Armut begrenzen – Bildung und Beschäftigung fördern

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verkündete kürzlich, 13 % aller Deutschen seien von Armut bedroht, ohne Sozialleistungen wären es sogar 26 % – so der Entwurf des neuen Armuts- und Reichtumsberichts. Dort gilt derjenige als von Armut bedroht, der weniger als 781 Euro verdient. Besonders stark vertreten: Arbeitslose, Geringqualifizierte und Alleinerziehende. Aus Sicht des DIHK ist allerdings genaues Hinschauen erforderlich, um politische Schnellschüsse zu vermeiden.

29.05.2008 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Jüngere Entwicklung ignoriert – Fragen bleiben offen

Der Bericht basiert zunächst auf Zahlen aus dem Jahr 2005. Die stark gesunkene Arbeitslosigkeit seit 2006 bleibt also völlig unberücksichtigt. Allein von 2006 bis heute wurden aber gut 1,5 Mio. neue Jobs geschaffen. Wird das ignoriert, werden die Zustände bewusst negativ dargestellt. Und beeinflusst die hohe Steuer- und Abgabenlast nicht selber ein Stück weit das Armutsrisiko? Auch wenn dieses Risiko durch Sozialleistungen halbiert wird: Verbliebe den Bürgern mehr in der Tasche, müssten weniger staatliche Leistungen in Anspruch genommen werden.

Beschäftigung ist das beste Mittel gegen Armut

Die Frage muss lauten: Wie kann gewährleistet werden, dass Menschen am gesellschaftlichen Wohlstand teilhaben? Ein wesentliches Ergebnis des Berichtes ist eindeutig: Arbeitslosigkeit ist das größte unmittelbare Armutsrisiko. Arbeitslose und Alleinerziehende, die häufig keiner Vollzeitbeschäftigung nachgehen können, haben das höchste Risiko, von Armut betroffen zu sein – es liegt bei 43 % bzw. 24 %. Völlig falsch wäre, darauf mit Mindestlöhnen zu reagieren. Damit verlören gerade Geringqualifizierte ihre Chancen auf einen Arbeitplatz, denn oftmals ist ihre Produktivität zu gering, um diese Löhne erwirtschaften zu können. Vielmehr muss die gute konjunkturelle Lage genutzt werden, um Weichen für mehr Beschäftigung in diesem Bereich zu stellen: Mehr Spielräume bei Kündigungsschutz und Befristung sind ebenso wichtig wie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Letztere trägt vor allem zu höherer Erwerbstätigkeit und damit zu einem reduzierten Armutsrisiko gerade von Alleinerziehenden bei.

Langfristig gibt die Bildungspolitik den Ausschlag

Mangelnde Bildung legt bereits früh im Leben die Basis für ein späteres hohes Armutsrisiko. Sie ist eine wesentliche Ursache von (Langzeit-) Arbeitslosigkeit und bestimmt damit in hohem Maße das Risiko, arm zu sein. Das zeigt auch der Bericht: Eine fehlende abgeschlossene Berufsausbildung erhöht das Armutsrisiko der betroffenen Personen auf 19 %. Es ist daher dramatisch, dass derzeit knapp 10 % aller Schüler keinen Schulabschluss schaffen. Hier muss angesetzt werden, vor allem durch bessere frühkindliche Bildung. Im Vorschuljahr sollte der Kindergartenbesuch deshalb verpflichtend sein. Auch Ganztagsschulen ermöglichen eine bessere individuelle Förderung.

Fazit: Grundsätzlich sollte der Zustand Deutschlands nicht unnötig schlechtgeredet werden. Richtig ist nämlich auch, dass aufgrund der Leistungen des Sozialstaates Deutschland im europäischen Armutsvergleich ziemlich gut positioniert ist. Zudem trifft der Bericht lediglich Aussagen über das Phänomen der Armutsgefährdung. Tatsächlich arm – und nicht nur von Armut bedroht – im Sinne der international üblichen Definition sind nur 4 % der hiesigen Bevölkerung. In jedem Fall gilt: Bildung und Beschäftigung sind die richtigen Instrumente, um Wachstum und Wohlstand zu generieren, Teilhabe für jeden zu gewährleisten und Armut zu vermeiden.

Ansprechpartnerin: Dr. Anne Zimmermann, DIHK Berlin, Telefon 030 / 20308 1116


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