GEW: "Schulische Berufsausbildung stärken"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) setzt sich für Stärkung und Ausbau schulischer Berufsbildungsgänge ein. "Wir brauchen endlich mehr Ausbildungsplätze statt leerer Versprechen. Schulische Angebote sollen das duale System ergänzen", sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne heute mit Blick auf die Bilanz des Ausbildungsjahres der Bundesanstalt für Arbeit (BA).

12.10.2005 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Der Ausbildungspakt und die Maßnahmen der vergangenen Jahre seien gescheitert: So viele Jugendliche wie nie zuvor haben keinen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten. "Der Staat muss in die Bresche springen, um jungen Menschen eine Berufsperspektive zu eröffnen", begründete Thöne den Vorstoß der GEW. Es sei ein "gesellschaftlicher Skandal ersten Ranges" über 150.000 jungen Menschen, den Berufseinstieg zu verwehren und die Zukunftschancen zu verbauen.

Der Gewerkschafter erläuterte, dass das neue Berufsbildungsgesetz die gleichwertige Anerkennung und Zertifizierung schulischer und betrieblicher Ausbildungsgänge ermögliche. Der gesetzliche Rahmen müsse im Interesse der jungen Menschen ausgeschöpft werden. "In der gesellschaftlichen Diskussion müssen außerbetriebliche und vollzeitschulische Ausbildungsangebote endlich aufgewertet und vom Stigma der ´Notmaßnahme´ befreit werden", betonte der GEW-Vorsitzende.

Gleichzeitig verstärkte er noch einmal die Forderung nach einer Ausbildungsplatzumlage: "Wer nicht ausbildet, muss zahlen!" Mit der Abgabe sollten zusätzliche Ausbildungsplatzangebote für junge Menschen finanziert werden.

Thöne wies darauf hin, dass insbesondere benachteiligte Jugendliche immer mehr ins gesellschaftliche Abseits gedrängt würden. "Der neuen Ausschreibungspraxis der BA fallen gerade die Angebote für die Schwächsten zum Opfer. Immer mehr Träger, die seriöse und auf nachhaltige Qualifikation angelegte Förderprogramme für Benachteiligte angeboten haben, erhalten keinen Zuschlag und müssen aus Kostengründen die Segel streichen", sagte der Gewerkschafter. Er warnte, dass für die Gesellschaft enormer sozialer Sprengstoff entstehe.

Thöne wies das Lamento der Arbeitgeber über die angeblich fehlende "Ausbildungsreife" vieler Jugendlicher zurück. "Natürlich wissen auch wir, dass ein Teil der jungen Menschen nachqualifiziert werden muss. Man kann aber nicht Gelder für Unterstützungsmaßnahmen streichen und gleichzeitig Defizite bei den Jugendlichen beklagen. Mit ihrer Schuldzuweisung an die jungen Menschen wollen die Arbeitgeber lediglich vom Bruch ihres Versprechens, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen, ablenken", unterstrich der GEW-Vorsitzende. "Die Folgen des betriebswirtschaftlich verkürzten Denkens der Arbeitgeber droht der Gesellschaft mit dem sich schon jetzt abzeichnenden Facharbeitermangel noch bitter böse auf die Füße zu fallen."


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