DL fordert Prävention und Rechtssicherheit
Angesichts der Debatte über gesetzliche Regelungen zum Eingreifen von Lehrkräften in Dänemark sieht der Deutsche Lehrerverband (DL) keinen Bedarf für Rechtsergänzungen in Deutschland. DL-Präsident Düll: „Lehrkräfte müssen nicht tatenlos zusehen, wenn Menschen gefährdet werden, brauchen aber keine neuen Sonderrechte.“
12.10.2026 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)DL-Präsident Stefan Düll erklärt: „Die rechtliche Lage in Deutschland ist grundsätzlich ausreichend. Lehrkräfte müssen nicht tatenlos zuschauen, wenn Schülerinnen und Schüler, Kollegen oder sie selbst bedroht oder angegriffen werden. Wer Menschen vor Gewalt schützen muss, kann sich bereits heute auf die Grundsätze von Notwehr und Nothilfe berufen. Das gilt für Lehrkräfte genauso wie für jeden anderen Bürger.“
Nach Auffassung des Deutschen Lehrerverbands besteht der entscheidende Handlungsbedarf nicht in neuen gesetzlichen Eingriffsbefugnissen, sondern in einer stärkeren Vermittlung rechtlicher Handlungssicherheit. „Statt neuer Gesetze brauchen wir vor allem mehr Rechtssicherheit in Ausbildung und Fortbildung. Lehrkräfte müssen wissen, was erlaubt ist, und sie müssen sich trauen, das zu tun, was rechtlich zulässig und pädagogisch geboten ist. Verantwortung für Kinder und Jugendliche wahrzunehmen bedeutet auch, in Gefahrensituationen entschlossen zu handeln“, betont DL-Präsident Stefan Düll.
Zugleich bekräftigt Düll, dass jede Form körperlicher Züchtigung ausgeschlossen bleibe: „Klar ist: Es gibt in Deutschland kein Züchtigungsrecht. Ebenso wenig darf es Freiheitsberaubung oder willkürliche körperliche Eingriffe geben. Lehrkräfte sind Pädagogen. Darauf, dass sie ihre Befugnisse verantwortungsvoll ausüben und nicht willkürlich handeln, darf man vertrauen. Wo es um die Durchsetzung staatlicher Maßnahmen mit unmittelbarem Zwang geht, sind Polizei und Sicherheitsbehörden zuständig. Die Aufgabe der Schule besteht vor allem darin, Bildung zu ermöglichen, Konflikte vorzubeugen und Kinder sowie Jugendliche in ihrer Entwicklung zu begleiten.“
Der DL-Präsident warnt davor, die aktuelle Diskussion ausschließlich unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten zu führen. Prävention müsse stets Vorrang vor Intervention haben: „Unsere Schulen sind grundsätzlich sichere Orte. Der beste Schutz vor Gewalt ist eine starke Schulkultur. Das beginnt mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung im täglichen Umgang. Wir sollten zuerst den Menschen sehen, nicht die Rolle als Lehrkraft oder Schüler. Maßstab bleibt die Unantastbarkeit der Menschenwürde gemäß Artikel 1 des Grundgesetzes.“
Gleichwohl dürfe nicht übersehen werden, dass insbesondere einzelne Brennpunktschulen zunehmend mit Gewaltvorfällen konfrontiert seien. Düll fordert: „Wir brauchen an Schulen zusätzliche Unterstützungssysteme. Wir brauchen Task Forces aus Schulsozialarbeit, psychologischen Diensten, weiterem pädagogischem Personal und gegebenenfalls Sicherheitskräften. Außerdem sollte an jeder Schule ein Ansprechpartner beziehungsweise Sicherheitsbeauftragter mit Unterrichtsentlastung aus dem Kollegium benannt werden, der Prävention, Krisenmanagement und die Zusammenarbeit mit externen Stellen koordiniert.“
DL-Präsident Düll weist darauf hin, dass bestehende schulrechtliche Instrumente bereits heute erhebliche Reaktionsmöglichkeiten bieten. „Wer fremdes Eigentum beschädigt, andere verletzt, Mitschüler massiv am Unterricht hindert oder die Sicherheit an Schulen gefährdet, muss mit Konsequenzen rechnen. Neben pädagogischen Maßnahmen stehen den Schulen auch Ordnungsmaßnahmen bis hin zum zeitweisen oder dauerhaften Ausschluss vom Schulbesuch zur Verfügung, soweit die jeweiligen Schulgesetze dies vorsehen. Andernfalls müssen entsprechende Schulgesetze der Länder in dieser Hinsicht angepasst werden.“
Abschließend fordert DL-Präsident Stefan Düll bundesweit verstärkte Fortbildungsangebote zum Umgang mit Gewalt- und Krisensituationen: „Lehrkräfte und Schulleitungen müssen rechtssicher handeln können. Wer Verantwortung trägt, muss wissen, was bereits heute erlaubt ist. Die Lösung liegt nicht in neuen Befugnissen, sondern in klaren Regeln, guter Ausbildung und der notwendigen Unterstützung vor Ort.“
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