Abu Dhabi International Book Fair ist auf dem richtigen Weg
"Die Abu Dhabi International Book Fair hatte dieses Jahr eine völlig neue Qualität", so Jumaa al-Qubaisi, Direktor der Buchmesse am Golf, die am vergangenen Sonntag zu Ende ging. "Wir wollten ein deutliches Zeichen setzen in der arabischen Welt und haben daher nur Verlage zugelassen, die das Copyright beachten." Die Abu Dhabi International Book Fair (ADIBF) ist die einzige bilingual (englisch-arabisch) ausgerichtete Fachmesse im Nahen Osten. 482 Aussteller aus 42 Ländern nahmen an der Messe teil, die Ausstellungsfläche war im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf rund 17.000 Quadratmeter gewachsen.
19.03.2008 Pressemeldung Frankfurter BuchmesseOrganisiert wird die Buchmesse von dem Unternehmen KITAB (arabisch für "Buch"), einem Joint Venture der Frankfurter Buchmesse und der Kulturbehörde Abu Dhabis, der Authority for Culture and Heritage (ADACH). "Wir sind in diesem Jahr unserem Ziel ein großes Stück nähergekommen, die Abu Dhabi International Book Fair zur zentralen Plattform für den Austausch zwischen der arabischen und internationalen Buchbranche zu machen", so Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. "Der Fachbesuchertag und das Fachprogramm haben erheblich zum Erfolg der Messe beigetragen. Insbesondere die Match-Making Session hat mich beeindruckt und es hat mich gefreut zu sehen, wie konstruktiv die Gespräche zwischen arabischen und internationalen Verlegern verlaufen sind."
Bildungsmedien- und Schulbuchmarkt im Fokus
Rund 25 Prozent der rund 3,4 Millionen Einwohner der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind unter 14 Jahre alt. 2006 wendete die Regierung den größten Teil des Haushalts (36,7 Prozent) für Bildung auf. Der Bildungs- und Schulbuchmarkt ist für ausländische Verleger dementsprechend interessant. An der Abu Dhabi International Book Fair nahmen insgesamt rund 90 Bildungsverlage teil, u.a. aus den USA, Großbritannien, Deutschland und Indien. "Von dem Buchexport Indiens in Höhe von 100 Millionen US-Dollar pro Jahr gehen rund 25 Millionen US-Dollar in die Märkte der Golfstaaten", so Anand Bhushan, Mitgeschäftsführer von Pitambar Publishing aus New Delhi. Der US-Verlag Scholastic macht rund 15 Prozent seines internationalen Exportumsatzes mit Staaten der arabischen Welt, Tendenz steigend. "Wir sind mit vier Leuten hier vor Ort bei der Abu Dhabi International Book Fair, das allein sagt schon etwas über die Wichtigkeit des Marktes aus", so Seth Russo, Geschäftsführer von Scholastic.
Um den deutschen Verlagen den Einstieg in den arabischen Markt mit seinem großen Potential zu erleichtern, organisierte die Frankfurter Buchmesse mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts erstmals einen deutschen Gemeinschaftsstand in Abu Dhabi. Auf 48 Quadratmetern präsentierten 250 Verlage rund 850 Titel. "Der Gemeinschaftsstand war für mich Ausgangsbasis für die Kontaktaufnahme mit arabischen Verlegern, die sich hier die relevanten Titel gleich anschauen konnten", sagt Ines Killat, International Rights Manager beim Wissen Media Verlag. "Ich habe gute neue Geschäftskontakte aufgebaut, die sich bei Treffen auf einer der nächsten Messen weiter vertiefen lassen."
Schwerpunkte Distribution, Copyright und Übersetzungen
Zur arabischen Welt gehören über 20 so unterschiedliche Länder wie Ägypten, Jordanien, Syrien, Libanon oder auch die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Vertrieb zwischen einzelnen arabischen Ländern ist wegen unterschiedlicher Zollbestimmungen und mangelhafter Distributionswege problematisch, Verstöße gegen das Copyright können den Lizenzhandel in einigen Ländern zu einer Herausforderung machen. Im Mittelpunkt des Fachprogramms der ADIBF standen daher Vorträge wie "Piracy vs. Copyright", um den Austausch arabischer und internationaler Verleger zu fördern.
Bei der Verlegerkonferenz "Literature Travels the World" am Vorabend der Messe diskutierten internationale Fachleute wie der Literaturagent Andrew Nurnberg, der Verleger Nigel Newton von Bloomsbury oder der Übersetzer Hartmut Fähndrich über Übersetzungen. Großes Interesse erregte dabei das Übersetzungsförderungsprojekt "Kalima" (arabisch für "Wort"), welches von der der ADACH gegründet wurde. In den kommenden Jahren sollen Hunderte von klassischen und zeitgenössischen internationalen Titeln aus Literatur, Sachbuch und Wissenschaft in die arabische Sprache übersetzt werden. Die Titel sowie die passenden Verlagshäuser werden von einer Jury ausgesucht und zu 120 Prozent gefördert. "Das ist das erste Mal, dass sich die arabische Verlagswelt so deutlich dem Westen zuwendet", sagt al-Qubaisi. Sechs von "Kalima" geförderte Titel waren pünktlich zur Buchmesse publiziert, darunter Jürgen Habermas´ "Die Zukunft der menschlichen Natur" sowie "Eine kurze Geschichte der Zeit" von Stephen Hawking. In Arbeit sind Titel wie Karl Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde".
Anreize für die arabische Literatur
Auf der Messe präsentierten sich renommierte arabische Autoren wie der Ägypter Alaa al-Aswany ("Der Jakubian-Bau", "Chicago"), Khairy Shalaby ("The Lodging House") und Baha Taher, der mit seinem Buch "Sunset Oasis" den International Prize for Arabic Fiction gewann, der zum ersten Mal verliehen wurde und von der Booker Prize Foundation unterstützt wird. Ebenfalls auf der Messe waren die Preisträger des mit rund 1,9 Millionen US-Dollar dotierten Sheikh Zayed Award, darunter der Lybier Ibrahim Al Kouni, der in der Kategorie Belletristik gewann. Die neu geschaffenen Preise sollen als Ansporn für das kulturelle Schaffen arabischer Autoren und Verleger dienen. Die deutschen Rap-Poeten Bas Böttcher und Timo Brunke trugen auf der Messe ihre Gedichte vor. Über Kopfhörer verfolgten die Zuhörer gebannt die Vorstellungen in der "Textbox", die arabischen Übersetzungen der auf Deutsch vorgetragenen Gedichte konnten sie parallel auf einem Monitor verfolgen.
Neben der Ausrichtung der Buchmesse wird das Joint Venture KITAB die Professionalisierung des Buchmarktes in der arabischen Welt vorantreiben. Dazu gehört vor allem der Aufbau eines Distributionssystems sowie eines Verzeichnisses lieferbarer Bücher. Auch die Ansiedlung internationaler Verlage in Abu Dhabi unterstützt KITAB. "Gute Verlage sind erpicht darauf, nach Abu Dhabi zu kommen und hier eine Niederlassung zu gründen, denn wir versuchen, was das Copyright betrifft, hier ein sicheres Umfeld für sie und ihre Bücher zu schaffen", sagt al-Qubaisi.
Im kommenden Jahr findet die Abu Dhabi International Book Fair vom 17. bis 22. März 2009 statt.
Die Frankfurter Buchmesse ist mit mehr als 7.000 Ausstellern aus über 100 Ländern die größte Buchmesse der Welt. Sie organisiert darüber hinaus die Beteiligung deutscher Verlage an mehr als 25 internationalen Buchmessen und ist Mitbegründerin der Cape Town Book Fair in Südafrika. Mit www.buchmesse.de unterhält sie das weltweit meist genutzte Portal für die Verlagsbranche. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Ansprechpartner
Frankfurter BuchmesseReineckstr. 3
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Web: http://www.buchmesse.de
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