Baden-Württemberg

Berufliche Gymnasien erhöhen die Durchlässigkeit des Schulsystems in Baden-Württemberg

Am 17.06 wurde nach den Jahren 2006 und 2008 der dritte Bildungsbericht "Bildung in Deutschland 2010" der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Autorinnen und Autoren gehören verschiedenen deutschen Forschungseinrichtungen und den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder an. Verfasst wurde der Bericht im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz.

17.06.2010 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Das Schwerpunktthema 2010 ist eine Analyse zu Perspektiven des Bildungswesens im demografischen Wandel. Auch wenn die nationale Perspektive im Vordergrund steht, fokussiert der Bericht regionale Aspekte wie beispielsweise die Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf verschiedene Bildungsgänge und die Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Teilnahme an Bildung.

Realschule und Gymnasium haben den größten Anteil an der Schülerzahl der weiterführenden Schulen

Baden-Württemberg gehört zu den Ländern, die bei den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen ein gegliedertes Schulsystem von Hauptschule (ab dem Schuljahr 2010/11: Werkrealschule und Hauptschule), Realschule und Gymnasium aufweisen. So besuchten im Schuljahr 2008/09 insgesamt rund 655 700 Schülerinnen und Schüler die Sekundarstufe I der weiterführenden Schulen. Die Anteile der Realschulen und Gymnasien waren mit knapp 38 Prozent bzw. 37 Prozent annähernd gleich hoch. Nahezu ein Viertel der Schülerinnen und Schüler besuchte eine Hauptschule. Die drei Schulen besonderer Art kamen auf einen Anteil von knapp 1 %. Bei diesen Angaben bleiben wie im Bildungsbericht die Orientierungsstufe, die Freien Waldorfschulen und die Sonderschulen unberücksichtigt.

Die Ergebnisse des Bildungsberichts beruhen weitgehend auf Angaben aus dem Jahr 2008. Das Statistische Landesamt teilt ergänzend hierzu mit, dass sich im Schuljahr 2009/10 in Baden-Württemberg durch die Einführung des 8-jährigen gymnasialen Bildungsgangs (G8) eine neue Abgrenzung ergeben hat, da die 10. Klassenstufe des G8 nun bereits zur gymnasialen Oberstufe und nicht mehr zur Sekundarstufe I zählt. Durch diesen Wegfall eines Jahrgangs sank der Anteil der Gymnasien auf 34 Prozent. Der Anteil der Realschulen stieg im Gegenzug auf 40 Prozent, obwohl die Schülerzahl nahezu unverändert bei rund 246 800 liegt. Trotz eines deutlichen Rückgangs der Schülerzahl um fast 6 500 auf 156 200 blieb der Anteil der Hauptschule an den Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I im Schuljahr 2009/10 bei 25 Prozent.

Mittlerer Abschluss als Sprungbrett zum beruflichen Gymnasium

Zum Schuljahr 2008/09 wechselten fast 32 800 Schülerinnen und Schüler von der Sekundarstufe I an die gymnasiale Oberstufe eines allgemeinbildenden Gymnasiums. Nach den Ergebnissen des Statistischen Landesamtes waren bereits 99 % im Schuljahr davor an einem Gymnasium, lediglich 1,1 Prozent (354 Schülerinnen und Schüler) stammten von einer Realschule. Dies war ein deutlich geringerer Anteil als im Bundesdurchschnitt, der bei 5,3 Prozent lag. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, müssen für Baden-Württemberg jedoch auch die beruflichen Gymnasien in die Betrachtung einbezogen werden. Gut 7 von 10 der über 16 800 neu eingetretenen Schüler an den beruflichen Gymnasien hatten zuvor eine Realschule besucht, 5 Prozent eine Hauptschule, knapp 9 Prozent eine berufliche Schule und 15 Prozent ein allgemeinbildendes Gymnasium. Berücksichtigt man dies, zählte das Statistische Landesamt zum Schuljahr 2008/09 insgesamt rund 49 800 Übergänge in die gymnasiale Oberstufe der allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien. Etwa ein Viertel dieser Übergänge stammte aus einer Realschule. 1,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler kamen von einer Hauptschule und hatten dort den mittleren Abschluss erworben und 2,9 Prozent wechselten von einer beruflichen Schule. Wie beim Bildungsbericht sind hierbei die Freien Waldorfschulen und die Sonderschulen nicht in die Betrachtung der gymnasialen Oberstufe einbezogen.

Im Schuljahr 2009/10 stieg die Zahl der Neueintritte an den beruflichen Gymnasien im Land auf rund 18 600 an. Bei den Anteilen ermittelte das Statistische Landesamt eine leichte Verschiebung bei den Realschulen auf 68 Prozent und den Gymnasien auf 17 Prozent. Die beruflichen Gymnasien bieten somit einen attraktiven Weg zum Abitur für Schulabsolventen mit mittlerem Abschluss.

"Risikolagen" beeinträchtigen die Chancen auf eine erfolgreiche Bildungskarriere

Hemmende Bedingungen für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn werden im Bildungsbericht durch die so genannten Risikolagen beschrieben. Es werden drei Risikolagen unterschieden: die Eltern eines Kindes sind beide erwerbslos (soziales Risiko), haben keinen Beruf erlernt (bildungsfernes Elternhaus) oder der Haushalt hat nur sehr wenig Geld zur Verfügung (finanzielles Risiko). Wachsen Kinder beispielsweise mit einem oder mehreren Risiken auf, so sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Gymnasium besuchen oder studieren werden, erheblich. Der Anteil der Kinder, die mit einer der drei Risikolagen aufzuwachsen, ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich groß. Am niedrigsten ist die Wahrscheinlichkeit, in einem Haushalt aufzuwachsen, der allen drei Risokolagen ausgesetzt ist, in Bayern (1,7 Prozent) und Baden-Württemberg (1,8 Prozent), am höchsten in Hamburg (7,5 Prozent) und Bremen (10,1 Prozent). In den östlichen Bundesländern ist – mit Ausnahme von Berlin – diese Wahrscheinlichkeit relativ niedrig, was vor allem auf den geringen Anteil bildungsferner Elternhäuser zurückzuführen ist.


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