Der Vermittlungsgutschein - Formen, Anträge und Kosten

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ist eines der effektivsten Förderinstrumente der Bundesagentur für Arbeit für die Wiedereingliederung von Arbeitssuchenden in die Arbeitswelt. Der AVGS bietet unterschiedliche Fördermöglichkeiten für den Weg aus der Arbeitslosigkeit und zurück in das Berufsleben.

17.06.2021 Bundesweit Pressemeldung WBS Training AG
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Arbeitssuchende können unterschiedliche Fördermaßnahmen für den Wiedereinstieg in das Berufsleben nutzen. Diese Förderangebote sollen sie auf die Arbeitswelt vorbereiten und ihnen die Jobvermittlung erleichtern.

Dieses Ziel erreichen alle Fördermaßnahmen auf unterschiedliche Art und Weise. Es gibt kein Patentrezept für eine erfolgreiche Arbeitsvermittlung, sondern viele Wege dorthin. Deshalb zielen alle Förderinstrumente auf verschiedene Bereiche der Arbeitsqualifizierung ab, verfolgen unterschiedliche pädagogische Strategien und haben die Förderung unterschiedlicher Stärken und Kompetenzen von Arbeitssuchenden zum Ziel. Dabei liegt der Schwerpunkt auf unterschiedlichen Maßnahmen wie dem Jobtraining, dem Bewerbungscoaching und der berufliche Weiterbildung. Die besten Erfolgsaussichten haben erfahrungsgemäß jene Förderangebote, die eine Kombination einiger dieser Maßnahmen umfassen. 

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)

Ein solches Förderinstrument ist der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS), der von der Agentur für Arbeit oder vom Jobcenter ausgestellt wird. Dieser unterstützt Arbeitssuchende mit insgesamt 4 verschiedenen Fördermöglichkeiten und erhöht damit die Chancen für eine erfolgreiche Arbeitsvermittlung erheblich. Die rechtliche Grundlage für den Vermittlungsgutschein ist §45 SGB III (Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung).

Die Fördermöglichkeiten umfassen ein professionelles Bewerbungscoaching oder eine berufliche Weiterbildung bei einem privaten oder öffentlichen Aus- und Weiterbildungsanbieter, eine Arbeitsvermittlung durch einen privaten Arbeitsvermittler und eine betriebliche Trainingsmaßnahme (Probearbeit) bei einem Arbeitgeber. Der Bildungsträger und der private Arbeitsvermittler müssen gemäß der Rechtsverordnung AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) zertifiziert sein. Die gewählte Fördermöglichkeit wird auf dem Gutschein vermerkt.

Die Inanspruchnahme eines Vermittlungsgutscheins erfolgt in nur einigen wenigen Schritten. Zunächst wird in einem Beratungsgespräch mit dem persönlichen Ansprechpartner der Agentur für Arbeit der Bedarf für einen AVGS geprüft. Arbeitssuchende haben keinen Rechtsanspruch auf einen Vermittlungsgutschein, allerdings hat der zuständige Betreuer der Agentur für Arbeit einen gewissen Ermessensspielraum für die Bewilligung eines AVGS. Nach einem positiven Bescheid wird der Vermittlungsgutschein beim persönlichen Ansprechpartner der Agentur der Arbeit persönlich, schriftlich oder telefonisch beantragt und bei Erfüllung der entsprechenden Förderungsvoraussetzungen von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ausgestellt. Der AVGS ist Bedingung für die Kostenübernahme für eine Fördermöglichkeit durch die Agentur für Arbeit. Falls Arbeitssuchenden durch die Teilnahme an einer Fördermaßnahme Kosten für die Anfahrt oder die Kinderbetreuung entstehen, werden diese unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls von der Bundesagentur für Arbeit erstattet.

Antragsberechtigt für einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein sind Arbeitssuchende, die Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 (ALG 1) haben und in den vergangenen drei Monaten vor Beantragung eines AVGS mindestens 6 Wochen arbeitslos waren. In Ausnahmefällen kann ein AVGS auch für andere Personen bewilligt werden. Dies gilt für Empfänger von Arbeitslosengeld 2 (ALG 2), Hochschulabsolventen, Personen, die in den vergangenen 3 Monaten vor Beantragung eines AVGS weniger als 6 Wochen arbeitslos waren und Arbeitnehmer in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis, das in den nächsten drei Monaten endet. Seit dem Jahre 2013 ist der Gutschein mit 2.000 Euro dotiert. Für Langzeitarbeitslose und Behinderte ist eine Erhöhung auf 2.500 Euro möglich. Die Gültigkeit des AVGS ist in der Regel auf  drei Monate befristet, sie kann aber auch verlängert werden.

Bewerbungscoaching als Fördermöglichkeit

Im Rahmen eines Bewerbungscoachings werden in enger Zusammenarbeit mit einem persönlichen Job-Coach maßgeschneiderte, auf die individuellen Ansprüche und persönlichen Bedürfnisse eines Arbeitssuchenden abgestimmte Strategien entwickelt und entsprechende Kompetenzen und Fähigkeiten vermittelt und gefördert. Die Dauer und die Termine des Coachings sind – je nach den persönlichen Voraussetzungen des Arbeitssuchenden – individuell vereinbar.

Bei diesem Einzelcoaching werden passende Bewerbungsziele definiert und eine individuelle Bewerbungsstrategie erarbeitet, mit der die Stärken und Qualitäten des Arbeitssuchenden hervorgehoben werden, um sich bei der Bewerbung in das richtige Licht zu setzen und sich von seiner besten Seite zu zeigen. Job-Coaches sind mit den Prozessen der Personalauswahl bestens vertraut und kennen die Ansprüche der Personalentscheider an die Bewerbungsunterlagen.

Die Bewerbungsstrategie deckt alle Schritte des Bewerbungsprozesses ab. Sie umfasst z.B. die professionelle und ansprechende Gestaltung des Bewerbungsanschreibens und des Lebenslaufs. Dabei stehen u.a. Themen wie die Vollständigkeit und Aktualität der Bewerbungsunterlagen, die Vermeidung von Formfehlern und der „rote Faden“ im Lebenslauf im Mittelpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt z.B. auf dem professionellen Auftreten in Vorstellungsgesprächen. Dabei werden u.a. Themen wie Souveränität, Überzeugungskraft, Selbstsicherheit und Authentizität in Bewerbungsgesprächen und der richtiger Umgang mit ungewöhnlichen Berufssituationen behandelt. Ein anderer Fokus liegt z.B. auf dem Erstellen von professionellen Bewerbungsfotos. Dabei geht es um die Frage, wie man sich mit einem aussagekräftigen und überzeugenden Bewerbungsfoto aus der Masse der Bewerber positiv hervorhebt, sich die Aufmerksamkeit der Personalentscheider sichert und gegenüber anderen Bewerbern bevorzugt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird bzw. welcher Dresscode und welche Körperhaltung hierfür vorteilhaft sind. Die Kostenübernahme für das Bewerbungscoaching durch die Bundesagentur für Arbeit erfolgt nach Erhalt des AVGS durch den Bildungsträger.

Berufliche Weiterbildung als Fördermaßnahme

Die im Sinne des AVGS förderfähigen beruflichen Weiterbildungen umfassen eine Vielzahl von unterschiedlichen arbeitsmarktrelevanten Fortbildungsmaßnahmen. Dazu gehören sowohl allgemeine Qualifizierungen für die digitalisierte Arbeitswelt von morgen, bei der die Vermittlung von grundlegenden Computer-, Internet- und Office-Kenntnissen (Computerführerschein, Internetkompetenz) im Mittelpunkt steht, als auch umfangreichere berufliche Fortbildungen in den unterschiedlichsten Branchen wie z.B. die Weiterbildung zum SAP-Anwender oder -berater, zum Kaufmann im E-Commerce (IHK), zum Kaufmann für Digitalisierungsmanagement, zur Fachkraft für Logistik und Lagerwirtschaft und zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung (IHK). Die Kostenübernahme für die berufliche Weiterbildung durch die Bundesagentur für Arbeit erfolgt ebenfalls nach Erhalt des AVGS durch den Bildungsträger.

Arbeitsvermittlung durch privaten Arbeitsvermittler als Förderangebot

Die Vermittlung in ein sozialversicherungspflichtiges, vergütetes Arbeitsverhältnis durch einen privaten Arbeitsvermittler gilt erst dann als erfolgreich abgeschlossen, wenn der Arbeitssuchende mindestens 6 Wochen im neuen Arbeitsverhältnis tätig war. Erst dann erhält der private Arbeitsvermittler den Vermittlungsschein, damit er die Kostenübernahme für die Arbeitsvermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit einleiten kann.

Betriebliche Trainingsmaßnahme (Probearbeit) als Fördermöglichkeit

Im Rahmen einer betrieblichen Trainingsmaßnahme leistet ein Arbeitssuchender Probearbeit bei einem potentiellen zukünftigen Arbeitgeber. Während dieser betrieblichen Trainingsmaßnahme, deren Dauer auf 6 Wochen bis 8 Wochen begrenzt ist, wird die Eignung für ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis im Betrieb festgestellt. Dem Arbeitgeber wird erst nach Beendigung der Probearbeit der Vermittlungsschein ausgehändigt, damit er die Kostenübernahme für die Personalkosten durch die Bundesagentur für Arbeit beantragen kann.

Ansprechpartner

WBS TRAINING AG
Lorenzweg 5
12099 Berlin
Telefon: 080023552350461
Web: https://www.wbstraining.de/beratungstermin-vereinbaren/


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