Bildung erhält in Kindertagesstätten größeren Stellenwert
Jugend- und Bildungsministerin Ahnen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Trägerorganisationen bringen Bildungs- und Erziehungsempfehlungen auf den Weg - Kindertagesstätten sind ein idealer Ort, um die Neugier und den Wissensdurst von Kindern, ihr natürliches Bildungsbedürfnis, zu befriedigen, zu fördern und zu fordern. Dieser Tatsache wollen die Landesregierung und die großen Dachorganisationen der Träger von Kindertagesstätten im Land künftig noch stärker Rechnung tragen.
20.07.2004 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzJugend- und Bildungsministerin Doris Ahnen unterzeichnete daher nun gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Katholischen und der Evangelischen Kirche im Land, der kommunalen Spitzenverbände, der LIGA der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege sowie dem Landeselternausschuss die Endfassung der neuen Bildungs- und Erziehungsempfehlungen, die ab sofort in allen Kindertagesstätten zum Einsatz kommen sollen. "Kinder sind neugierig und lernen gerne dazu, aber sie müssen auch gefördert und gefordert werden. Bereits im frühen Kindesalter werden entscheidende Grundlagen für den weiteren Lebensweg gelegt. Mit den nun vorliegenden Empfehlungen für rheinland-pfälzische Kindertagesstätten liegt den Einrichtungen und ihren Trägern ein zeitgemäßes Handlungskonzept vor, das Erzieherinnen und Erzieher bei ihrer wichtigen Aufgabe, den Bildungs- und Erziehungsauftrag umzusetzen, unterstützt", unterstrich Ministerin Doris Ahnen. Von Seiten der Trägerorganisationen, aber auch vom Landeselternausschuss wurde ausdrücklich begrüßt, dass die neuen Empfehlungen in einem sehr offenen Dialog und unter Einbindung der Praxis zustandegekommen seien.
Erzieherinnen und Erzieher in den mehr als 2300 Kindertagesstätten landesweit, deren Träger, Interessenvertretungen aber auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im ganzen Land hatten seit August 2003, als der Entwurf der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen vorgestellt worden war, die Möglichkeit, die gemeinsam vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend, den kommunalen Spitzenverbänden, den Kirchen, der LIGA der Wohlfahrtsverbände sowie dem Landeselternausschuss erarbeiteten Bildungs- und Erziehungsempfehlungen zu diskutieren, zu beurteilen und zu ergänzen. Oberstes Ziel war dabei, die Aspekte Bildung und Erziehung möglichst umfassend in den Kindertagesstätten zum Tragen zu bringen und dabei die Praxistauglichkeit und Umsetzbarkeit der Empfehlungen zu gewährleisten. Doris Ahnen betonte, das große Interesse und Engagement, das sich im Rahmen des Rückmeldeverfahrens zu den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen gezeigt habe, mache deutlich, dass es gelungen sei, bereits mit dem Entwurf zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag, zu dessen Weiterentwicklung und damit zur weiteren Professionalisierung der Kindertagesstätten beizutragen. Mehr als 1900 - teilweise sehr detaillierte - Rückmeldungen zu dem Entwurf seien ausgewertet und in die jetzige Endfassung eingearbeitet worden. "Wir haben hier Empfehlungen aus der Praxis für die Praxis!", sagte die Bildungs- und Jugendministerin.
Die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen richteten sich an alle Formen der Kindertagesbetreuung und bildeten die Grundlage für die träger- und einrichtungsspezifischen Umsetzungen in den einzelnen Kindertagesstätten, die in Verantwortung der Träger erfolge, erläuterte Doris Ahnen weiter. Die Empfehlungen formulierten nicht nur ein gemeinsam von allen Beteiligten getragenes Bildungs- und Erziehungsverständnis und behandelten in Kindertagesstätten wichtige Querschnittsthemen wie die Bedeutung des Aspekts, Kinder auf die verschiedensten Einflüsse vorzubereiten und sie "stark" zu machen, oder die Förderung lernmethodischer Kompetenz und die Bedeutung einer geschlechtssensiblen Pädagogik. Es würden darüber hinaus zentrale Bildungsbereiche aufgegriffen, deren Förderung bei Kindern bedeutungsvoll sei, so die Bildungs- und Jugendministerin. Neben Wahrnehmung, Sprache und Bewegung sowie künstlerischen Ausdrucksformen wie Musik und Kunst werden Bildungsbereiche wie religiöse Bildung, die Gestaltung von Gemeinschaft und Beziehungen, interkulturelles und interreligiöses Lernen, Naturwissenschaften und Mathematik, Körper und Sexualität sowie der Umgang mit Medien thematisiert. Aber auch zur Gestaltung der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern sowie des Übergangs in die Grundschule böten die Empfehlungen viele wertvolle Orientierungen nicht nur für Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten.
Die Bildungs- und Jugendministerin erläuterte, neu aufgenommen seien gegenüber dem Entwurf vom vergangenen Jahr die Stärkung der psychischen Widerstandskraft von Kindern, die Förderung von Wahrnehmung sowie die Gesundheitsförderung. Im Bereich der Wahrnehmung gehe es beispielsweise darum, Kindern in Kindertagesstätten Erfahrungen mit allen Sinnen zu ermöglichen, um ihre Wahrnehmungsfähigkeit zu intensivieren und zu schärfen. Denn die Möglichkeit einer engen Verknüpfung von Wahrnehmung, Bewegung und Sprache stelle eine zentrale Grundlage für die Ausdifferenzierung der Hirnfunktionen dar. Aufbauend auf den Rückmeldungen aus der Praxis, werde in den überarbeiteten Empfehlungen deutlich tiefergehend auf die Arbeit in Krippe und Hort eingegangen. Dabei wurden für das jeweilige Alter spezifische Entwicklungsaufgaben in den Blick genommen. Darüber hinaus sei, so Ministerin Ahnen, das Kapitel zu dem zentralen Bereich der Zusammenarbeit mit der Grundschule um wesentliche Grundlagen dieser Zusammenarbeit aus Perspektive der Schule ergänzt worden. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Jugendhilfeeinrichtungen werde stärker betont als im ersten Entwurf.
Nach wie vor gelte, dass Bildungs- und Lerndokumentationen in Zukunft eine wichtige Arbeitsgrundlage für die Arbeit in den Einrichtungen darstellen sollten. Damit sollten unter Berücksichtigung der speziellen Gegebenheiten in den einzelnen Einrichtungen Bildungsprozesse bei Kindern genau beobachtet und dokumentiert werden, um so möglichst individuell fördern zu können, betonte Doris Ahnen und ergänzte: "Die Empfehlungen beschreiben einzelne Bildungsbereiche, wie zum Beispiel die Sprachförderung, die in allen konzeptionellen Überlegungen in der Kindertagesstätte eine zentrale Rolle spielen. Sie sind wesentliche Bestandteile einer ganzheitlichen Förderung von Kindern."
"Das Ergebnis kann sich bundesweit sehen lassen", betonte Doris Ahnen und ergänzte: "Unsere Empfehlungen stehen nicht nur voll im Einklang mit den im Frühsommer 2004 von der Jugendminister- und von der Kultusministerkonferenz gemeinsam beschlossenen Rahmenvorgaben für die Bildungsarbeit in Kindertagesstätten, der rheinland-pfälzische Entwurf aus dem Jahr 2003 hat diesen Rahmen für alle Länder sogar mit geprägt." Gemeinsam mit der zum kommenden Ausbildungsjahr in einer ersten Stufe greifenden Reform der Ausbildung künftiger Erzieherinnen und Erzieher, einem verstärkten Fort- und Weiterbildungsangebot auf Landesebene sowie durch die Träger, der Beteiligung am Projekt des Deutschen Jugendinstituts zu den Bildungs- und Lerngeschichten sowie einer konsequenten Fortsetzung und Ausweitung der Sprachfördermaßnahmen bildeten die neuen Empfehlungen eine gute Grundlage für einen Qualitätssprung in der vorschulischen Bildung und Erziehung in den verschiedensten Einrichtungen landesweit.
Die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen werden im Beltz-Verlag veröffentlicht und sind dann käuflich zu erwerben. Jede Einrichtung und jeder Träger in Rheinland-Pfalz erhält vom Land Rheinland-Pfalz ein Exemplar kostenlos. Zudem ist der Text demnächst auf der Internet-Homepage des Ministeriums für Bildung, Jugend und Frauen www.mbfj.rlp.de unter den Stichworten Jugend/Publikationen einsehbar.
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