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Bildungsgerechtigkeit braucht mehr als gute Absichten!

Anlässlich der heutigen Veröffentlichung der deutschen Version des Weltbildungsberichts fordert der VBE eine bedarfsgerechte Finanzierung, ausreichend Personal und verlässliche Unterstützung für Schulen.

22.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
  • Tisch mit Schulbüchern, Stiften, Wecker und einem Jungen im Hintergrund © www.pexels.com Bedarfsgerechte Finanzierung, ausreichend Personal und verlässliche Unterstützung für Schulen braucht es laut VBE.

„Der Weltbildungsbericht bestätigt, was Lehrkräfte und Schulleitungen täglich erleben: Bildungserfolg hängt noch immer zu stark von der sozialen Herkunft ab. Das ist kein Erkenntnisproblem, sondern mangelnder politischer Wille. Wir wissen, was Schulen brauchen: beispielsweise eine bedarfsgerechte Finanzierung, ausreichend qualifiziertes Personal und Zeit für individuelle Förderung, Kooperation und Elternarbeit. Es liegt bei der Politik, diese Voraussetzungen zu schaffen. Nur so kann die notwendige individuelle Förderung ermöglicht werden“, erklärt Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), anlässlich der heutigen Veröffentlichung des UNESCO-Weltbildungsberichtes.

Der heute vorgestellte UNESCO-Weltbildungsbericht zeigt: Weltweit gehen weiterhin 273 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. Zugleich sind die Fortschritte beim Abbau von Bildungsungleichheiten deutlich langsamer geworden. Für den VBE ist der Bericht ein klarer Auftrag, Bildungsgerechtigkeit auch in Deutschland konsequenter umzusetzen.

Der Bericht macht deutlich, dass nachhaltige Fortschritte nicht durch Einzelmaßnahmen entstehen. Notwendig sind langfristige, aufeinander abgestimmte politische Strategien. Schulen mit besonders hohen sozialen und pädagogischen Herausforderungen müssen dauerhaft mehr Unterstützung erhalten. Eine Verteilung von Ressourcen nach dem Gießkannenprinzip wird der unterschiedlichen Ausgangslage der Schulen nicht gerecht.

„Das Startchancen-Programm ist ein wichtiger Schritt, weil es den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ausdrücklich in den Blick nimmt. Es darf aber nicht zum Feigenblatt für ein insgesamt unterfinanziertes Bildungssystem werden. Bildungsgerechtigkeit darf kein Projekt auf Zeit sein. Die zusätzlichen Mittel müssen mit ausreichend Personal, multiprofessionellen Teams und verlässlichen Strukturen hinterlegt werden“, so Neckov weiter.

Personal entscheidet über Bildungschancen

Individuelle Förderung, Inklusion, Sprachbildung und Ganztag sind zentrale Voraussetzungen für mehr Bildungsgerechtigkeit. Sie können jedoch nur gelingen, wenn Schulen über die dafür notwendigen Fachkräfte und zeitlichen Ressourcen verfügen.

Der VBE fordert deshalb:

  • bedarfsgerechte und dauerhaft gesicherte Finanzierung aller Schulen,
  • verlässliche personelle Ausstattung insbesondere für Schulen in herausfordernden Lagen,
  • multiprofessionelle Teams mit Lehrkräften, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Schulsozialarbeit sowie weitere pädagogische Fachkräfte,
  • ausreichend Zeit für Kooperation, individuelle Förderung und Elternarbeit,
  • Stärkung der frühkindlichen Bildung und der Übergänge zwischen Kita und Schule,
  • bessere Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und Schulleitungen.

Auch die im Bericht hervorgehobene Bedeutung inklusiver Bildung muss in Deutschland stärker berücksichtigt werden. „Angesichts der politischen Bestrebungen, Inklusion wieder abzuschaffen, ist die Politik gut beraten, endlich und zügig passende Rahmenbedingungen für gemeinsames Lernen zur Verfügung zu stellen. Nur so können positive Erfahrungen und Erfolge für Lehrkräfte und Schüler:innen etabliert werden. Zudem braucht es multiprofessionelle Teams, um eine hohe Qualität zu sichern. Wenn eine Lehrkraft gleichzeitig große Lerngruppen unterrichten, individuelle Förderpläne umsetzen, sprachliche Barrieren abbauen und soziale Konflikte auffangen soll, ist das ohne zusätzliche Unterstützung nicht zu leisten“, betont Neckov.

Der VBE begrüßt, dass der Weltbildungsbericht Bildungsgerechtigkeit als langfristige politische Aufgabe versteht. Die Bundesregierung und die Länder müssten daraus nun konkrete Konsequenzen ziehen. „Wer Bildungserfolg nicht länger vom Elternhaus abhängig machen will, muss den Schulen endlich die Mittel und das Personal geben, die sie dafür benötigen. Jede Verzögerung verschärft die Ungleichheit – und belastet zugleich die Beschäftigten, die sie täglich auffangen sollen“, erklärt Neckov abschließend.

Hintergrund

Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2026 trägt den Titel „Zugang und Chancengerechtigkeit – Countdown bis 2030“. Er untersucht globale Entwicklungen beim Zugang zu Bildung und bei Bildungsungleichheiten. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Welt ihre Bildungsziele bis 2030 voraussichtlich nicht vollständig erreichen wird. Zugleich zeigt er, dass langfristige, aufeinander abgestimmte politische Maßnahmen den Zugang zu Bildung und die Chancengerechtigkeit verbessern können.


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