. Um den Zugang zu Bildung zu verbessern, wurden umfassende politische Anstrengungen unternommen. Immer mehr Staaten verankern inklusive Bildung gesetzlich, verlängern die Schulpflicht und bauen den Anspruch auf kostenlose Bildung aus. Die politische Bedeutung von Teilhabe und Inklusion hat weltweit deutlich zugenommen.

Es gibt eine Dynamik hin zu politischen Maßnahmen, die Ressourcen umverteilen, um so die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen zu erhöhen. Viele Länder setzen verstärkt auf gezielte Finanzierungsinstrumente, um benachteiligte Regionen, Schulen und Lernende zu unterstützen. Der Bericht sieht darin einen wichtigen Hebel für mehr Bildungsgerechtigkeit.

Hintergrund

Mit der Verabschiedung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda hat sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherzustellen. Die UNESCO koordiniert die Umsetzung dieses Ziels, evaluiert die Fortschritte und veröffentlicht jährlich den Weltbildungsbericht. Die Deutsche UNESCO-Kommission gibt eine deutschsprachige Kurzfassung des Berichts heraus.

Weitere Informationen

UNESCO-Weltbildungsbericht 2026, deutschsprachige Kurzfassung

UNESCO-Weltbildungsbericht 2026, englischsprachige Langfassung

Länderstudie Deutschland


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden