Demografie

Geburtenrückgang erreicht die westdeutsche Kindertagesbetreuung

Wie sehr die demografische Entwicklung in Kitas und der örtlichen Bedarfsplanung ankommt, ist regional sehr unterschiedlich. Das zeigen aktuelle Analysen der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) am Deutschen Jugendinstitut.

15.10.2026 Bundesweit Pressemeldung Deutsches Jugendinstitut - DJI
  • © Adobe Stock Trotz rückläufiger Kinderzahlen ist die Zahl der pädagogisch und leitend Tätigen in westdeutschen Kitas von 2024 auf 2025 um 3 Prozent gestiegen.

Deutschland erlebt einen deutlichen Rückgang der Geburtenzahlen. Wo und in welchem Ausmaß ist der demografische Wandel in der westdeutschen Kindertagesbetreuung bereits spürbar? Wie reagieren Kommunen auf die veränderte Situation? Forschende des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund im Projekt Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) untersuchten auf Basis der amtlichen Statistik die Entwicklung in den westdeutschen Kreisen und kreisfreien Städten und werteten exemplarisch die kommunale Bedarfsplanung nordrhein-westfälischer Jugendamtsbezirke aus.

Die Zahl unter Dreijähriger schrumpft in der Bevölkerung stärker als in den Kitas

Während im Osten Deutschlands bereits seit fast zehn Jahren immer weniger Kinder geboren werden, setzte diese Entwicklung in Westdeutschland erst später ein: 2025 lag hier die Zahl der Geburten bei 552.000, dies waren rund 110.000 weniger als 2021 (-17 Prozent). Die Anzahl der unter Dreijährigen in Kindertageseinrichtungen sank hier 2025 erstmals gegenüber dem Vorjahr um knapp 4 Prozent. Dennoch gibt es für diese Altersgruppe weiterhin nicht überall ausreichend Plätze in der Kindertagesbetreuung: Während im Rahmen der DJI-Kinderbetreuungsstudie zuletzt 47 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren einen Betreuungswunsch äußerten, lag in der westdeutschen Kindertagesbetreuung der Anteil der unter Dreijährigen nur bei knapp 35 Prozent. 

Mit Blick auf die Ebene der Kreise und kreisfreien Städte zeigt sich ein differenziertes Bild: In Dreiviertel der Kreise gehen sowohl die Anzahl der unter Dreijährigen in der Bevölkerung als auch deren Betreuungszahlen in den Kitas zurück. Wobei die U3-Bevölkerung mehrheitlich stärker schrumpft als die Zahl der betreuten Kinder. In einem Fünftel der Kreise steigen dagegen die Betreuungszahlen unter Dreijähriger noch leicht, obwohl sich die altersentsprechende Bevölkerung verringert. Und in 4 Prozent der Kreise ist die U3-Bevölkerung leicht gewachsen, wobei die Inanspruchnahme von Kita-Plätzen nicht überall zunahm. „Bei den Betreuungszahlen unter Dreijähriger beobachten wir in den amtlichen Daten für das Jahr 2025 den Beginn einer Trendwende“, resümieren die Forschenden. Diese zeige sich allerdings nicht in der Fläche. Wo die Versorgungslücken am größten sind, steige die Zahl der Kita-Kinder weiter.

Personal in Kitas wächst weiter – Arbeitsmarkt entspannt sich

Trotz rückläufiger Kinderzahlen ist die Zahl der pädagogisch und leitend Tätigen in westdeutschen Kitas von 2024 auf 2025 um 3 Prozent gestiegen. Der Personalausbau zeigt sich nahezu flächendeckend: In allen westdeutschen Ländern außer Hamburg und in 92 Prozent der westdeutschen Kreise ist die Zahl der Beschäftigten gewachsen. „Das anhaltende Personalwachstum trotz des Geburtenrückgangs ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines qualitativen und quantitativen Nachholbedarfs“, erläutern die Forschenden. „Für viele Kommunen bietet die demografische Entwicklung die Chance, eine bedarfsgerechte und verlässliche Betreuung zu ermöglichen sowie Personalschlüssel zu verbessern.“

Gleichzeitig verändert sich der Arbeitsmarkt der Frühen Bildung. Erstmals seit zehn Jahren übersteigt 2025 das potenzielle Arbeitskräfteangebot die Zahl der offenen Stellen: Auf eine offene Stelle kommen 1,1 arbeitslos gemeldete Erzieher:innen; 2024 waren es noch 0,8. In 85 Prozent der westdeutschen Kreise und kreisfreien Städte ist die Zahl der Arbeitslosen in der Frühen Bildung gestiegen. Ausgehend von einem niedrigen Niveau erreicht die Entwicklung auch Ballungsräume wie Stuttgart (+84 Prozent), Düsseldorf (+41 Prozent) und München (+33 Prozent). Damit deutet sich nach Jahren des Fachkräftemangels eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt an. Zugleich wird die Beschäftigungssicherheit der letzten Jahre weniger selbstverständlich und ist stärker von regionalen Gegebenheiten abhängig.

Kommunale Bedarfsplanung zeigt: Geburtenrückgang trifft zuerst die Kindertagespflege

Wie wirken sich die sinkenden Geburtenzahlen auf die Planung des zukünftigen Platzangebots aus? Dieser Frage sind die Forschenden anhand einer Auswertung von Verwaltungsvorlagen zur Kita-Bedarfsplanung für die Jugendhilfeausschüsse in 25 Jugendamtsbezirken Nordrhein-Westfalens nachgegangen. Für das Betreuungsjahr 2026/27 planen zehn Jugendamtsbezirke mit weniger Plätzen als im Vorjahr, zehn halten ihr Platzangebot weitgehend konstant, während fünf von einem weiteren Anstieg der Kinder in Kindertagesbetreuung ausgehen. 

Auffällig ist: Dort, wo mit weniger Betreuungsplätzen gerechnet wird, betrifft der Rückgang nahezu vollständig die Kindertagespflege. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die in Deutschland insgesamt zu beobachten ist, wo seit 2020 die Zahl der Tagespflegepersonen kontinuierlich zurückgeht. „Der Geburtenrückgang wird dort bereits planungswirksam, wo der U3-Ausbau am weitesten vorangeschritten ist“, so die Forschenden. „In den Kitas wird der demografische Effekt vorerst noch durch nicht erfüllte Betreuungswünsche und den Rückzug der Kindertagespflege abgefedert.“ Deutlich spürbarer dürfte die Entwicklung in den Kitas werden, wenn die geburtenschwächeren Jahrgänge in die Altersgruppe der Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt vorrücken. Denn hier ist die Nachfrage nach Kitaplätzen nahezu vollständig gedeckt und die Kindertagespflege spielt kaum eine Rolle.

Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) wurde 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut initiiert, um die Elementarpädagogik als Basis des Bildungssystems zu stärken. Sie wird aus Bundesmitteln gefördert.


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