Zöllner: Berufsschulen übernehmen Verantwortung für Fachkräfteausbildung

Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Fachkräfte sind die entscheidende Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit der Unternehmen, für wirtschaftliches Wachstum und für die regionale Entwicklung. Die gezielte Fachkräfteentwicklung wird immer wichtiger, auch deshalb muss das Ausbildungsplatzangebot weiter wachsen. Die berufliche Bildung wird immer wichtiger. Je größer der Fachkräftebedarf wird und je schneller die technischen und beruflichen Anforderung der Unternehmen sich wandeln, desto mehr Verantwortung übernehmen die beruflichen Schulen. In Berlin investieren wir einerseits in die Infrastruktur, andererseits haben wir neue Berufsbilder in das Angebot der Schulen aufgenommen. Damit bauen wir die Leistungsfähigkeit der beruflichen Schulen in Berlin weiter aus."

29.08.2008 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Die wichtigsten Nachrichten – die wichtigsten Fakten

1. Die wichtigsten Nachrichten

1.1. Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Das Ausbildungsjahr 2007/2008 profitierte vom anhaltenden konjunkturellen Aufschwung: Die Ausbildungsplatzsituation hat sich erheblich verbessert. Im Jahr 2006 begann für 20.612 Auszubildende das 1. Ausbildungsjahr. Im Jahr darauf waren es 21.619 Auszubildende. Im Vergleich dazu waren es 2005 nur 19.133. Dies belegt die großen Anstrengungen und Erfolge der Berliner Wirtschaft, betriebliche Ausbildungsplätze bereit zu stellen.

Dennoch gibt es nach wie vor große strukturelle Probleme. So werden immer noch etwa ein Viertel aller Ausbildungsverhältnisse in Berlin öffentlich gefördert. Mehr als ein Drittel aller Jugendlichen eines Jahrgangs wechseln nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht in vollschulische Maßnahmen bzw. in Maßnahmen der Agenturen für Arbeit. Jugendliche, deren Schulentlassung mehr als ein Jahr zurückliegt, gehören zu den sogenannten Altbewerberinnen und Altbewerbern. Ihr Anteil an den gemeldeten Ausbildungsplatzsuchenden bleibt weiterhin hoch.

In der Sonderkommission Ausbildungsplatzsituation haben sich die Spitzenvertreter von Wirtschaftsverbänden, Kammern, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und den fachlich zuständigen Senatoren auf Folgendes verständigt:

  • Das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen in den Jahren 2008 und 2009 wird weiter erhöht.
  • Flankierend dazu wird weiter ein Bund-Länder-Sonderprogramm mitfinanziert, um Jugendlichen, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden, eine Verbundausbildung zu ermöglichen. Für 2008 sind 2.500 Plätze und in 2009 sind 2.000 Plätze vorgesehen.
  • Mit gemeinsamen Anstrengungen werden der weitere Abbau der Altnachfrage nach Ausbildungsplätzen verfolgt und dabei gleichzeitig die Qualifizierungsinstrumente auf ihre Tauglichkeit für die betriebliche Wirklichkeit überprüft.
  • Die Fachkräfteentwicklung in der Region Berlin-Brandenburg rückt als zentrale Herausforderung in den Focus des Jahres 2009. Damit gewinnt die berufliche Nachqualifizierung und die berufliche Weiterbildung entscheidend an Bedeutung.

1.2. Neue schulische Ausbildung: Ausbildung zur Sozialassistentin/ zum Sozialassistenten

Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung wird am 1. September 2008 mit dem Bildungsgang "Berufsfachschule für Sozialassistenz" starten: Die zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin / zum Sozialassistenten ermöglicht Schülerinnen und Schülern in der Regel unmittelbar nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht eine berufliche Erstausbildung. Ziel der Ausbildung ist die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten, die erforderlich sind, um in sozialpflegerischen, sozialpädagogischen und hauswirtschaftlichen Institutionen tätig zu sein.

Die Eingangsvoraussetzung für den Bildungsgang ist der Hauptschulabschluss. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, nach erfolgreichem Abschluss des Bildungsgangs als staatlich geprüfte Sozialassistentin / staatlich geprüfter Sozialassistent auch den mittleren Schulabschluss zu erwerben. Mit dem Erwerb von Basisqualifikationen und dem mittleren Schulabschluss ist eine weiterführende Ausbildung z.B. an den Fachschulen für Sozialpädagogik sowie Heilerziehungspflege oder der Berufsfachschule für Altenpflege möglich. Die Durchlässigkeit für weiterführende Bildungsmaßnahmen ist damit gesichert.

Zum Schuljahr 2008/2009 werden an den öffentlichen beruflichen Schulen drei Klassen eingerichtet. Nach gegenwärtiger Kenntnis werden voraussichtlich acht Schulen in privater Trägerschaft diesen Bildungsgang anbieten.

1.3. Bessere Chancen für Ausbildung: Berufsschulpflicht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Maßnahme "Einstiegsqualifizierung (EQ)" nach § 235b SGB III

Mit der Anordnung des Verwaltungsrats der Bundesagentur für Arbeit vom 20. September 2007 soll die betriebliche Einstiegsqualifizierung gefördert werden. Ziel der betrieblichen Einstiegsqualifizierung ist es, dass mehr jüngere Menschen mit erschwerten Vermittlungsperspektiven eine betriebliche Ausbildung aufnehmen und diese Ausbildung im Erfolgsfall verkürzt wird.

Jugendliche, die durch eine Einstiegsqualifizierung gefördert werden, sind mit Beginn des Schuljahrs 2008/2009 berufsschulpflichtig.

Sie erhalten ein halbjährliches Zeugnis, wodurch die Anrechnung/Anerkennung der Einstiegsqualifizierung auf die Ausbildungsdauer bei einer ggf. späteren Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis unterstützt wird.

1.4. Neue Schulen

Pünktlich vor dem Beginn des neuen Schuljahrs konnten neue Schulstandorte eingeweiht werden.

Im Friedrichshain wurde für 19 Millionen Euro das OSZ Sozialwesen II - ein innerstädtisches Zentrum für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern - fertig gestellt. An diesem Standort wird ab 1. September auch die Ausbildung zum Sozialassistenten angeboten.

Für die Marcel-Breuer-Schule (das Oberstufenzentrum Holztechnik) und das Oberstufenzentrum Bautechnik II beginnt das Schuljahr im neuen gemeinsamen Schulgebäude in Weißensee. Für fast 40 Millionen Euro ist ein attraktives Kompetenzzentrum mit einem hoch modernen Laborgebäude entstanden.

Das Gesamtensemble der Max-Taut-Schule (OSZ Versorgungs- und Reinigungstechnik) in Lichtenberg ist einschließlich der Aula und den Außenanlagen für ca. 27 Millionen Euro fertiggestellt und steht für den Schulbetrieb nun vollständig zur Verfügung. Die Aula ist gleichzeitig öffentliche Veranstaltungsstätte und Tagungsstätte der BVV in Lichtenberg.

Zum neuen Schuljahr konnte ebenfalls der Umbau des Oberstufenzentrums Bürowirtschaft II abgeschlossen werden. Für rund neun Millionen Euro ist das hundertjährige Schulgebäude in der Marktstraße in Lichtenberg auf den neuesten technischen Stand gebracht, zugleich denkmalgerecht saniert und um Sportanlagen ergänzt worden.

Im September 2008 nimmt das Oberstufenzentrum Körperpflege den Schulbetrieb an seinem neuen Standort in der Schillerstraße in Charlottenburg auf. Für 25,5 Millionen Euro wurde für die mit über 1.900 Auszubildenden - das ist die größte Berufsgruppe an Auszubildenden im Land Berlin - den Friseurinnen eine den heutigen Ausbildungsanforderungen entsprechende, hoch moderne Berufsschule errichtet. Damit konnte gleichzeitig der städtebauliche Raum um den Ernst-Reuter-Platz vervollständigt werden.

1.5. Neue Lehrkräfte

Für die beruflichen und zentral verwalteten Schulen werden zum neuen Schuljahr auf 49 Stellen Lehrkräfte vor allem für die beruflichen Fächer Wirtschaftslehre, Elektrotechnik, Bautechnik, Holztechnik, Gestaltungstechnik und Sozialpädagogik unbefristet eingestellt. Darunter sind auch wieder berufserfahrene Quereinsteiger wie ein Arzt, der auch ein Studium als Elektrotechniker abgeschlossen hatte und nun am OSZ Informations- und Medizintechnik als Lehrkraft für das Fach Medizintechnik tätig wird sowie eine deutsch-amerikanische Neurobiologin, die an der Lise-Meitner-Schule (OSZ Chemie, Physik, Biologie) die Fachwissenschaft auch in englischer Sprache perfekt unterrichten wird.

Um die Pekinger Erfolge in der Sportart Wasserspringen zu verstetigen, wurde ein Trainer aus dem Trainerteam der Berliner Wasserspringer als Lehrer im Schul- und Leistungssportzentrum eingestellt.

Im Schuljahr 2007/2008 haben die ersten 49 Quereinsteiger (Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung – LovL) ihre zweite Staatsprüfung als Abschluss eines berufsbegleitenden Vorbereitungsdienstes erfolgreich bestanden.

1.6. Lehrerfeuerwehr

22 Stellen stehen den beruflichen und zentral verwalteten Schulen als Lehrerfeuerwehr im Vertretungsfall zur Verfügung. Hierfür wurden vor allem Wirtschaftswissenschaftler und Englischlehrkräfte eingestellt.

2. Die wichtigsten Fakten

An den 47 öffentlichen beruflichen Schulen (davon sind 35 OSZ) werden 175 Bildungsgänge angeboten. Dazu kommen 48 berufliche Schulen in freier Trägerschaft mit 72 Bildungsgängen.

An den beruflichen Schulen lernten im vergangenen Schuljahr insgesamt 97.640 Schüler, 8.539 von ihnen an privaten Schulen. Zum Schuljahr 2008/2009 wird ein Rückgang der Schülerzahl um etwa 1.000 Schüler prognostiziert.

Fast 71.500 Schüler befanden sich im letzten Schuljahr in der dualen oder vollzeitschulischen Ausbildung, davon ca. 5.500 an einer Privatschule. Auf Grund der guten Lage auf dem Ausbildungsmarkt wird hier kein Rückgang der Schülerzahlen erwartet.

Rund 4.900 waren Schüler in der vorberuflichen Bildung. Diese wird fast vollständig in den öffentlichen Schulen geleistet.

Mehr als 15.000 Schüler besuchen in den beruflichen Schulen studienbefähigende Bildungsgänge oder eine Fachschule, fast 2.600 davon in Privatschulen. So erwerben jährlich rund 3.500 Schüler ihre Studienberechtigung an einer beruflichen Schule.

An den öffentlichen beruflichen Schulen unterrichten im Schuljahr 2008/2009 4117 Lehrkräfte.


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