Didacta-Themendienst

Berufsbildung 4.0: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

„Irgendwas mit Medien“ – was früher als Plattitüde bei der Jobsuche galt, beschreibt heute fast jeden Beruf. Arbeitsstellen ohne digitalen Bezug gibt es kaum noch. Mit Rückenwind aus Wirtschaft und Politik rüstet sich die berufliche Bildung für den digitalen Wandel.

02.01.2018 Bundesweit Artikel Andreas Müllauer
  • © www.pixabay.de Die Wirtschaft braucht digital ausgebildete Fachkräfte. Doch vorher müssen die Berufsschullehrer auf den digitalen Wandel vorbereitet werden.

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Ein Betrieb ohne eigene Website? Unvorstellbar. Eine Fertigungslinie ohne Computer? Ineffektiv. Im Berufsleben und damit auch in der Berufsausbildung werden digitale Kompetenzen immer wichtiger – und die berufliche Bildung damit zu einem Vorreiter beim digitalen Lehren und Lernen. „Die Aktualität der Ausbildung steht und fällt mit dem Engagement und dem Wissen des Ausbildungspersonals. Damit meine ich sowohl das Ausbildungspersonal im Betrieb als auch das Lehrpersonal in der Berufsschule“, bekräftigte Friedrich Hubert Esser, Leiter des Bundesinstituts für Berufsbildung, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Für die Wirtschaft von morgen brauchen wir eine Berufsbildung 4.0, die mit der Digitalisierung mithält.“ Schon 2016 startete das Bundesministerium für Bildung und Forschung daher die Initiative „Berufsausbildung 4.0“, mit der die Digitalisierung in der Ausbildung schneller vorangebracht werden soll. Hierbei steht unter anderem die konkrete Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte im Mittelpunkt. Bundesweit werden so mindestens 1.200 Ausbilderinnen und Ausbilder geschult.

Digitaler Wandel als Chance 
Die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka betont die neuen Unterrichtsmöglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung ergeben: „Der digitale Wandel schafft neue Anforderungen an die Qualifizierung von Fachkräften, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten, Wissen mit digitalen Lern- und Lehrformaten zu vermitteln.“ Die Unternehmen erkennen darin ihre Chance: Der Lebensmittelhändler Edeka zum Beispiel setzt verstärkt auf den Einsatz von E-Learning-Modulen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter absolvieren jährlich mehr als eine Million Online-Kurse.

Infrastruktur ohne Bildungskonzept
Fest steht leider auch: Bei den Berufsschulen klafft noch eine Lücke zwischen der Alltagsrealität der Schüler und der Unterrichtsumgebung. Das ist ein Ergebnis des „Monitor Digitale Bildung – Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter“ der Bertelsmann Stiftung. Azubis und erfahrene Lehrkräfte treiben demnach die Veränderungen voran, doch die Möglichkeiten werden bisher vielfach nicht ausgenutzt. Viele Schulen beschränken sich auf die Ausstattung mit Geräten und Infrastruktur, es fehle aber an geeigneten Unterrichtskonzepten, die die Potenziale des digitalen Lernens ausschöpfen.

In diesem Zusammenhang kritisiert der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Gerald Lembke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg auch den anstehenden „DigitalPakt#D“. Das Bundesbildungsministerium unter Johanna Wanka hatte das Förderprojekt auf den Weg gebracht, das unter anderem Berufsschulen deutschlandweit mit Digitalgeräten ausstatten soll – gekoppelt an die digitale Strategie der KMK bei den Lerninhalten. Das sei so allein noch nicht zielführend, meint Lembke, stattdessen brauche man konzentrierte Investitionen in die berufliche Bildung: „Man sollte hier nicht mit dem Gießkannenprinzip arbeiten. Das passiert in der Bildung aber seit Dekaden.“ Statt einzelner Geräte für die Schüler sollten Berufsschulen High-Tech-Labore erhalten, verbunden mit einer entsprechenden Ausbildung der Lehrkräfte, so Lembke.

Lebenslang lernen
Und auch alle, die bereits im Berufsleben stehen, müssen sich auf die Herausforderungen der Industrie 4.0 einstellen. Knapp 40 Prozent der Personalleiter sind der Meinung, dass ihre Angestellten weniger gut bis schlecht auf die digitalen Anforderungen im Unternehmen vorbereitet sind, so das Ergebnis der Randstad-ifo-Personalleiterbefragung. Der Leiter der Randstad Akademie, Dr. Christoph Kahlenberg, gibt ihnen einen Rat mit auf den Weg: „Gerade wenn sich Unternehmen für die Digitalisierung aufstellen, sollten sie Weiterbildungen große Bedeutung beimessen.“

Hintergrund
Im Rahmen der Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Dachinitiative „Berufsbildung 4.0“ ins Leben gerufen. Mit deren Hilfe werden u.a. die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Qualifikationsanforderungen in ausgewählten Berufsbildern untersucht, die digitale Ausstattung der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten und der Einsatz digitaler Medien in der Ausbildung gefördert.

Vom 20. bis 24. Februar 2018 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Hannover zusammen. Die Dienstleister für die Ausbildung in MINT-Berufen, die Bildungsmedienverlage, IT-Unternehmen, Stiftungen und Initiativen präsentieren ihre Angebote für das digital gestützte Lehren und Lernen in der Erstausbildung und für die berufliche Fort- und Weiterbildung. Vorträge, Podien und Fortbildungsveranstaltungen zeigen, wie ein didaktisch sinnvoller Einsatz digitaler Medien in Betrieben, Schulen und Instituten der Erwachsenenbildung aussehen kann. Zu den Referenten gehören auch Christoph Kahlenberg, Gerald Lembke und Jens Kettler von Edeka. Diese Veranstaltungen könnten Sie interessieren:

Forum Bildung
Digitale Schule: Wann wird sie Wirklichkeit?
Darüber diskutieren:

  • Prof. Dr. Gerald Lembke, Mannheim
  • Matthias Graf von Kielmansegg, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Leiter Abteilung 1 „Grundsatzfragen; Strategie; Digitaler Wandel“ 
  • Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Stellvertretender Vorsitzender Verband Bildungsmedien e. V. 
  • Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz

23. Februar 2018
12:15 – 13:15 Uhr
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V. 

Forum Qualifizierung
Die digitalisierte Arbeitswelt - eine Chance für Geringqualifizierte?
Dr. Christoph Kahlenberg Leiter der Randstad Akademie
24. Februar 2018
11:10 - 11:50 Uhr
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e. V. 

Forum Qualifizierung
Keynote: Digitalisierung, Weiterbildung und Künstliche Intelligenz
Prof. Dr. habil. Christoph Igel, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI, Wissenschaftlicher Direktor Educational Technology Lab (angefragt)
24. Februar 2018
10:30 - 11:30 Uhr
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e. V.

Forum Qualifizierung
Wissenserwerb 4.0: Chancen und Grenzen von digitaler Weiterbildung           
Carmen Heinze, Projektleiterin im Steinbeis-Beratungszentrum Wissensmanagement Augsburg
24. Februar 2018
12:30 - 13:30 Uhr
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e. V.

Forum Berufliche Bildung
Podium: Berufsbildung 2018: Wo bleibt die e-Didaktik?
Darüber diskutieren:

  • Michael Härtel, BIBB
  • Ralph Müller-Eiselt, Bertelsmann-Stiftung, Autor der Studie „Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter“
  • Joachim Maiß, Multi-Media Berufsbildende Schule Hannover 
  • Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer, IEB Berlin, Autor der Studie „Digitalisierungstrends in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Welche Faktoren beeinflussen heute und morgen den Einsatz digitaler Lernsysteme?“

20. Februar 2018
12:15 – 13:15 Uhr
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e. V. / Verband Bildungsmedien e. V.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2018 finden Sie unter www.didacta-hannover.de und www.facebook.com/didacta.bildungsmesse.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta 2018 finden Sie im Dossier auf www.bildungsklick.de.


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