Neuauflage der Qualitätsoffensive Lehrerbildung
Der DPhV appelliert vor der 9. BMK an die Länder, die Chance nicht im Finanzstreit zu verspielen: Vorbereitungsdienst ins Zentrum stellen, TALIS-Teilnahme ab 2030 festschreiben.
15.10.2026 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)Vor der 9. Bildungsministerkonferenz (BMK) fordert der Deutsche Philologenverband (DPhV) die Bildungsministerinnen und -minister der Länder auf, die Neuauflage der Qualitätsoffensive Lehrerbildung jetzt entschlossen mitzugestalten. Bundesbildungsministerin Karin Prien hat angekündigt, dass das im Koalitionsvertrag vereinbarte Programm noch in diesem Jahr kommen könnte. Es soll ein „integriertes Programm“ werden, das alle drei Phasen der Lehrkräftebildung umfasst. Der DPhV knüpft daran zwei Kernforderungen: Die qualifizierte Stärkung des Referendariats als praxisorientierte Vorbereitung auf den Schulalltag muss das Herzstück der Offensive werden, und Deutschland muss ab 2030 endlich an der internationalen Lehrkräftestudie TALIS der OECD teilnehmen – um einen Überblick über die Herausforderungen im Lehralltag der Lehrkräfte zu erhalten.
„Lehrkraft wird man nicht im Hörsaal allein, es braucht das Referendariat. Wenn die neue Qualitätsoffensive wirken soll, muss sie dort ankommen, wo aus fundiertem Fachwissen praktischer, guter Unterricht wird“, so die DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. „Bund und Länder sind sich einig, dass es diese Offensive braucht. Umso weniger darf sie jetzt an der Frage scheitern, wer welchen Anteil bezahlt. Ein Finanz-Pingpong auf dem Rücken der Lehrkräfte darf es nicht geben.“
Die erste Qualitätsoffensive Lehrerbildung förderte allein Projekte an den Hochschulen. Dass Bund und Länder nun alle drei Phasen einbeziehen wollen, entspricht der Forderung des DPhV, Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung gleichermaßen zu stärken. Karin Prien setzt auf eine gemeinsame Finanzierung. Wer was bezahlt, ist jedoch offen. Der DPhV warnt davor, dass die Offensive an ungeklärten Finanzfragen scheitert.
Auch bei TALIS steht eine Entscheidung noch aus. Wie dringend Deutschland diese Daten braucht, hat die im vergangenen Jahr veröffentlichte TALIS-Studie gezeigt. Rund 280 000 Lehrkräfte aus 55 Bildungssystemen gaben darin Auskunft über ihre Arbeitsbedingungen, für Deutschland fehlen vergleichbare Erkenntnisse. Dabei liefern die Ergebnisse gerade für eine Qualitätsoffensive wichtige Hinweise. „Wer Lehrkräfte besser ausbilden will, aber nicht danach fragt, wie es ihnen im Beruf tatsächlich geht und welche Bedingungen belastend sind, fliegt im Blindflug“, kritisiert Lin-Klitzing. „Seit gut 20 Jahren steht TALIS immer wieder auf der Tagesordnung der Länder – teilgenommen haben deutsche Lehrkräfte bis heute nicht. Mitten im Lehrkräftemangel ist das nicht länger zu verantworten. TALIS wäre ein Kompass für diese Offensive. Die BMK darf diese Chance nicht erneut verstreichen lassen.“
Der DPhV fordert daher eindringlich:
- keine weiteren Kürzungen mehr beim Referendariat, sondern einen gestärkten, idealerweise 24-monatigen Vorbereitungsdienst,
- eine bessere Qualifizierung der Ausbilderinnen und Ausbilder an den Studienseminaren und bessere Arbeitsbedingungen für Referendarinnen und Referendare mit weniger eigenverantwortlichem Unterricht,
- eine Freistellung der Lehrkräfte für Fortbildungen, deren Zeit im geregelten Teil der Arbeitszeit verankert wird, also innerhalb der Unterrichtsverpflichtung,
- Quereinstieg nur mit fundierter Nachqualifizierung,
- die verbindliche Teilnahme Deutschlands an TALIS ab 2030.
„Ein strategischer Ansatz bis Jahresende ist gut – mit Preisschild wäre es noch besser“, bilanziert Lin-Klitzing. „Jeder Euro, den Bund und Länder heute in eine starke Lehrkräftebildung investieren, hält morgen Lehrkräfte gut vorbereitet und gesund im Beruf. Diese Investition dürfen die Landeshaushalte nicht scheuen.“
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