Gesellschaft

Demokratie braucht Bildung

Zum 75. Jubiläum des Grundgesetzes hat der Verband Deutscher Realschullehrer ein Positionspapier mit vier Punkten für Demokratie und Zusammenhalt in der Schule vorgelegt.

22.05.2024 Bundesweit Pressemeldung Bundesverband Reale Bildung (BVRB)
  • Schulbücher vor einer Tafel in einem Klassenzimmer. © www.pixabay.de

„Die Unantastbarkeit der Menschenwürde und das Demokratieprinzip sind durch die Verfassung selbst jeder Abschaffung entzogen. Recht und Gesetz sind in Kraft. Aber politisch müssen wir uns immer im Klaren sein: Unsere Verfassung verliert ihre Gültigkeit an dem Tag, an dem sie uns gleichgültig wird. Wir Bürgerinnen und Bürger leben und schützen, verwirklichen und entfalten sie. Wenn wir das tun, bleibt unsere Verfassung spürbar und stark, und unsere Demokratie wird leben.“  (Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier)

In den letzten Monaten haben tausende Menschen in vielen Städten Deutschlands ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Extremismus, Ausgrenzung, Hass und Hetze gesetzt und sich für die Werte unserer Demokratie stark gemacht. Es ist gut und an der Zeit, dass sich auch die Zivilgesellschaft laut und deutlich zu Wort gemeldet hat und weiter zu Wort meldet. Das macht uns Mut, gerade in dem Jahr, in dem wir den 75. Geburtstag unseres Grundgesetzes feiern. Die dort zugrunde gelegten Werte und Menschenrechte sind zwingend darauf angewiesen, dass sie von den Bürgerinnen und Bürgern getragen, verteidigt und gelebt
werden. Sie müssen aber auch an jede nachfolgende Generation neu vermittelt werden. Die Demokratie als Basis unseres Zusammenlebens ist nicht mehr selbstverständlich. Der Bildung kommt daher eine ganz entscheidende Rolle zu. Wir Lehrkräfte sind dem Staat und unserer Verfassung in besonderer Weise verpflichtet und stehen tagtäglich für die Werte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ein. Wir sind es, die den Schülerinnen und Schülern Orientierung geben und entschieden gegen antidemokratische und menschenfeindliche Haltungen und Entwicklungen eintreten.

  1. Der VDR steht unmissverständlich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. In der uns durch das Grundgesetz und das Beamtenrecht übertragenen Verantwortung für die Gesellschaft sind wir als systemrelevante Berufsgruppe in besonderem Maße unserer Gesellschaft verpflichtet. Diese Verantwortung nehmen wir wahr und positionieren uns gegen Hass, Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Unsere Schulen stehen für Vielfalt, Pluralismus, Solidarität und ein respektvolles Miteinander.
  2. Demokratriebildung ist für Schülerinnen und Schüler insbesondere infolge der ernsten innen- und außenpolitischen Bedrohungslage in Europa und im Nahen Osten wichtiger denn je geworden. Wir brauchen daher verstärkt Programme gegen den Antisemitismus  und jedwede Form von Extremismus sowie die Stärkung der politischen Bildung in allen Bundesländern. Wir dürfen nicht wegschauen, wenn es darum geht, Haltung zu zeigen. Wir alle müssen Stellung beziehen. Schule hat den Auftrag, junge Menschen in ihrem Engagement für den demokratischen Rechtsstaat und ihr entschiedenes Eintreten gegen antidemokratische und menschenfeindliche Haltungen und Entwicklungen zu stärken. Unsere Lehrkräfte müssen von den politischen Entscheidungsträgern in den Bundesländern die volle Rückendeckung bei Gewalt und Hass im Klassenzimmer besitzen. Es gilt Unterstützungsangebote für Lehrkräfte weiter auszubauen.
  3. Der VDR fordert, direkte Erfahrungen zu stärken: Es gibt zahlreiche Gelegenheiten und Orte, das Grundgesetz und die darin enthaltenen Bürger- und Menschenrechte, aber auch deren Verletzungen, sichtbar werden zu lassen: im Schulalltag, bei Besuchen von Gedenkstätten oder Museen, durch Einbeziehung von Abgeordneten oder Zeitzeugen im Unterricht – und auf Klassenfahrten mit geschichtlichen und politischen Spuren und Schauplätzen.
  4. Wenn es darum geht, unseren Bildungs- und Erziehungsauftrag für die Demokratie erfolgreich und nachhaltig umzusetzen und gleichzeitig die Qualität unserer Schulen, des Unterrichts oder der Abschlüsse auch in Zukunft zu gewährleisten, braucht es wissenschaftliche Grundlagen, Transparenz im System sowie attraktive Arbeitsbedingungen mit einer angemessenen Personal- und Sachausstattung an der Schule vor Ort.

 


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