Alkohol und Nikotin - Drogen ganz legal
Alkohol und Nikotin sind gesellschaftlich ziemlich etablierte Drogen. Legal, vergleichsweise preisgünstig und leicht erhältlich, verursachen Alk und Zigarette aber auch in hohem Maße vermeidbare Krankheiten. Wir klären, warum Alkohol und Zigaretten einerseits für Jugendliche besonders schädlich sind, gerade Alkohol aber immer beliebter wird - und auf welche Strategien die Politik setzt.
28.05.2008 Pressemeldung mitmischen.deAktuelle Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen, dass der Alkoholkonsum der Jugendlichen unter 18 Jahren angestiegen ist. Die 12- bis 17-jährigen Jugendlichen konsumierten im Jahr 2007 im Schnitt 50,4 Gramm reinen Alkohol pro Woche. Das ist mehr als in den Jahren davor: Im Jahr 2004 waren es 44,2 Gramm, 2005 34,1 Gramm.
Mehr und häufiger trinken
Der Anteil der unter 18-Jährigen, die mindestens einmal in der Woche Alkohol trinken, ist wieder angestiegen. Im Jahr 2004 haben 21 Prozent der Jugendlichen mindestens ein alkoholisches Getränk pro Woche getrunken, 2005 liegt der Anteil bei 19 Prozent und 2007 bei 22 Prozent. Noch stärker gestiegen ist der Anteil der Jugendlichen, die sich häufiger mal so richtig die Kante geben: 26 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren haben sich im letzten Monat mindestens einmal fünf oder mehr alkoholhaltige Getränke hintereinander getrunken. In der Fachsprache nennt man das "Binge Drinking", auf Deutsch heißt das so viel wie "Komasaufen". In den Vorjahren waren das nur 23 Prozent (2004) beziehungsweise 20 Prozent (2005) gewesen.
Auch Mädchen gucken in die Flasche
Der Anstieg wurde bei Mädchen und bei Jungen beobachtet. Mädchen trinken zwar insgesamt weniger Alkohol als Jungs, die Tendenz geht aber bei beiden in die gleiche Richtung – zu mehr Alkohol, und das häufiger. Aus einer europäischen Studie geht außerdem hervor, dass die Anzahl von so genannten "Trunkenheitserlebnissen" bei Mädchen zwischen 1994 bis 2002 in einigen europäischen Ländern zugenommen hat. Die Unterschiede im Trinkverhalten zwischen Mädchen und Jungs nehmen demnach immer mehr ab.
Sonderfall Alkopops
Bei einer Getränkesorte ist ein Rückgang zu verzeichnen, und zwar bei Alkopops. Die süßen Mixgetränke stehen bei Jugendlichen nicht mehr hoch im Kurs: Der Anteil der 12 bis 17-jährigen Jugendlichen, die mindestens einmal monatlich Alkopops trinken, sank von 28 Prozent im Jahr 2004 über 16 Prozent im Jahr 2005 auf nur noch 10 Prozent im Jahr 2007. Der Rückgang betrifft aber nur Alkopops; er wird auf die Einführung der Sondersteuer für spirituosenhaltige Süßgetränke zurückgeführt.
Die Sondersteuer hat der Bundestag im Mai 2004 beschlossen. Hintergrund waren Studien, nach denen 48 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren mindestens einmal im Monat die süßen Mixgetränke trinken. Alarmierend war zudem, dass offenbar vor allem jüngere Jugendliche Alkopops konsumierten: Bei den 18- bis 29-Jährigen tranken nämlich nur 39 Prozent mindestens einmal im Monat Alkopops.
Mixgetränke teurer machen
Die damaligen Koalitionsfraktionen SPD und Bündnis 90/Die Grünen hatten im März 2004 einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht. Am 6. Mai 2004 stimmte die Mehrheit der Abgeordneten für das Gesetz. Das Prinzip des "Gesetzes zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vor Gefahren des Alkohol- und Tabakkonsums", dessen erster Artikel als Alkopopsteuergesetz bekannt wurde: Alkopops werden mit einer eigenen Steuer belegt und dadurch für die jugendlichen Konsumenten teurer. Die Steuer beträgt für den gängigen Flascheninhalt von 0,275 Liter bei einem Alkoholgehalt von 5,5 Volumenprozent etwa 84 Cent. Zusätzlich muss auf der Flasche ein deutlicher Hinweis auf das Abgabeverbot an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre angebracht sein. Das Geld aus den Steuereinnahmen wird für gesundheitliche Aufklärung verwendet. Das Gesetz trat am 1. Juli 2004 in Kraft (außer Absatz 2 - die Kennzeichnungspflicht der Flaschen -, der am 30.9.2004 in Kraft trat).
Was tun?
Während auch weitere Ansätze diskutiert worden sind, etwa zum gesetzlichen Verbot von sogenannten Flatrate-Partys, sprechen sich viele Experten gegen weitere Verbote aus. Sabine Bätzing (SPD) etwa, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, argumentiert, dass Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen bereits mit den bestehenden Gesetzen wirksam bekämpft werden könne. Allerdings müssten Gastwirte und Verkäufer konsequent kontrollieren, wie alt ihre Gäste oder Kunden sind – und auch dementsprechend handeln. Bier darf erst an Menschen ab 16 Jahren ausgegeben werden, Schnaps gibt´s erst ab 18 Jahren. Die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen und des Gaststättenrechts müssten dabei durch die zuständigen Stellen der Kommunen stärker kontrolliert werden.
Die Politik könne zudem ihren Teil zur Lösung des Problems beitragen, indem sie Mittel für Prävention und Aufklärung bereitstellt, sagte Sabine Bätzing im mitmischen.de-Interview im November 2007. Jugendlichen müsse Kompetenz und Bewusstsein zum Thema Alkohol vermittelt werden, und sie müssen auch lernen, "nein" sagen zu können. Die Gesellschaft habe außerdem Vorbildfunktion – besonders Personen des öffentlichen Lebens, aber auch Eltern.
Rauchen: Positive Entwicklung
Während Jugendliche mehr trinken, sind die Zahlen von jugendlichen Rauchern auf einem historischen Tiefstand: Im Alter von 12 bis 17 Jahren greifen 18 Prozent der Jugendlichen zur Zigarette. Das sind so wenig wie nie zuvor seit Beginn der Befragungen durch die BZgA im Jahr 1979. Noch im Jahr 2001 rauchten 28 Prozent der unter 18-Jährigen. Der positive Trend gilt für Mädchen und Jungen. Gleichzeitig ist die Zahl der Jugendlichen, die noch nie geraucht haben, gewachsen: Während 2001 nur 41 Prozent der Befragten unter 18 angaben, Nichtraucher zu sein, waren es im Jahr 2007 57 Prozent. Auch dieser Trend ist erfreulich: Je höher der Anteil der Jugendliche liegt, die noch nie geraucht haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch in der Zukunft weniger Personen mit dem Rauchen anfangen.
Ein weiteres Ergebnis der aktuellen Umfragen war, dass das Rauchverhalten mit dem Sozial- und Bildungsstatus zusammenhängt. Also: Besonders viel rauchen Jugendliche aus Familien mit geringer Bildung, geringem Einkommen und niedrigem beruflichem Status. So ist der Anteil der Raucherinnen und Raucher an Hauptschulen auch dreimal so hoch wie an Gymnasien (24 Prozent gegenüber sieben Prozent).
Warum rauchen Jugendliche?
Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache in Industriestaaten. Keine neue Erkenntnis – warum beginnen dann überhaupt noch junge Menschen mit dem Rauchen? Rauchen ist ein Mittel zur Selbstdarstellung. Für viele Leute ist das Rauchen ein Symbol. Dazu wird es durch die Gesellschaft gemacht, vor allem auch durch die Werbung. Die Werbung vermittelt den Eindruck, Rauchen stünde gleichbedeutend mit "Erwachsensein", "Erfahrungen haben", "Freunde haben", "beliebt sein" oder "Genießen können". Nicht zufällig war die Raucherecke auf dem Pausenhof für viele Generationen von Schülern der Ort, wo sich die Älteren und Coolen der Schule trafen.
Rauchen: cool?!
Weil das Rauchen ein Symbol ist, wird es von Jugendlichen gern genutzt. Es ist ein einfaches Mittel, sich in einer Zeit, wo vieles kompliziert ist, der Erwachsenenwelt zuzuordnen – besonders vor Gleichaltrigen. Für viele Jugendliche ist das Rauchen auch ein willkommenes Mittel, sich von den Eltern abzugrenzen, vor allem, wenn sie von ihnen Unverständnis oder Ablehnung erfahren. Dem Umfeld kommt große Bedeutung zu: Die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche rauchen, erhöht sich um ein Vielfaches, wenn im Freundeskreis geraucht wird. Studien haben zudem gezeigt, dass Kinder von Rauchern später selbst eher rauchen als Kinder von Nichtrauchern. Eltern, die verhindern wollen, dass ihre Kinder rauchen, sollten deshalb zuallererst selbst aufhören. Einer Untersuchung des britischen Imperial College von 2005 zufolge haben zudem Kinder, die in Raucherhaushalten groß geworden sind, ein bis zu viermal so hohes Krebsrisiko wie Kinder aus Nichtraucherfamilien.
Wenn man erst einmal richtig angefangen hat, ist der Ausstieg vom Rauchen schwer. Zum Bild, das mit dem Rauchen verbunden wird, kommt nämlich die Sucht. Vereinfacht gesagt stimuliert das Nervengift Nikotin der Zigarette bestimmte Rezeptoren im Gehirn, wodurch verschiedene Stoffe freigesetzt werden. Sie sorgen für einen kurzen Glücksmoment im Gehirn, der aber schnell nachlässt. Nach diesem Moment verlangt der Körper immer wieder. Die Rezeptoren vermehren sich, wodurch die Nikotinmenge erhöht werden muss – der Beginn der Sucht.
Welches Gesundheitsrisiko droht Rauchern?
Zum Nikotin kommen mehr als 4800 Chemikalien, darunter zahlreiche toxische und krebserregende Stoffe, die im Rauch einer einzelnen Zigarette enthalten sind. Zu den häufigsten Raucherkrankheiten zählen neben dem Lungen- auch Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs. Schon ein bis zehn Zigaretten täglich steigern das Lungenkrebsrisiko auf das Zehnfache. Wer zum Beispiel täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, lagert pro Jahr etwa eine Tasse Teer in seiner Lunge ein, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Schadstoffe Teer und Kohlenmonoxid führen zu einer schlechteren Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Körpers. Die Haut wird grau und faltig, das körpereigene Immunsystem wird geschwächt. Entzündungen der Atemwege seien typisch für Raucher - Raucherhusten und chronische Bronchitis können die Folge sein. Auch das Herz-Kreislaufsystem werde durch das Rauchen extrem belastet. Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und das so genannte Raucherbein sind häufig das Ergebnis. Jede dritte Herz-Kreislauf-Erkrankung lässt sich nach Studien der Uni München aufs Rauchen zurückführen.
Wie gefährlich ist Passivrauchen?
Auch Passivrauchen ist gefährlich. Umweltmedizinische Studien haben eindeutig festgestellt: Nicht nur Raucher selbst, sondern auch Passivraucher haben ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 50 Prozent aller Kinder sind nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) regelmäßig dem blauen Dunst ausgesetzt. Experten schätzen, dass das Lungenkrebsrisiko für Passivraucher im Vergleich zu absoluten Nichtrauchern um bis zu 50 Prozent erhöht ist. An den Folgen des Passivrauchens sterben in Deutschland derzeit jährlich etwa 3.300 Menschen, meldet das DKFZ.
Nichtraucherschutzgesetz auf Bundesebene
Zumindest in Sachen Nichtraucherschutz hat sich 2007 einiges getan. Am 1. September 2007 ist das "Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens" in Kraft getreten. Damit ist es nicht mehr erlaubt, in öffentlichen Einrichtungen zu rauchen, zum Beispiel in Behörden, Dienststellen, Gerichten, Bahnhöfen und Zügen. Wenn eine bestimmte Zahl von Räumen vorhanden ist, können nach dem Gesetz unter Umständen abgetrennte Raucher-Räume eingerichtet werden.
Gastronomie: Ländersache
Für Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen der Bundesländer und in der Gastronomie sind die einzelnen Bundesländer zuständig. In Niedersachsen und Baden-Württemberg traten am 1. August 2007 die ersten entsprechenden Gesetze in Kraft. Weitere zehn Bundesländer folgten am 1. Januar 2008.
Schritt für Schritt: Zigaretten-Konsum bremsen
Um gezielt Jugendliche zu schützen, wurde 2007 eine Lücke im Jugendschutzgesetz geschlossen. Auch vorher durften Tabakwaren nur an Jugendliche über 16 verkauft werden. Am Automaten konnte allerdings theoretisch jeder Zigaretten ziehen. Seit dem 1. Januar 2007 müssen Zigarettenautomaten mit einem Geldkarten-Chip ausgerüstet sein. Auf der Geldkarte ist das Alter des Karteninhabers gespeichert - und nur mit dem Einverständnis der Eltern gibt es eine Geldkarte. Auch das "Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens" enthält einige neue Regelungen, die sich speziell an Jugendliche richten. Demnach ist das Rauchen in der Öffentlichkeit erst ab 18 Jahren erlaubt. Auch die Grenze für den Verkauf von Tabakwaren liegt seit dem 1. September 2007 bei 18 Jahren. Für Zigarettenautomaten gilt eine Übergangsfrist von 15 Monaten bis zum 31. Dezember 2008. Bis dahin müssen die Automatenaufsteller die Zigarettenautomaten auf die neue Altersgrenze von 18 Jahren umgestellt haben. Ab dem 1. Januar 2009 darf an Zigarettenautomaten kein Bezug von Zigaretten durch Jugendliche mehr möglich sein – denn wer gar nicht erst in Versuchung kommt, kann auch leichter "nein" sagen.
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